So verhalten sich gerade die Großinvestoren an der Wall Street

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Großinvestoren sind enorm wichtig für die Aktienmärkte: Sie initiieren, befeuern und beenden Trends. (Foto: Matej Kastelic / Shutterstock.com)

Gestern hatten wir den aktuellen Stand meiner Wellenreiter-Theorie überprüft. Das Ergebnis:

Die Großinvestoren haben in den zurückliegenden 10 Monaten vor allem die US-Staatsanleihen „gespielt“: Hier wurde jüngst damit begonnen, die daraus resultierenden riesigen Kursgewinne abzuschöpfen.

Also könnte sich das „Big Money“ künftig auf die seit Mitte 2016 völlig vernachlässigten Rohstoffe stürzen. Die Frage blieb offen: Werden auch Aktien weiterhin bevorzugte Investments bleiben?

Wir werden heute versuchen, darauf eine Antwort zu geben. Dazu schauen wir einmal, was die Großinvestoren derzeit so an der Wall Street treiben.

Großinvestoren: Über was reden wir da eigentlich?

Großinvestoren: Das klingt so abstrakt. Wer verbirgt sich hinter diesem Begriff eigentlich genau?

Zur Gruppe der Großinvestoren gehören nicht nur die Investment- und Hedgefonds, sondern auch Pensionsfonds, Eigenhandel betreibende Banken und Versicherungen sowie Vermögensverwaltungen und natürlich sehr vermögende Einzelpersonen.

Um Ihnen mal eine Vorstellung davon zu vermitteln, über welch gigantische Kapitalmittel diese Großinvestoren verfügen können, hier ein paar Zahlen:

Ende des Jahres 2018 hatten Anleger rund 337 Mrd. Euro in deutschen Aktienfonds investiert (Quelle: BVI Bundesverband Investment und Asset Management). Addieren Sie einen durchschnittlichen Aktienanteil von 50% der sogenannten Mischfonds hinzu, dann sprechen wir bereits über 481 Mrd. Euro.

Insgesamt hatten Anleger am 31. Dezember des vergangenen Jahres 973,6 Mrd. Euro in deutschen Publikumsfonds investiert. Es lässt sich also sagen: Rund die Hälfte des gesamten Fondsvermögen ist in Aktien investiert.

Übertragen auf Europa lag dieser Wert Ende 2018 bei 32,2 Billionen Euro (Quelle: Europäische Zentralbank). Das weltweite Fondsvermögen zu diesem Zeitpunkt wurde auf etwa 44 Billionen Euro taxiert.

Somit sprechen wir über eine geschätzte Summe von 22 Billionen Euro, die von Investmentfonds rund um den Globus zumeist in Aktien investiert werden. Und nun müssen Sie dazu noch die Kapitalvermögen hinzu addieren, die von den restlichen Großinvestoren verwaltet werden.

Wie Sie das Verhalten der Großinvestoren verfolgen können

Die täglichen Käufe und Verkäufe des „Big Money“ schlagen sich in den Umsätzen der einzelnen Aktien nieder (summiert in den Indizes). Das allein hilft Ihnen indes nicht wirklich weiter, weil Sie schwer abschätzen können, welches Gewicht diese Transaktionen in einem Markt ausüben.

Hier hilft uns ein geniales Werkzeug der Technischen Analyse weiter, mit dem Sie das Verhalten dieser Großinvestoren nachverfolgen können: Das On-Balance-Volumen (OBV).

Dieser Indikator verknüpft die börsentäglichen Veränderungen der Schlusskurse mit den an diesem Tag getätigten Umsätzen. Dementsprechend schlägt das OBV dann besonders heftig aus, wenn hohe Handelsvolumina auf kräftige Kursanstiege oder -einbußen treffen.

Das Beste dabei ist: Das On-Balance-Volumen bewegt sich, wie auch die dazugehörigen Märkte, in Trends!

Nasdaq 100: Unter der Oberfläche ein anderes Bild

Schauen wir uns das einmal anhand des nachfolgenden Nasdaq 100-Charts an.

Nasdaq 100: Das Verhalten der Großinvestoren passt nicht zum Index-Anstieg

Die Grafik spricht schon nahezu für sich selbst: Während der Index der 100 größten US-Technologieaktien bis Donnerstag letzter Woche in die Nähe seiner Bestmarke vom Juli 2019 zustrebte, baute das On-Balance-Volumen tendenziell ab (rote Pfeile).

Der im Dezember 2018 vom Nasdaq 100 gestartete Aufwärtstrend scheint – nach vorübergehenden Verletzungen im August – inzwischen wieder intakt zu sein. Um die Aufwärtstrendlinie neu (unter das Augusttief) justieren zu können, ist indes ein neues Rekordhoch vonnöten.

Der Aufwärtstrend im On-Balance-Volumen ist jedoch seit August 2019 klar nach unten verlassen worden.

Fazit

Der Großinvestoren-Indikator, das On-Balance-Volumen, bringt es an den Tag: Zwischen der jüngsten Entwicklung im Nasdaq 100 und dem Verhalten der Großinvestoren besteht eine offensichtliche Diskrepanz!

Was wir hier sehen, könnte der Beginn einer Reduzierung des Aktienanteils in den Portfolios der Großinvestoren sein. Die meisten Experten gehen bis dato davon aus, dass wir zuletzt vor allem eine Art Sektor-Rotation gesehen haben:

Es erwischte dabei vor allem die US-Aktien, die im bisherigen Jahresverlauf sehr gut gelaufen waren. Günstiger bewertete Dividendenpapiere konnten im Gegenzug davon profitieren.

Allerdings müssen Sie sich über eines im Klaren sein: Großinvestoren verwalten Aktien-Positionen, die nicht selten mehrere zehntausend Stücke umfassen:

Wenn diese Positionen abgebaut oder reduziert werden sollen, dann verkauft das „Big Money“ diese auf mehrere Transaktionen und über einen längeren Zeitraum verteilt. Erkennen können Sie das daran, dass zwischenzeitliche Kurserholungen anschließend gleich wieder abverkauft werden.

Wir werden sehen, ab daraus mehr wird: Im Moment sollten Sie – angesichts dieser charttechnischen Konstellation – Ihren generellen Investitionsgrad in Aktien aber vielleicht nicht gerade voll ausschöpfen!

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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