So urteilt die Wall Street über Donald Trump

In den vergangenen Monaten, seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten, konnten Sie in etwa folgende Ansichten in den Medien lesen oder hören:

„Trump wird mit umfangreichen Steuer-Erleichterungen die US-Wirtschaft ankurbeln.“

„Trump hat gute Chancen seine Wahlziele politisch umzusetzen, da seine Partei, die Republikaner, die Mehrheit in den Entscheidungs-Gremien innehaben.“

„Trump wird es schwer haben, seine Wahlziele umzusetzen, da die Republikaner in 3 Gruppen zersplittert sind, die jede für sich eigene Ziele verfolgt. Das zeigt auch das jüngste Scheitern seiner Gesundheits-Reform.“

„Nach seiner Schlappe bei der Gesundheits-Reform bemüht sich Trump um eine Zusammenarbeit mit den Demokraten.“

Schauen Sie auf den Markt statt in die Medien

Alle diese Aussagen dienten auch dazu, Ihnen die Kursschwankungen an der Wall Street zu erklären.

Wissen Sie was?

Wenn Sie sich aufgrund dieser teils widersprüchlicher Meinungen ein Urteil über die künftigen Marktperspektiven bilden wollen, werden Sie nur in die Irre geführt.

Es ist nicht wichtig, wie die Medien die Marktentwicklung beurteilen, sondern wie der Markt die Lage einschätzt.

Schauen Sie also stattdessen auf die Kursverläufe der Indizes und Aktien! Denn diese spiegeln zu jeder Zeit die gerade vorherrschende Meinung der Finanzmärkte wider.

Zwar wird jede einzelne Kursveränderung von dem sich ständig verändernden Verhältnis von Angebot und Nachfrage geprägt.

Doch durch deren Aneinanderreihung werden für Sie die Trends sichtbar.

Starke Unterstützung

Und so sieht die Charttechnik derzeit für den S&P 500 aus:

spx_grafik 1_28-03-2017

S&P 500: Starke Unterstützung im Bereich 2.322 / 2.348

Der gelbe Kreis beinhaltet gleich mehrere interessante Entwicklungen:

  • Der Anfang November installierte Aufwärtstrend wurde vor genau 1 Woche nach unten durchbrochen.
  • Im Anschluss stabilisierte sich der S&P 500 um die Marke von 2.340 Punkten. Trotz größerer Tages-Schwankungen lagen die Schlusskurse der letzten 4 Handelstage in einer engen Spanne von gerade einmal 7 Punkten (2.148,45 / 2.141,59).
  • Gestern tauchte der Index im Tagestief auf 2.122 Zähler ab, durchbohrte dabei kurzzeitig die bei 2.331 verlaufende 50-Tage-Linie und schloss letztlich nur 2,3 Punkte unter dem Tageshoch.
  • Mitte Februar berichtete ich Ihnen von einem „bearishen“ Keil, den einige „Experten“ als Warnsignal für den weitere Kurs-Entwicklung betrachteten. Er wurde mit dem Ausbruch nach oben ad absurdum geführt.

Witzigerweise kreuzten sich die Verlängerungen der „Keil-Linien“ (orangefarben) genau gestern und exakt in der Handelsspanne des Tages.

Keine Abwärts-Dynamik erkennbar

Halten wir also bis hierhin fest:

Der Aufwärtstrend seit Anfang November wurde zwar nach unten verlassen, doch es folgte keine „Anschluss-Dynamik“, welche den Index weiter unter Druck gebracht hätte.

Stattdessen können wir eine recht starke Unterstützung im Bereich 2.422 / 2.448 konstatieren.

Der mittelfristige Trend in Gestalt der 50-Tage-Linie hat einen ersten Test prima überstanden. Der langfristige Trend (GD200) ist ohnehin völlig intakt.

Die fehlende Dynamik drückt sich auch in den Umsätzen aus: Seit dem heftigen Rücksetzer vor Wochenfrist blieben die Umsätze klar unter dem 50-Tage-Durchschnitt.

Schauen wir nun noch auf eine 2. Grafik:

spx_grafik 2_28-03-2017

S&P 500: Bis dato noch keine Abwärts-Dynamik erkennbar

Im unteren Teil mit dem On-Balance-Volumen finden wir die Aussage zur bislang fehlenden Dynamik bestätigt:

Der Aufwärtstrend seit November ist intakt und dürfte in den kommenden Tagen „getestet“ werden.

Verkaufsdruck seitens der Großinvestoren ist somit nicht zu erkennen.

Mindest-Korrekturziel abgearbeitet

Im oberen Chartteil habe ich Ihnen einmal die Fibonacci-Korrekturziele eingeblendet.

Diese gehen zurück auf den italienischen Mathematiker des gleichen Namens, der eine Zahlenfolge entwickelte, die im Zusammenhang mit dem „Goldenen Schnitt“ steht.

Die Korrekturziele beziehen sich auf den vorhergehenden Aufwärtstrend. Wie Sie sehen, wurde das Minimalziel von -23,6% bzw. 2.326,12 im gestrigen Handelsverlauf erreicht.

Fazit und Empfehlung

Meine Analyse (und nicht die Nachrichten der Medien) erklärt Ihnen, warum der S&P 500 seit 1 Woche im Bereich 2.222 / 2.348 pendelt:

Hier liegen nicht nur Unterstützungen durch Trend-Linien und die 50-Tage-Linie (2.331), sondern auch das Mindest-Korrekturziel nach Fibonacci (2.326).

Bedeutet das nun, dass die Korrektur schon ausgestanden ist, bevor sie richtig begonnen hat? – Nicht unbedingt.

Allerdings: Falls ja, wäre das als ein sehr starkes Trendsignal des Aktienmarktes zu interpretieren.

Falls nein, bieten Ihnen die Fibonacci-Korrekturziele eine Orientierung dafür, auf welchen Niveaus (-38,2% / -50,0%) die Abwärts-Bewegung zum Erliegen kommen könnte.

Beide Alternativen wären übrigens ein taugliches Kursziel, da sowohl bei 2.279, als auch bei 2.204 Punkten Unterstützungen (pinkfarbene Linien) aus dem Kursverlauf abzuleiten sind.

Scheren Sie sich also nicht um Donald Trump und seine kontrovers diskutierten „Aktivitäten“ oder Möglichkeiten!

Fokussieren Sie sich stattdessen darauf, wie der Aktienmarkt über ihn und alle anderen Umstände urteilt!

28. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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