Das Depot an den aktuellen Entwicklungen ausrichten

Mindestens einmal im Jahr sollten Sie sich die Zeit für eine umfassende Überprüfung Ihres Depots nehmen, um dessen kurz- und mittelfristige Gewinnchancen und Verlustrisiken genauer unter die Lupe zu nehmen. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Mindestens einmal im Jahr sollten Sie sich die Zeit für eine umfassende Überprüfung Ihres Depots nehmen, um dessen kurz- und mittelfristige Gewinnchancen und Verlustrisiken genauer unter die Lupe zu nehmen.

Nur so haben Sie die Möglichkeit, den Aufbau Ihres Portefeuilles Ihrer persönlichen Risikovorstellung und den aktuellen Erwartungen an die internationalen Anleihen-, Aktien- und Devisenmärkte anzupassen.

Denn die Welt von heute ist – nicht zuletzt nach den Terroranschlägen im vergangenen September und angesichts der wachsenden Sorgen um eine möglicherweise doch noch bevorstehende weltweite Rezession – nicht mehr die von gestern oder vorgestern.

Zwar wird es immer wieder erhebliche Unterschiede im Ausmaß der jeweiligen Entwicklung geben, so dass es sinnvoll ist, durch ein gutes „Stockpicking“ nach den jeweils am besten laufenden Pferden Ausschau zu halten.

Da Sie bei diesen Bemühungen neben den Rennern auch immer wieder lahme Gäule erwischen, werden Ihre Ergebnisse als Anleger meistens aber nur der durchschnittlich gegebenen Entwicklung an den jeweiligen Märkten entsprechen. Deshalb ist der richtige Anlagenmix der weitaus entscheidendere Faktor für Ihren Erfolg an der Börse.

Tauschen Sie diesen Beitrag gegebenenfalls gegen den unter demselben Begriff früher erschienenen aus. Damit Sie nicht immer hin- und herblättern müssen, sind die wichtigsten Passagen in der jetzigen Fassung geblieben.

Alle übrigen Teile wurden auf die gegenwärtige Lage an den internationalen Anlagemärkten hin aktualisiert. Auf diese Weise wird vermieden, dass Sie – beispielsweise bei der Zuordnung der verschiedenen Anlageinstrumente auf die von mir entwickelten 9 Risikoklassen und die in den nächsten 12 Monaten zu erwartenden Renditechancen – zu falschen Entscheidungen kommen.

So analysieren Sie Ihren Anlageerfolg an Benchmark-Indizes für das vergangene Jahr

Ob meine Erfahrungen, wonach es für den Anlageerfolg eher auf die optimale Zusammensetzung eines Depots nach unterschiedlichen Anlageklassen als auf die richtige Einzeltitelauswahl ankommt, auch Ihren ähneln, können Sie leicht feststellen: Prüfen Sie doch einmal anhand der Entwicklung an den internationalen Märkten im Jahr 2001 den Erfolg Ihres persönlichen Depotmanagements.

Um wie viel Prozent haben sich Ihre Wertpapieranlagen insgesamt in diesem Zeitraum verändert?

So bewerten Sie das aktuelle Anlagerisiko Ihres Depots

Wie lässt sich das Risiko, das Sie mit Ihrem Depot aktuell eingehen, verlässlich bestimmen?

Je nach den Einzeltiteln, die sich aktuell in Ihrem Depot befinden und deren Gewichtung, kann das Gesamtrisiko eines Portfolios sehr unterschiedlich ausfallen.

Ganz allgemein können Sie davon ausgehen, dass ein Depot mit einem großen Anteil an Aktien und einem geringen an Anleihen (Renten) risikoreicher ist als eins mit umgekehrter Gewichtung. Das gilt vor allem unter kurzfristigen Anlagegesichtspunkten.

Maßstab für das Risiko einer Anlage ist hierbei die voraussichtliche Schwankungsbreite der Wertentwicklung (Volatilität) des jeweiligen Depotanteils. Wie Sie wissen, unterliegen Aktien kurzfristig immer viel größeren Wertschwankungen als Rentenanlagen.

Im Normalfall wird für Sie eine solche grobe Risikobeschreibung auch ausreichend sein. Wenn Sie dann für Aktien im Laufe der kommenden 6 bis 12 Monate mehr Risiken sehen, müssten Sie den aktuellen Aktienanteil Ihres Depots einfach um 10 oder 20 %-Punkte herunterfahren, um sich besser dagegen zu schützen.

Doch bei etwas genauerer Betrachtung werden Sie sehen, dass es auch innerhalb derselben Anlageklasse (= Asset allocation) erhebliche Risikounterschiede gibt.

Denken Sie nur einmal daran, um wie viel ausgeprägter die normalen Kursschwankungen bei den Blue Chips des deutschen Aktienindexes (DAX) im Vergleich zu denen von Aktien des Neuen Markts sind. Aber auch im Bereich der Rentenanlagen macht es einen deutlichen Unterschied, ob Sie nur Anleihen aus dem Euroraum im Portefeuille haben oder auch Fremdwährungstitel, die durch mögliche Währungsschwankungen ein zusätzliches Risiko bergen.

Wenn Sie die Risikostruktur Ihres Depots also genauer analysieren und auf die Chancen und Risiken der kommenden Zeit einstellen wollen, müssen Sie jeden Einzeltitel Ihres Depots einer eigenen Beurteilung unterziehen.

Um festzustellen, welches Gesamtrisiko Ihr Depot gegenwärtig aufweist und durch welche Umschichtungen Sie diese Risiken mindern oder erhöhen würden, sollten Sie den einzelnen Depotpositionen vor dem Hintergrund der im nächsten Abschnitt vorgenommenen aktuellen Klassifizierung je eine Risikoklasse von 1 bis 9 zuordnen.

Wenn Sie die so ermittelten „Noten“ dann je nach Anteil der Einzelposition an Ihrem Depot gewichten, erhalten Sie die Risikokennziffer für Ihr Gesamtdepot. Dem folgenden Schema entnehmen Sie dann, ob das aktuelle Risiko Ihres Depots noch mit Ihren jetzigen Risikovorstellungen übereinstimmt oder ob Sie Ihre Positionen lieber umschichten sollten.

Wenn Sie zu den sicherheitsorientierten Anlegern gehören, sollte die Risikokennziffer Ihres Depots zwischen 1 und 3 liegen; für den risikobewussten zwischen 3 und 5, für den spekulativen zwischen 5 und 7 und so weiter. Die Übergänge zwischen den Risikoklassen sind dabei fließend.

Beachten Sie auch: Da sich die Risikokennziffer für Ihr Depot aus den entsprechenden Risikostufen der gewichteten Einzelpositionen ergibt, können Sie beispielsweise als risikobewusst orientierter Anleger natürlich auch einzelne Positionen in Ihr Depot aufnehmen, die spekulativ oder hoch spekulativ sind.

Welche Ihrer Geldanlagen in welche der 9 Risikoklassen gehören

Auf den folgenden Seiten habe ich die wichtigsten in einem Depot vorkommenden Anlageformen vor dem Hintergrund der aktuellen Einschätzung an den jeweiligen Märkten in neun Risikoklassen eingeordnet.

So bringen Sie die Risiken Ihres Depots mit Ihren eigenen Vorstellungen in Einklang

Wenn Sie mit der vorangegangenen Eingruppierung übereinstimmen, versehen Sie die Einzelpositionen Ihres Portfolios einfach mit der entsprechenden „Note“, und berechnen Sie die Risikokennziffer Ihres Depots nach dem auf der folgenden Seite aufgeführten Schema.

Liegt diese Kennziffer beispielsweise zwischen vier und sechs, haben Sie Ihr Depot so strukturiert, wie es für einen risikobewusst orientierten Anleger mit Blick auf die Chancen und Risiken der jeweiligen Märkte in den kommenden zwölf Monaten sinnvoll wäre.

Übers ganze Jahr hinweg betrachtet halte ich eine solche Positionierung in der gegenwärtigen Situation für am meisten Erfolg versprechend. Das schließt nicht aus, dass Sie bei Übertreibungen an den Märkten kurzfristig auch umdisponieren oder sich mit einem größeren Depotanteil vorübergehend ganz aus Aktien und Derivaten zurückziehen sollten.

Bei einer ermittelten Kennziffer zwischen sieben und neun sollten Sie auch als spekulativ orientierter Anleger Ihre jeweiligen Risiken unbedingt im Auge behalten und mit schnell steigenden Kursen das Gesamtrisiko eher abbauen. Nur auf diese Weise wird es Ihnen gelingen, sich Ihre Kursgewinne angesichts immer wieder möglicher Korrekturphasen zu erhalten. Schichten Sie dazu einfach Einzelpositionen, die den oberen Risikoklassen zugeordnet werden müssen, in Anlagen aus den darunter liegenden Klassen um.

Dies gelingt Ihnen bereits dadurch, dass Sie das Geld, das Sie aus reduzierten oder aufgelösten Positionen zur Verfügung haben, eine Zeitlang in Zinsanlagen parken, um es nach starken Kursrückschlägen neu zu positionieren.

Eine Risikokennziffer zwischen zwei und drei sollten Sie sich auch als sicherheitsorientierter Anleger zutrauen. Je langfristiger dabei Ihr Anlagehorizont ist, desto eher dürfen Sie Ihr Depotrisiko auch weiter nach oben fahren. Denn die mit einer etwas höheren Kennziffer verbundenen größeren Risiken werden bei einer kalkulierten Anlagedauer von zwischen drei und fünf Jahren meistens durch erheblich höhere Renditen ausgeglichen.

So schichten Sie Ihr Depot einfach um

Wenn Sie anhand der zuletzt vorgenommenen Berechnung der Risikokennziffer Ihres Depots feststellen, dass die Aufteilung Ihres Wertpapiervermögens nicht mehr Ihren Risikovorstellungen entspricht, sollten Sie sich nicht scheuen, konsequent umzuschichten.

Definieren Sie einfach, welche Kennziffer Sie mit Blick auf die größer gewordenen Risiken an den Aktienmärkten in den nächsten zwölf Monaten für sich akzeptieren wollen.

Mein Rat: Setzen Sie Ihre Anlagerisiken durchschnittlich um 1 Klasse herauf, um von einer im Jahresverlauf erkennbar werdenden konjunkturellen Erholung, die die Aktienkurse dann weiter in die Höhe treibt, zu profitieren.

Denken Sie aber auch an die statistisch erwiesene Tatsache, dass an der Börse die höchsten Gewinne zwischen Oktober und Mai gemacht werden. „Go away in may“, lautet dementsprechend eine der ältesten und empirisch durchaus untermauerten Börsenregeln. Die gilt jedenfalls für den aktiven, eher kurz- bis mittelfristig agierenden Anleger.

Ohne andere Positionen antasten zu müssen, erreichen Sie eine Verringerung Ihres Gesamtrisikos auch dadurch, dass Sie einzelne wenige Positionen verkaufen und als Liquiditätsreserve vorübergehend auf dem Konto oder in Geldmarktfonds „parken“.

Denn solche Positionen sind der untersten Risikoklasse 1 zuzurechnen. Sie können diese Reserven dann nach einem kräftigen Kursrückschlag an den Aktienmärkten dazu verwenden, bereits bestehende, für aussichtsreich gehaltene Positionen aufzustocken.

Grundsätzlich sollten Sie in den nächsten zwölf Monaten Ihren Anteil an Barmitteln und entsprechenden Geldmarktpositionen aber relativ gering halten. Ansonsten würden Sie sich die Chancen nehmen, die mit dem im Zuge einer konjunkturellen Wende zu erwartenden Kursanstieg verbunden sind.

Checkliste: So stellen Sie Ihr Depot jetzt richtig ein

  • Machen Sie sich klar, dass es für Ihren Anlageerfolg vor allem auf die richtige Mischung von unterschiedlichen Anlageformen (Renten, Aktien, Währungen) ankommt, nicht so sehr auf eine gelungene Einzeltitelauswahl.

  • Versuchen Sie daher, einen solchen Depotaufbau zu realisieren, der Ihrer Risikobereitschaft am ehesten entspricht.

  • Ermitteln Sie dazu vor dem Hintergrund der jeweils gegebenen Situation an den Anlagemärkten mit Hilfe der im Beitrag vorgenommenen Klassifizierung die Risikoeinstellung Ihres Depots.

  • Vergleichen Sie die auf diese Weise ermittelte Kennziffer mit der Zuordnung zu unterschiedlichen Anlegertypen, und überlegen Sie sich, ob der Aufbau Ihres Depots mit Ihrer aktuellen Risikobereitschaft noch übereinstimmt.

  • Schichten Sie Einzelpositionen einer höheren Risikoklasse in solche niedrigerer Klassen um, wenn Sie Ihr Anlagerisiko mindern wollen. Umgekehrt verfahren Sie, wenn Sie bereit sind – beispielsweise nach einer kräftigen Abwärtsbewegung am Aktienmarkt –, Ihre Risiken und damit auch Chancen zu erhöhen.

  • Seien Sie gegebenenfalls auch einmal bereit, sich vom Aktienmarkt weitgehend zurückzuziehen, wenn es zu Übertreibungen kommt und daher ein kräftiger Kursrückschlag zu erwarten ist. Denken Sie an die Lehren aus den Jahren 2000 und 2001. Beachten Sie dabei aber auch, dass politische Börsen in der Regel kurze Beine haben und Sie auf politische Ereignisse nicht überreagieren sollten.

  • Führen Sie einen solchen Depotcheck nicht von Monat zu Monat, sondern am besten am Ende jedes Halbjahrs durch. Auf diese Weise schützen Sie sich vor allzu kurzatmigen Anlageentscheidungen.


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Dr. Werner Kurzawa
Von: Dr. Werner Kurzawa. Über den Autor

Als ehemaliger Bankkaufmann ist Dr. Werner Kurzawa seit über einem Jahrzehnt freier Wirtschafts und Finanzjournalist und hat zahlreiche Bücher, Zeitschriftenartikel, Fernseh und Rundfunkbeiträge rund um das Thema Geldanlage, Börse und Finanzen veröffentlicht.

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