So schätze ich zurzeit die Wall Street ein

Gestern hatte ich Sie über den aktuellen Marktzustand der Wall Street anhand des Bullish-Percent-Index für den Nasdaq Composite informiert.

Dieser aus der Point&Figure-Charttechnik stammende Indikator misst täglich das Verhältnis zwischen den Aktien eines Index in einem Kaufsignal und in einem Verkaufssignal. Da der Nasdaq Composite über 2.700 Werte beinhaltet, ist sein Bullish-Percent-Index besonders aussagekräftig.

Der Indikator zeigt uns, dass sich der Nasdaq Composite aktuell im Status Bear Confirmed (bestätigter Bärenmarkt) befindet. Heute überprüfe ich für Sie, inwieweit sich dieser Marktzustand auch in anderen US-Aktien-Indizes widerspiegelt.

4 US-Indizes im Vergleich

Dazu habe ich eine Grafik „gebastelt“, die Ihnen einen Vergleich von 4 Indizes erlaubt: Dow Jones Industrial Average, S&P 500, Nasdaq 100 und S&P 600 SmallCap.

Damit decken wir zugleich eine breite Palette ab: Große Standardwerte, hohe Marktkapitalisierung, Top-Technologieaktien und Nebenwerte.

Alle 4 Charts sind gleich aufgebaut: Sie reichen bis Anfang November 2014 zurück. Unten ist jeweils das 50-Tage-Momentum eingeblendet, das Rückschlüsse auf Schwung und Dynamik der Kursverläufe erlaubt.

Ich habe mich für die fokussierenden Linien-Charts entschieden: Sie berücksichtigen ausschließlich den Schlusskurs eines jeden Handelstages. Das oftmals verwirrende, tägliche Auf und Ab wird ausgeblendet.

Lassen Sie sich von den vielen eingezeichneten Linien und Kreisen nicht verwirren: Sie zeigen zum einen in jedem Chart ähnliche Situationen. Und: Wir werden alle besprechen!

vergleich 4 wichtiger us-aktien-indizes-19-01-2016

Vergleich 4 wichtiger US-Aktien-Indizes

Chartanalyse Dow Jones

Die schon zum Jahreswechsel 2014 / 15 bedeutsame horizontale Unterstützung (pinkfarbene Linie) bewies ihre Relevanz auch in den vergangenen 4 Monaten. Als diese „Bastion“ zu Anfang dieses Jahres fiel, kannte der Dow Jones kein Halten mehr (grüner Kreis).

Mit dem Rutsch wurde zugleich der auf den Tiefs von August und September 2015 basierende Aufwärtstrend durchschlagen. Wird das Augusttief unterboten, wird ein langfristiger Abwärtstrend definiert.

Das Momentum wechselte ebenfalls gleich zu Jahresbeginn das Vorzeichen. Seither baut der Dow Jones beschleunigt negative Kursdynamik auf.

Chartanalyse S&P 500

Hier sehen Sie ein nahezu identisches Bild zum Dow Jones. Einziger Unterschied: Die Spitzen der Abwärtskorrektur im August / September 2015 reichen bis an die wichtige ehemalige Unterstützung (pinkfarbene Linie) heran.

Auch der S&P 500 hat den Aufwärtstrend durchschlagen, der aus den Herbsttiefs resultierte (grüner Kreis). Der Index hat übrigens am Freitag im Handelsverlauf bereits das Augusttief unterboten – auf Schlusskursbasis steht das noch aus.

Das Momentum wechselte gleich zu Jahresbeginn in den negativen Bereich. Seither baut der S&P 500 beschleunigt negative Kursdynamik auf.

Chartanalyse Nasdaq 100

Beim kleinen Bruder des Nasdaq Composite ist die Bedeutung der ehemaligen Unterstützung (pinkfarbene Linie) noch ausgeprägter: Hier gibt es weit mehr Berührungspunkte von oben und unten.

Wie beim Dow Jones wurde mit dem Rutsch unter die Unterstützung in den ersten Januartagen auch der Aufwärtstrend seit August durchschlagen (grüner Kreis).

Das Augusttief wurde auch hier noch nicht unterboten. Dafür markierte das 50-Tage-Momentum bereits ein neues Tief und signalisiert so, dass der Index wohl noch folgen wird.

Chartanalyse S&P 600 SmallCap

Von den 4 gezeigten Aktien-Indizes sieht der US-Nebenwerte-Index am übelsten aus.

Die Erholung im Oktober und November ging schon kaum über die ehemalige Unterstützung hinaus: Ein Zeichen von relativer Schwäche.

Während bei den anderen 3 Indizes die Herbstkorrektur die Gestalt eines ansteigenden Dreiecks besaß (gestrichelte blaue Linien), finden wir hier das Chartmuster eines absteigenden Dreiecks vor. Ansteigend und absteigend sind bezüglich der Prognosekraft dieser Chart-Formation nicht mehr erklärungsbedürftig.

Der S&P 600 SmallCap hat die Tiefs seiner Herbstkorrektur bereits am 7. Januar nach unten durchschlagen. Damit wurde ein langfristiger Abwärtstrend definiert.

Das Momentum hat, wie beim Nasdaq 100, die Herbsttiefs unterboten und bestätigt damit die Aussagen zum Abwärtstrend.

Fazit

Die Nebenwerte sind in einem Aufwärts-Zyklus meist die letzten, die steigen. In einem Abwärts-Zyklus hingegen sind sie die ersten, die fallen: Da hier in einem Aufwärts-Zyklus regelmäßig die größten Kursanstiege verzeichnet werden, nehmen die Investoren in diesen Titeln auch zuerst die Gewinne mit.

Ähnliches gilt für Technologieaktien. Somit haben der Nasdaq 100 und der S&P 600 SmallCap eine Art Vorwarnfunktion in einem Abwärts-Zyklus.

Beide Charts sehen von allen 4 betrachteten Indizes am übelsten aus. Entsprechend ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir auf Sicht noch weiter fallende Aktienkurse an der Wall Street sehen werden.

Daran ändert auch eine kurzzeitige Atempause nichts, die nach den massiven Verlusten der letzten 2 Wochen durchaus realistisch ist. Das Momentum „schreit“ geradezu nach einer Erholung.

19. Januar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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