So nutzen Sie nachträglich die höheren Freibeträge optimal aus

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So nutzen Sie bei der Erbschaft und Schenkungsteuer nachträglich die höheren Freibeträge aus Steuerfragen gehören für Sie als Kapitalanleger zu […] (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

So nutzen Sie bei der Erbschaft und Schenkungsteuer nachträglich die höheren Freibeträge aus

Steuerfragen gehören für Sie als Kapitalanleger zu den Kernfragen Ihrer Vermögensplanung. Dabei wird es für Sie immer wieder darum gehen, so wenig wie möglich an Steuern zahlen zu müssen. Das betrifft Ihre Einkommensteuer ebenso wie etwa die seit 1996 geänderte Erbschaft und Schenkungsteuer. Je geschickter Sie es dabei anstellen, den gegebenen Gestaltungsspielraum zu nutzen, desto stärker wird Ihr Vermögen und das Ihrer Nachkommen auch wachsen.

In der Übergangszeit von der alten Erbschaft und Schenkungsteuer zur ab 1996 gültigen sollten Sie jetzt prüfen, wie Sie die höheren Freibeträge ab 1996 sinnvoll nutzen können. Dies gilt insbesondere, wenn Sie erst kurz vor dem 1.1.1996 Vermögen verschenkt haben.

Beispiel: Sie haben Ihrem Kind in 1995 Vermögen geschenkt, wobei Sie versucht haben, die damals geltenden Freibeträge voll auszunutzen und möglichst viel Vermögen steuerfrei zu übertragen.

Bargeldschenkung – persönlicher Freibetrag für das Kind 100.000 DM 90.000 DM = Steuerpflichtiger Erwerb alter Steuersatz in der Steuerklasse I Schenkungsteuer 10.000 DM 3 % 300 DM

Der Gesetzgeber hat bestimmt, daß der persönlichen Freibetrag innerhalb eines Zeitraums von 10 Jahren insgesamt nur einmal ausgenutzt werden kann. Erst nach Ablauf von 10 Jahren dürfen Sie den persönlichen Freibetrag erneut in Anspruch nehmen. Deshalb werden alle Schenkungen, die ein und derselben Person von demselben Schenker zufallen, innerhalb des 10Jahreszeitraums zusammengerechnet. Dadurch wird gewährleistet, daß der persönliche Freibetrag lediglich einmal abgezogen wird.

Außerdem wird durch die Zusammenrechnung vermieden, daß Sie durch mehrere zeitlich aufeinanderfolgende Schenkungen die Steuerprogression umgehen können. Denn bei einer einheitlichen Schenkung, bei der ein höheres Vermögen übergeht, ist ein höherer Steuersatz anzuwenden als dies bei zeitlich gestreckten und jeweils kleineren Vermögensübertragungen der Fall ist, wenn jede einzelne Schenkung für sich betrachtet werden würde.

Nach Anhebung des persönlichen Freibetrags bei Kindern von bisher 90.000 DM auf 400.000 DM (Übersicht über die Steuersätze und Freibeträge siehe S 21, „Schenken und Vererben“, S. 005007) stellt sich die Frage, wie Sie die Differenz von 310.000 DM sinnvoll nutzen können.

Das sollten Sie immer dann prüfen, wenn Sie eine Schenkung kurz vor Einführung der neuen Schenkungsteuer mit dem Ziel ausgeführt haben, die 10Jahresfrist optimal und regelmäßig zu nutzen. Denn in diesem Fall hat die 10Jahresfrist wegen der ausgeführten Schenkung bereits begonnen. Es kommt für Sie dann darauf an, diese auch hinsichtlich der Höhe der persönlichen Freibeträge optimal auszunutzen. Dies bedeutet für Sie:

  • Übertragen Sie möglichst frühzeitig weiteres Vermögen, um die 10Jahresgrenzen voll auszuschöpfen. Richten Sie die Höhe des noch zu verschenkenden Vermögens an den jeweiligen persönlichen Freibeträgen aus.

Auf diese Weise können Sie im Laufe der Jahrzehnte einen großen Teil Ihres Vermögens von einer Generation auf die folgende übertragen, ohne steuerlich überhaupt oder zumindest nur wenig belastet zu werden.

Wie sich die Zusammenrechnung bei Ihnen ab 1996 steuerlich auswirkt

Hierbei müssen Sie prüfen, welche Änderungen mit dem Jahressteuergesetz 1997 eingetreten sind bei den Regelungen über die Zusammenrechnung von mehreren Schenkungen innerhalb des Zeitraums von 10 Jahren und der Anrechnung der bereits früher entrichteten Schenkungsteuer. Bei der Zusammenrechnung gilt:

  • Für die früheren Schenkungen bleibt deren früherer steuerlicher Wert maßgebend. Den Erwerb von Grundbesitz vor dem 1.1.1996 müssen Sie deshalb mit dem maßgebenden Einheitswert nach den Wertverhältnissen des 1.1.1964 ansetzen.

  • Die Steuer für den Gesamtbetrag ist auf der Grundlage der geltenden Tarifvorschriften im Zeitpunkt des Letzterwerbs zu berechnen. Die Steuerklasse, die persönlichen Freibeträge und der Steuertarif richten sich deshalb nach dem geltenden Recht.

  • Von der Steuer für den Gesamtbetrag wird die Steuer abgezogen, welche für die früheren Erwerbe nach den persönlichen Verhältnissen und auf der Grundlage der Tarifvorschriften zur Zeit des letzten Erwerbs zu erheben gewesen wäre (fiktive Steuer).

  • Statt der fiktiven Steuer ist die seinerzeit für die Vorerwerbe tatsächlich zu entrichtende Steuer abzuziehen, wenn sie höher ist.

Trotz der Zusammenrechnung mit früheren Schenkungen ist deshalb nur der Letzterwerb steuerlich bedeutsam. Nur für diesen Erwerb schulden Sie eine neue Steuer, die vom Wert des Vorerwerbs beeinflußt ist. Weil dieser Vorerwerb bereits selbständig versteuert wurde, können Sie von der Steuer auf den Letzterwerb den Steuerbetrag abziehen werden, der rechnerisch auf den Vorerwerb entfällt.

Beispiel: Sie haben 1995 Ihrem Kind 100.000 DM geschenkt. Es war eine Schenkungsteuer von 300 DM zu entrichten. 1997 wollen Sie noch weitere 305.000 DM schenken, um den höheren Freibetrag voll auszunutzen. Es ergibt sich:

Erwerb 1995 Steuer 1995

300 DM

Erwerb 1997 Geldschenkung 1997 + Geldschenkung 1995 = Gesamterwerb = Persönlicher Freibetrag Steuerpflichtiger Erwerb Steuersatz 7 % Steuer auf Gesamterwerb

305.000 DM 100.000 DM 405.000 DM 400.000 DM 5.000 DM 350 DM

Fiktive Steuer 1997 auf Vorerwerb 1995 Geldschenkung 1995 – Persönlicher Freibetrag 1997 Fiktive Steuer 1997 = Steuerpflichtiger Erwerb

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Das sind die Steuern bei Hausverkauf, Erbe oder SchenkungBei jeder Transaktion in Deutschland verdient der Staat mit: über die Mehrwertsteuer bei Waren und Dienstleistungen, über den Abschlag auf Kapitalerträge, bei Immobilienkäufen und in Erbschaftsangelegenheiten. Die Kenntnis der Vorschriften lohnt sich. › mehr lesen

100.000 DM 400.000 DM 0 DM 0 DM – Höhere tatsächliche Steuer 1995 = Festzusetzende Steuer 1997 300 DM 50 DM Sie müssen also insgesamt 350 DM für eine Gesamtschenkung von 405.000 DM zahlen. Wenn Sie bereits in 1995 den gesamten Betrag von 405.000 DM geschenkt hätten, wäre der Gesamterwerb nach den damals geltenden Bestimmungen zu besteuern gewesen. Dabei hätte sich die Schenkungsteuer wie folgt berechnet:

Geldschenkung – Persönlicher Freibetrag = Steuerpflichtiger Erwerb Steuer 1995 (Steuersatz 7 %) Steuervorteil (22.050 – 350)

405.000 DM 90.000 DM 315.000 DM 22.050 DM 21.700 DM Sie sparen folglich bei getrennten Schenkungen in 1995 und 1997 insgesamt 21.700 DM.

Wie Sie bei Änderung der Steuerklasse die höheren Freibeträge besser ausnutzen können

Nicht allein durch die Erhöhung der Freibeträge können Sie die neue Erbschaft/Schenkungsteuer bei sinnvoller Gestal tung besser ausnutzen. Dies ist auch möglich, wenn sich auf Grund des Familienstandes oder anderer Umstände die maßgebende Steuerklasse geändert hat. Ein typischer Fall ist eine Heirat nach Einführung der neuen Erbschaft/Schenkungsteuer.

Beispiel: Sie haben 1995 Ihrer damaligen Lebenspartnerin 200.000 DM geschenkt. Nach der Heirat 1997 schenken Sie ihr 1.000.000 DM. In diesem Beispiel steht bei der ersten Schenkung auf Grund der ungünstigen Steuerklasse nur der sehr niedrige persönliche Freibetrag von 3.000 DM zu. Nach der Heirat und der zusätzlichen Einführung des erhöhten persönlichen Freibetrags für Ehegatten von 600.000 DM ergibt sich bei der Zusammenrechnung folgende Besonderheit:

Erwerb 1995 Barvermögen – Persönlicher Freibetrag = Steuerpflichtiger Erwerb 30 % Steuer 1995

200.000 DM 3.000 DM 197.000 DM 59.100 DM

Erwerb 1997 Barvermögen 1997 + Barvermögen 1995 = Gesamterwerb – Persönlicher Freibetrag Steuerpflichtiger Erwerb 15 % Steuer auf Gesamterwerb

1.000.000 DM 200.000 DM 1.200.000 DM 600.000 DM 600.000 DM 90.000 DM

Fiktive Steuer 1997 auf Vorerwerb 1995 Barvermögen 1995 200.000 DM – Persönlicher Freibetrag 1997 600.000 DM Steuerpflichtiger Erwerb 0 DM Fiktive Steuer 1997 0 DM

– Höhere tatsächliche Steuer 1995 = Festzusetzende Steuer 1997 59.100 DM 30.900 DM Wenn Sie Ihrer Lebenspartnerin den gesamten Betrag von 1.200.000 DM bereits 1995 geschenkt hätten, wäre 1995 folgende Schenkungsteuer entstanden:

Geldschenkung – Persönlicher Freibetrag = Steuerpflichtiger Erwerb Steuer 1995 (Steuersatz 50 %) Steuervorteil (598.500 – 90.000)

1.200.000 DM 3.000 DM 1.197.000 DM 598.500 DM 508.500 DM Durch die getrennten Schenkungen haben Sie also über eine halbe Mio. DM gespart.

So berücksichtigen Sie die Übertragung von Grundstücken, die noch mit dem Einheitswert angesetzt wurden

Besonderheiten ergeben sich, wenn in der Vergangenheit bereits Grundbesitz übertragen worden ist, weil in diesen Fällen der Grundbesitz mit den niedrigen Einheitswerten nach den Wertverhältnissen des 1.1.1964 angesetzt worden ist. Das Wertniveau dieser Einheitswerte entsprach ungefähr 10 % des aktuellen Verkehrswerts. In diesem Fall ist bei der Zusammenrechnung der übertragene Grundbesitz weiterhin mit den Einheitswerten anzusetzen. Jedoch ist bei der Berechnung der fiktiven Steuer von den ab 1996 geltenden höheren Freibeträgen auszugehen.

Unsicherheiten ergeben sich, wenn vor 1996 Grundstücke verschenkt wurden, die mit dem Einheitswert angesetzt worden sind.

Beispiel: Sie haben in 1994 Ihrem Kind ein Einfamilienhaus geschenkt. Der Einheitswert nach den Wertverhältnissen des 1.1.1964 betrug 70.000 DM. Für das Einfamilienhaus ergäbe sich nach den ab 1996 geltenden Vorschriften sowohl für 1994 als auch für 1996 ein Grundbesitzwert von 380.000 DM. In 1997 schenken Sie Ihrem Kind 307.000 DM. Die Rechnung sieht dann wie folgt aus:

Erwerb 1994 Grundstücksschenkung (140 % Einheitswert) – Persönlicher Freibetrag = Steuerpflichtiger Erwerb Steuer 1994 (3 %)

98.000 DM 90.000 DM 8.000 DM 240 DM

Erwerb 1997 Geldschenkung 1997 + Grundstücksschenkung 1994 = Gesamterwerb 1997 – Persönlicher Freibetrag = Steuerpflichtiger Erwerb Steuer auf Gesamterwerb (7 %)

307.000 DM 98.000 DM 405.000 DM 400.000 DM 5.000 DM 350 DM

Fiktive Steuer 1997 auf Vorerwerb 1994 Grundstücksschenkung 1994 – Persönlicher Freibetrag 1997 Steuerpflichtiger Erwerb Fiktive Steuer 1997

98.000 DM 400.000 DM 0 DM 0 DM – Höhere tatsächliche Steuer 1994 Festzusetzende Steuer 1997 240 DM 110 DM

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Checkliste: So nutzen Sie Ihren steuerlichen Gestaltungsspielraum

  • Planen Sie die vorgesehene Weitergabe von Vermögen rechtzeitig, um der Schenkung und Erbschaftsteuer weitestgehend aus dem Wege zu gehen.

  • Prüfen Sie, wie Sie nach Einführung der höheren Freibeträge im 10Jahresrhythmus weitere Schenkungen vornehmen können, um alle Steuervorteile auszunutzen.

  • Achten Sie bei Folgeschenkungen darauf, nur soviel weiterzugeben, daß trotz der Zusammenrechnung möglichst keine weiteren Steuern entstehen, da sonst auch die bereits versteuerten Schenkungen der vergangenen Jahre in den höheren Steuersatz ab 1996 einbezogen werden.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.