So kommen Sie billiger an Apple-Aktien

Die Aktienkurse sind in den letzten Monaten deutlich angestiegen. DAX, Dow & Co. haben Allzeithochs markiert. Eine jüngste Studie zeigt, dass diese Hausse am Privatanleger größtenteils vorbei gegangen ist.

Die Aktienquote ist seit den Crashs 2008/2009 und 2011 drastisch gesunken und danach auch nur zaghaft angestiegen. Zu tief sitzt der Schock der zwei vergleichsweise kurz hintereinander geschehenen Kursstürze. Das Vertrauen kehrt erst langsam wieder zurück. Was kann man nun tun, um hier etwas billiger in den Markt zu kommen?

Lösung: „Out of the money“-Put-Verkauf

Der Begriff “Out-of-the-money Putverkauf” bedeutet nichts anderes als: “Verkauf von einer Put-Option mit einem Basispreis, der ein gutes Stück unterhalb des Aktienkurses liegt und die ich nicht besitze”.

„Far out of the money“ ist das angelsächsische Pendant von „weit aus dem Geld“ und besagt, der Basispreis der Option befindet sich weit weg vom aktuellen Kurs. Bei einem Call weit oberhalb des Aktienkurses (Bsp. Aktienkurs 50 Euro, Basis Call-Option 70 Euro) und bei einem Put weit unterhalb des Aktienkurses (Bsp. Aktienkurs 50 Euro, Basis Put-Option 35 Euro)

An den Börsen ist es möglich, Produkte zu kaufen und zu verkaufen. In der Regel kauft man ein Wertpapier und verkauft es später wieder, möglichst mit Gewinn. Doch es ist auch möglich, ein Wertpapier zu verkaufen, obwohl man es nicht besitzt!

Wie geht das?

Wertpapiere/Optionen/Futures werden heutzutage ohne echtes Papier gehandelt. Es sind nur Zahlen in einem elektronischen System.

Da aber bei einem „normalen Kauf“ ein Geschäft anfangs nur zustande kommt, wenn auch ein Verkäufer Ihnen das Wertpapier verkauft, hat man selbstredend auch einen vollständigen Umsatz, wenn der Verkäufer das Wertpapier gar nicht besitzt.

Denn er kann es sich am Markt ja irgendwann besorgen. Bis dahin ist er lediglich im elektronischen System als Verkäufer ohne Deckung registriert. Er hat im Prinzip „leerverkauft“, weil sein Depot leer ist!

So können Sie auch eine Put-Option verkaufen, die Sie faktisch gar nicht besitzen.

Wofür brauche ich das?

Leerverkäufe von Put-Optionen dienen dem Ziel, eine Einnahme zu generieren (Sie nehmen ja den Put-Optionspreis ein). Über die Wahl von Laufzeit und Basispreis der verkauften Put-Option können Sie selbst bestimmen, wie hoch Ihr Risiko ist und bis zu welchem Kurs die Einnahme bei Ihnen verbleibt.

Somit kann man durch einen geschickten Put-Verkauf durchaus ein paar Prozente einheimsen, ohne dass ein übergroßes Risiko eingegangen wird. Bedingung: der Put muss weit „Far out of the money“ liegen!

Bsp:

Sie haben einen Trend verpasst und ärgern sich. Ein Einstieg auf dem aktuell hohen Niveau wäre Ihnen zu riskant. Auf fallende Kurse möchten Sie aber auch nicht setzen, da die Gefahr eines weiterlaufenden Trends Ihnen zu gefährlich ist. Pattsituation.

Die Trading-Idee wäre: Sie verkaufen eine „ Far out oft the money“-Put-Option auf Ihre ursprünglich favorisierte Aktie oder Index.

Damit nehmen Sie Geld ein und können es behalten, solange Ihr Favorit nicht am Laufzeitende der verkauften Put-Option unterhalb des Basispreises notiert!

Das Risiko:

Sollte dies unverhoffter Weise dennoch geschehen (Aktie fällt zum Laufzeitende unter den Basispreis der Put-Option), dann ist das Schlimmste, was Ihnen passieren kann, dass Sie Ihren Favoriten nun zum Basispreis kaufen müssen! Da dieser aber ja weit tiefer als der aktuelle Kurs gewählt wurde, kaufen Sie Ihren Favoriten billig ein. Das wollten Sie ja eigentlich vorher schon getan haben. Demnach ist das Risiko eigentlich kein Risiko, sondern die Chance, billig in die favorisierte Aktie zu kommen.

Falls nicht, dann haben Sie zumindest die Put-Einnahme verdient.

Beispiel: Trend bei Apple verpasst

Sie hätten gerne 100 Apple-Aktien für 480,- USD gekauft. Das haben Sie aber verpasst. Nun steht Sie bei 520,- USD und Sie ärgern sich schwarz!

Sie können Ihren Schmerz etwas trösten, indem Sie wie folgt vorgehen:

Rahmendaten (per Schlusskurs 08.11.13  22:00 Uhr) 6.200 USD Margin

Verkauf Apple Put Strike 480 Laufzeit April 2013 zum Kurs von 18,80 USD

Szenario 1: Apple steigt auf 550 USD

Da der leerverkaufte Put wertlos ist (Applekurs oberhalb des Strikepreises des Puts), passiert rein gar nichts. Der Leerverkäufer, also Sie, streichen die anfangs eingenommene Prämie* als Gewinn ein.

*als Prämie bezeichnet man den Optionspreis oder Kurs der Option multipliziert mit der Kontraktgröße (bei Aktien in der Regel 100 pro Kontrakt), die Sie beim Kauf bezahlen, oder beim Verkauf einnehmen.

Damit haben Sie pro verkauftem Put-Kontrakt 18,80*100 = +1.880,- USD Prämie eingenommen! Immerhin wären das +3,91 Gewinn bezogen auf Ihre ursprünglich gewollte Investition von 100 Apple-Aktien für 480,- USD.

Aber Sie haben nur 6.200 USD eingesetzt. Denn das ist die aktuelle Margin, die von der Börse für den Verkauf von einem Kontrakt dieses Apple-Puts verlangt wird. Die Margin ist nur eine Sicherheitshinterlegung, die Sie auf dem Konto haben müssen und die bis zur Glattstellung geblockt wird, sie bezahlen für den Trade nichts außer den Gebühren.

Demnach haben Sie bezogen auf Ihren „Einsatz“ sogar +30,32% Gewinn gemacht.

Szenario 2: Apple bleibt bei 520 USD stehen

Auch hier gilt: Da der leerverkaufte Put wertlos ist (Applekurs oberhalb des Strikepreises des Puts), passiert rein gar nichts. Der Leerverkäufer, also Sie, streichen die anfangs eingenommene Prämie* als Gewinn ein.

Damit haben Sie pro verkauftem Put-Kontrakt 18,80*100 = +1.880,- USD Prämie eingenommen! Immerhin wären das +3,91 Gewinn bezogen auf Ihre ursprünglich gewollte Investition von 100 Apple-Aktien für 480,- USD und bezogen auf Ihren „Einsatz“ sogar +30,32% Gewinn gemacht.

Übrigens: Der anfangs beneidete Apple-Aktienbesitzer hat Nullkommanichts verdient.

Szenario 3: Apple fällt auf 480 USD

Da auch hier der leerverkaufte Put wertlos ist (Applekurs oberhalb des Strikepreises des Puts), passiert wieder rein gar nichts. Der Leerverkäufer, also Sie, streichen die anfangs eingenommene Prämie* als Gewinn ein.

Damit haben Sie pro verkauftem Put-Kontrakt 18,80*100 = +1.880,- USD Prämie eingenommen! Immerhin wären das +3,91% Gewinn bezogen auf Ihre ursprünglich gewollte Investition von 100 Apple-Aktien für 550,- USD und bezogen auf Ihren „Einsatz“ sogar +30,32% Gewinn gemacht.

Der Apple-Aktienbesitzer hat sogar einen Verlust von -7,69% gemacht bzw. bei 100 Aktien 4.000 USD verloren!

Szenario 4: Apple fällt unter 480 USD

Der leerverkaufte Put hat nun einen Wert (Applekurs unterhalb des Strikepreises des Puts)

Der Wert ist nebensächlich, denn Sie werden nun 100 Aktien zum Festpreis von 480,- USD/Stück kaufen müssen.

Damit haben Sie Ihren Favoriten zu dem von Ihnen einst angedachten Einstiegspreis erworben. Zusätzlich haben Sie noch 1.880,- USD Prämie eingenommen, so dass Sie im Endeffekt die Aktien für 461,20 USD erhalten haben.

Der Apple-Aktienbesitzer hat diesmal sogar einen Verlust von über -7,69% gemacht.

Sinn/Strategie

Sollte nun Szenario 1-3 eintreten, also der Kurs der Apple-Aktie über Ihrem Strikepreis/Basispreis der Put-Option von in diesem Beispiel 480,- USD bleiben, dann können Sie das Spiel erneut betreiben. Und zwar solange, bis Sie die Aktie zu Ihrem Wunschpreis erhalten. Auf diese Weise verdienen Sie immer ein paar Prozente und haben die Gewissheit, dass der „Worst Case“ nur der Kauf Ihres Favoriten zu einem tiefen Preis ist!

Und das ist nicht die Schlechteste aller Börsenwelten…

Sie müssen aber beachten, dass Sie nur 1 Kontrakt für jeweils geplante 100 Aktien verkaufen, ansonsten befinden Sie sich im Reich der Spekulation mit hohen Risiken.

Deshalb gilt: Leerverkäufe sollten nur Profis ausführen bzw. von Profis begleitet werden!

11. November 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

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