DAX: So ordnen Sie die jüngsten Turbulenzen richtig ein!

Wenn den Börsen eines regelmäßig gelingt, dann ist es, uns Anleger zu überraschen.

Immerhin dürfte Sie der Auslöser für den wuchtigen Rücksetzer am Freitag und heute nicht überrascht haben: Ich hatte Sie darauf in meinen Beiträgen vom 25. und 30. August frühzeitig vorbereitet!

Wichtig für Sie ist indes, sich von den jüngsten Turbulenzen nicht nervös machen zu lassen, sie richtig einzuordnen und in Ruhe die Marktlage zu analysieren.

Soviel schon vorab: Es sieht bei Weitem nicht so schlimm aus, wie es Ihnen die Medien wieder einmal weismachen wollen. Und das werde ich Ihnen in wenigen Minuten zeigen.

Die Ausgangslage

Noch am Mittwoch und zeitweilig auch am Donnerstag schaute es so aus, also würden die Aktienmärkte in Deutschland und den USA zur nächsten Rallye-Etappe durchstarten.

Doch dann kam der Freitag und hatte teils herbe Einbußen im Gepäck. Die Wall Street verbuchte Abschläge von rund -2%.

Da sich der Handel in Deutschland am Freitag bereits um 17.30 Uhr ins Wochenende verabschiedete, holt der DAX zum Wochenauftakt im Wesentlichen das nach, was er vor 3 Tagen versäumt hat.

Vergessen Sie die Erklärungs-Versuche der Medien!

Wenn Sie in den Medien nach Erklärungen suchen, dann finden Sie hauptsächlich martialische Beschreibungen wie „Einbruch an der Wall Street“, „Zinsfurcht zieht DAX steil nach unten“ oder „Der 3. deutliche Kursverlust in Folge“.

Insbesondere die letztgenannte Aussage zeugt davon, wie die Medien hier mit Ihren Emotionen spielen:

Abgesehen vom heutigen Minus von bis zu -2,6% (aktuell nur noch -1,9%) lagen die Rückgänge der beiden letzten Handelstage der vergangenen Woche mit -0,7% und -1,0% in einem völlig normalen Rahmen.

Und auch bei der Zinsfurcht übertreiben die Medien: Rund 50 der aktuell 200 Minus-Punkte gehen allein auf das Konto von Linde und E.ON. Und die haben mit Zinsfurcht rein gar nichts zu schaffen:

  • Bei Linde haben sich die Fusions-Pläne mit Praxair zerschlagen – die Aktie verliert daher -7,8%.
  • E.ON spaltet 53,35% seiner Tochter Uniper ab, der das klassische Stromgeschäft mit Kohle und Gas obliegt. Die Anteile wurden am Wochenende an die Aktionäre übertragen (1 Uniper pro 10 E.ON-Aktien), die künftig 2 Aktien im Depot halten. Die E.ON-Aktie büßt entsprechend -13,3% ein.

So viel zum Thema Wahrheit und Klarheit der Medien!

Die jüngste Entwicklung am Anleihemarkt

In meinen Beiträgen vom 25. und 30. August hatte ich Sie darauf hingewiesen, dass sich an den Anleihemärkten eine gewaltige Blase gebildet hat, die über kurz oder lange platzen wird.

Die Gelder, die dann dort abgezogen werden, dürften zu einem großen Teil in den Aktienmarkt wandern, da es außer den Rohstoffen sonst keine Anlage-Alternative gibt (Wellenreiter-Prinzip!).

Auf Sicht ist diese Entwicklung mithin positiv für den Aktienmarkt!

Hier noch einmal, als Erinnerung für Sie, die Ausgangslage bei den Anleihen in Gestalt des Bund-Futures:

Bund-Future-12-09-2016

Rückschlag nach misslungenem Ausbruchs-Versuch

In der vergangenen Woche wurde versucht, das im Zuge des BrExit-Votums entstandene Allzeithoch zu attackieren.

Nachdem das misslang, setzten massive Verkäufe ein, die den Bund-Future wieder an das untere Ende seiner Handels-Spanne brachten.

Der sehr steile Aufwärtstrend seit Dezember 2015 wurde damit nun definitiv nach unten verlassen.

Die charttechnische Ausgangslage für den DAX 30

Schauen wir nun noch, wie sich die Entwicklung der letzten Handelstage auf den DAX 30 auswirkt. Dazu habe ich 2 Charts vorbereitet, einmal mit dem 50-Tage-Momentum und einmal mit dem On-Balance-Volumen.

dax 30 mit momentum-12-09-2016

DAX 30: Momentum weiter klar im Aufwärtstrend

Der Chart zeigt das von mir bereits mehrfach vorgestellte 3-Meilenstein-Szenario für den DAX 30. Der deutsche Leitindex ist heute noch einmal auf den zuvor durchstoßenen Abwärtstrend zurückgefallen.

Das Momentum, der Indikator für Schwung und Dynamik einer Kursbewegung, befindet sich noch immer oberhalb des Aufwärtstrends (gelber Kreis).

Beides signalisiert Ihnen: Es gibt keine Verkaufs-Signale!

dax 30 mit on-balance-volumen-12-09-2016

DAX 30: Keine Verkäufe der Großinvestoren!

Das On-Balance-Volumen zeichnet bekanntlich das Verhalten der Großinvestoren nach. Diese Anleger-Gruppe erschafft und beendet Trends – daher sollten Sie als Privat-Anleger tunlichst deren Spuren beobachten und folgen.

Sie sehen: Die Großanleger haben zwar im August und den ersten Septembertagen tendenziell Gewinne abgeschöpft. Der seit Februar bestehende Aufwärtstrend ist jedoch intakt.

Es gibt aktuell lediglich einen Rücksetzer auf diese Trend-Linie, genauso wie im Juni, während der BrExit-Turbulenzen (gelbe Kreise).

Fazit

Erst wenn die hier gezeigten Trend-Linien in den kommenden Tagen nachhaltig unterschritten würden, wäre es an der Zeit, DAX & Co. auf den Prüfstand zu stellen!

Last not least: Am kommenden Freitag ist 3-facher Verfallstag für Futures und Optionen auf Aktien und Indizes. Im Vorfeld dieses „Hexensabbats“, der 4x im Jahr stattfindet, neigen die Aktienmärkte regelmäßig zu größeren Kursausschlägen!

Darüber schweigen die Medien …

12. September 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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