So werden Spin-Offs bei Aktien steuerlich behandelt

Schlussgong-Serie: Die besten Steuertipps für Kapitalanleger. Teil 6: So werden Spin-Offs steuerlich behandelt. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Im vorangegangenen Teil der „Schlussgong-Steuer-Serie“ konnten Sie erfahren, warum die Abgabe einer Steuererklärung für Sie lukrativ ist, wenn der Steuersatz unterhalb des Abgeltungssteuersatzes liegt.

Jetzt wird es etwas komplizierter: Das Thema im heutigen sechsten Teil unserer großen Steuer-Serie ist die steuerliche Behandlung von Spin-Offs – also von Unternehmensabspaltungen.

Osram: Das jüngste Spin-Off-Beispiel

In diesem Sommer ging die ehemalige Siemens-Tochter Osram an die Börse. In diesem Zusammenhang fand ein sogenannter Spin-Off statt – das ist der Fachausdruck für eine Unternehmensabspaltung.

Die aktuelle Unsicherheit vieler Anleger, wie dieser Sachverhalt steuerlich zu behandeln ist, liegt vor allem daran, dass sich die steuerlichen Regelungen durch das sogenannte Amtshilferichtlinienumsetzungsgesetz geändert haben.

Das Gesetz mit dem ellenlangen Namen wurde erst im Juni, also kurz vor dem Osram-Deal, im Bundesgesetzblatt verkündet und regelt unter anderem einige Passagen des Einkommensteuergesetzes neu.

Davon betroffen sind vor allem Anleger, die Aktien von Abspaltungen halten. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass einige Banken und Sparkassen diese neuen Regelungen für Spin-Offs im Fall Osram noch nicht berücksichtigt haben – das sorgt für zusätzliche Verwirrung bei den Aktionären.

Die steuerliche Behandlung im Musterfall Osram

Gemäß des gemeinsamen Spaltungsberichtes von Siemens und Osram treten die im Verhältnis 10:1 an die Siemens-Aktionäre ausgegebenen Osram-Aktien anteilig an die Stelle der Siemens-Aktien.

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Das bedeutet, dass die Abspaltung nicht dazu führt, dass Sie als Anleger mit Ihren Siemens-Aktien Gewinne oder Verluste realisieren, sondern die Abspaltung steuerneutral erfolgt.

Entsprechend sind die Anschaffungskosten (gezahlter Preis für die Summe der Aktien) für die Siemens- und die Osram-Papiere gemäß des Spaltungsverhältnisses von 10:1 neu auf die alten und neuen Papiere aufzuteilen. Für Sie bedeutet dies konkret, dass es für jeden Aktionär, der durch den Spin-Off Osram-Aktien erhalten hat, einen individuellen Einstandspreis gibt.

Hierzu ein Beispiel: Sie haben 2010 zehn Siemens-Aktien zu einem Stückpreis von 55 € erworben. Der Gesamtwert des Aktienpakets beträgt also 550 €. Auf diese zehn Siemens-Aktien haben Sie jetzt eine Osram-Aktie erhalten.

Von dieser Osram-Aktie wird jetzt ein Elftel der Anschaffungskosten von 550 € – also 50 € – abgespalten. Diese 50 € sind folglich Ihr Einstandskurs bei Osram. Wenn Sie die Osram-Aktie heute bei einem Kurs von rund 35 € verkaufen würden, würden Sie dabei einen Verlust erzielen.

Umgekehrt würde dafür beim Verkauf Ihrer Siemens-Aktien der Kursgewinn höher ausfallen, da sich schließlich Ihre Anschaffungskosten um ein Elftel verringert haben.

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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