So stark werden die kommenden Börsenmonate!

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Die Märkte fahren im Schlafwagen – nur NASDAQ fängt wegen Google an zu bröckeln. Rohöl steigt. Wir blicken auf den saisonalen Verlauf im DAX in Vorwahljahren. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Auch heute gab es wie angekündigt ein erneutes Nullsummenspiel an den Märkten. Lediglich zwei Ausreißer gibt es: Rohöl ist um knapp ein Prozent gestiegen. Wir nähern uns also langsam wieder dem Bereich der Iran-Eskalation. Und – siehe da – der NASDAQ hat ein Prozent verloren!

Das hängt natürlich mit der Berichtssaison zusammen, die jetzt langsam dem Ende entgegen geht. Google – also die Alphabet-Aktie – hat heute gut acht Prozent verloren! Grund dafür sind die schwachen Unternehmenszahlen. Weniger Werbung über Google bedeutet weniger Umsätze. Hier regieren die Investoren vernünftig und trennen sich zum Teil von dem Wertpapier. In anderen Branchen ist das noch nicht der Fall.

Vielleicht war das ja die Initialzündung und es kehrt wieder Vernunft ein an den Märkten. Außerdem: Wir haben immer noch die Doppeltops in den Charts. Schauen Sie sich den Newsletter vom Freitag an! Die Gefahr des Abverkaufs bei den Doppeltops besteht immer noch. Auch wenn S&P 500 und NASDAQ neue Allzeithochs erreicht haben – wir liegen in der Nähe der ehemaligen Rekordkurse. Von hier kann es schnell wieder nach unten gehen.

Das muss nicht sonderlich dramatisch ausfallen. Ein kleine Korrektur würde schon reichen, um die nächste Welle nach oben solide in den Charts einzuzeichnen. Klar, im DAX ist immer alles möglich. Hier wären idealerweise auch noch Kurse von 10.400 Punkten machbar, um ein zweites Standbein zu bauen. Vielleicht geht es aber erst einmal nur bis 11.850 oder 11.650 Punkte bergab. Von dort kann ein zweiter Anlauf starten.

Heute tagt außerdem noch die FED. Es geht dieses Mal nicht um den Leitzins, auch nicht um die Zinsen, die Banken untereinander verlangen sollen. Es geht um die Zinsen auf Geld, dass die Banken übrig haben, was über die Mindestanforderung der FED hinausgeht. Das geben die Banken der FED und bekommen darauf Zinsen. Aktuell sogar ähnlich viel, wie der Leitzins.

Auch hier könnte es einen Impuls geben, falls die FED diesen Zinssatz senken würde. Die Chance ist offenbar gegeben, denn die FED sieht es vermutlich lieber, wenn die Banken das Geld in die Wirtschaft stecken, als sicher bei der FED zu parken. Wir haben also noch Potential für eine kleine Welle nach oben.

Vorwahljahre sind gut für den DAX

Ja es ist schon wieder so weit. Die USA bereiten sich auf die nächste Wahl vor. Der ehemalige Vizepräsident Joe Biden will gegen Trump antreten. Damit werden sich die Medien über dem Atlantik also die nächsten Monate beschäftigen.

Wir schauen, was wir davon haben. In Vorwahljahren läuft der DAX bis Mai extrem gut. Dann zündet er noch einmal von Juni bis Juli einen Turbo. Erst danach fällt er wieder leicht ab, um ab der zweiten Novemberhälfte wieder ordentlich anzuziehen.

In einer Grafik von Dimitri Speck sieht das folgendermaßen aus. Sie sehen den durchschnittlichen Kursverlauf des DAX von 1959 bis 2011 in Jahren vor einer US-Wahl. Das Jahr 2015 ist hier nicht eingerechnet.

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Bislang sollten wir etwas über dem Durchschnitt liegen. Der DAX ist seit Januar nach oben gerast. Doch geht es wirklich so weiter?

Laut dem Durchschnittschart ja. Klar, der Mai hat jetzt eher eine Seitwärtsphase laut Statistik, aber danach geht die Party weiter. Stellen Sie sich also darauf ein: Wenn der Durchschnitt Recht hat, sehen wir im DAX dieses Jahr wohl kaum noch Kurse unter 11.850 Punkten.

Folgt der DAX 2019 der Statistik?

Zum Vergleich haben ich Ihnen das letzte Vorwahljahr mitgebracht. Hier sehen Sie den Tageschart des DAX von 2015. Auch hier ging es Anfang des Jahres gigantisch nach oben. Von 9.500 Punkten auf über 12.000! Ab Mitte Mai waren dann aber die Kohlen verbrannt. Die Kurse rutschen bis Oktober auf das Niveau zum Beginn des Jahres zurück.

Ab Oktober gab es noch einmal einen deutlichen Impuls von 2.000 Punkten, doch auf der konnte nicht in den folgenden Januar gerettet werden.

Eines ist klar: Der durchschnittliche Verlauf des DAX in Vorwahljahren wird nie exakt so verlaufen. Das sind die durchschnittlichen Werte von etwas mehr als 10 Jahrescharts. Allein deshalb hat das wenig Aussagekraft. Was noch hinzu kommt: Die Märkte funktionieren gerade wesentlich anders, als vor einigen Dekaden. Wir haben also völlig andere Vorzeichen und können nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

Sicher ist nur eines: Die Börse hat sich gewandelt. Strategien, die noch vor Jahren korrekt waren, müssen heute überdacht werden. Künstliche Geldschwemme treibt die Aktien nach oben – mangels Alternativen, natürlich Dank der Nullzinspolitik. Auch wenn fundamental alle Daten auf Rezession zeigen, der Markt hält sich die Augen zu und rennt weiter in dieselbe Richtung. Früher oder später wird er sich dadurch eine Beule holen. Die Frage ist nur: Ist Ihr Depot auf die Erste Hilfe vorbereitet?

Wenn Sie weiterhin an der Party teilhaben, achten Sie darauf, Ihre Stopps nachzuziehen. Aktiengewinne funktionieren am besten, wenn Sie bei hohen Kursen verkaufen und nicht erst, wenn der Markt schon 15 Prozent nachgegeben hat und Sie Angst bekommen. Machen Sie es, wie die Profis und verkaufen in die Stärke hinein – bevor der Rücksetzer kommt.

Natürlich sollen Sie nicht alle Werte aus Ihrem Depot werfen. Wenn Sie allerdings ein paar heiße Kandidaten besitzen, die in den letzten Monaten gut gelaufen, können Sie sich auch einen Teil vom Kuchen abschneiden. Saisonal wäre jetzt meistens ein guter Zeitpunkt. Sollten die Kurse im Mai nicht zurückkommen, werden Ihre Stopps nicht aktiviert. Sie dienen nur als Auffangnetz für den Fall der Fälle.

Nutzen Sie den Feiertag und überprüfen Sie die Positionen in Ihrem Depot. Anfang Mai ist der ideale Termin, um einmal Frühjahrsputz zu machen.


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.