So viel vom verfügbaren Einkommen geben Haushalte für Nahrung aus

Galoppierende Preise für Nahrungsmittel sorgen weltweit für Aufruhr. In Nordafrika und dem Nahen Osten tragen sie zu Protesten und Revolutionen bei. In Europa und Nordamerika fangen sie an, Notenbanker und Verbraucher zu beunruhigen. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

In Indien und China sowie anderen Schwellenländern haben Zentralbanken und Regierungen alle Hände voll zu tun, die von Rohstoffen und Nahrungsmitteln ausgehende Inflation einzudämmen. Chinas Premier Wen Jiabao bezeichnete die eskalierenden Preise am Wochenende als eine Gefahr für die soziale Stabilität des Landes.

Die Belastungen, die steigende Nahrungsmittelpreise für Verbraucher und deren Budgets darstellen, sind nicht überall gleich. Im Gegenteil: Die Unterschiede könnten größer kaum sein. In den USA geben private Haushalte nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Washington lediglich 6,9% des verfügbaren Einkommens für Nahrung aus. In Deutschland liegt der Anteil demnach bei 11,4%. In China macht der Anteil der Nahrung an den Ausgaben von Familien 23,9% aus. Der Prozentsatz steigt auf bis zu 46,9 in Aserbaidschan an.

Für ganz Europa liegt dieser Prozentsatz etwa bei 10%. Zwischen den beiden Weltkriegen hatte er ein Drittel ausgemacht. Dann kam die grüne Revolution in der Landwirtschaft, die Produktivität stieg rasant an, die Preise sanken. Dazu beigetragen haben lange Zeit niedrige Energiekosten.

Und dann kam der lange wirtschaftliche Boom im vergangenen Jahrzehnt, der 2008 die Notierungen für Energie und Rohstoffe in die Stratosphäre schießen ließ, mit Ölpreisen bei 147 Dollar je Barrel. Die Lage beruhigte sich nur kurz. Jetzt kommen Wetterkapriolen mit Dürren und Fluten in einigen wichtigen Anbauregionen wie China, Australien und Kanada hinzu, außerdem die rapide wachsende Mittelschicht auf der Welt und auch Spekulation.

Dass Ägypten mit am Anfang einer Serie von Unruhen und Umstürzen steht, ist kein Wunder. Die Familien geben dort 38,1% ihres verfügbaren Einkommens für Nahrung aus. Diese Belastung dürfte zur den Aufständen einen wichtigen Teil beigetragen haben.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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