So werte ich die gestrigen Kursverluste an der Wall Street

An der Wall Street ereignete sich gestern etwas, das wir so schon seit dem Sommer des letzten Jahres nicht mehr erlebt haben: Die Indizes gaben deutlich nach.

Der Dow Jones kam mit -1,1% noch vergleichsweise glimpflich davon.

Schon spürbar heftiger erwischte es die Technologiewerte in Gestalt des Nasdaq 100 mit -1,5% und des Nasdaq Composite mit -1,8%.

Noch stärker kamen die mittelgroßen Aktien (MidCaps) mit -1,9% und die kleinen Werte (SmallCaps) mit -2,6% unter die Räder.

Nun könnten Sie sich auf den Standpunkt stellen: „Wer so kräftig steigt, wie die Wall Street seit  Anfang November, der darf auch mal ein Verschnaufpause einlegen!“

Die besondere „Qualität“ des gestrigen Handelstages

Grundsätzlich gebe ich Ihnen da recht. Allerdings hatte der gestrige Handelstag eine besondere „Qualität“:

Schauen wir dazu einmal gemeinsam auf die nachfolgende Tabelle, die ich für Sie vorbereitet habe.

Sie vergleicht die 15 Sektoren, die seit Beginn der Wall Street-Rallye Anfang November am stärksten zulegen konnten, mit den gestrigen Verlierern:

tabelle wall street_22-03-2017

Wall Street: Größte Gewinner seit Anfang November waren gestern größte Verlierer

Die Gegenüberstellung macht deutlich: Fast die Hälfte der größten Verlierer gestern gehörte zu den größten Gewinnern der letzten knapp 5 Monate!

Ich habe Ihnen die in beiden Auswertungen vorkommenden Branchen-Pärchen für einen schnelleren Überblick farblich kenntlich gemacht.

Offensichtlich wurde also bei den größten Profiteuren der Rallye „Kasse gemacht“.

Finanz-Sektor besonders stark unter Druck

Und noch etwas springt dem geneigten Betrachter ins Auge:

Gleich 5 Sektoren unter den gestrigen Verlierern gehören dem Finanz-Sektor an:

  1. Banken
  2. Broker
  3. Financial Services
  4. Lebensversicherungen
  5. Finance Services.

Der nachfolgende Chart zeigt stellvertretend für den Finanzsektor den Branchen-Index der US-Banken:

us-banken_22-03-2017

US-Banken: Großinvestoren ziehen sich massiv zurück

Großinvestoren ziehen sich massiv zurück

Sie sehen hier gleich mehrere unerfreuliche Entwicklungen:

  • Die in den vergangenen 5 Monaten lediglich kurzzeitig touchierte 50-Tage-Linie wurde gestern mit hoher Dynamik nach unten durchbrochen. Damit ist nach dem kurzfristigen (20-Tage-Linie) auch der mittelfristige Trend in Gefahr.
  • Von Dezember bis Mitte Februar bildete sich ein massiver Widerstand um 412 Punkte aus (pinkfarbene Linie). Diese hätte sich nun zu einer starken Unterstützung wandeln sollen – sie wurde indes ebenfalls mit Dynamik durchschlagen.
  • Die Großinvestoren ziehen sich nicht erst seit gestern aus dem Banken-Sektor zurück: Tatsächlich sind schon seit 2 Wochen größere Positions-Auflösungen zu erkennen, wie der gebrochene Aufwärtstrend beim On-Balance-Volumen dokumentiert.

Fazit und Empfehlung

Kein Aufwärtstrend währt ewig! Wer rennt, hat auch einmal eine Atempause verdient! Und wer schon länger rennt, darf auch einmal eine ausgedehntere Pause einlegen.

Die Rallye an der Wall Street dauert bereits etwas mehr als 4 ½ Monate an und generierte in den US-Leitindizes Gewinne zwischen +17% (Nasdaq Composite) und +22% (S&P 600 SmallCap).

Bei solchen Dimensionen ist eine Verschnaufpause nicht nur irgendwann notwendig, sondern auch gesund.

Sie erlaubt nämlich denjenigen, die von der Rallye und ihren Ausmaßen komplett überrascht wurden, zu günstigeren Notierungen einzusteigen.

Die Art und Weise des gestrigen Handelsverlaufs an der Wall Street signalisiert mir, dass wir uns für die kommenden Wochen auf eine solche Korrektur / Konsolidierung einstellen sollten.

Eines möchte ich indes auch klarstellen: Die gestrige Entwicklung bedeutet NICHT, dass wir auf einen CRASH zusteuern!

Eine solche Möglichkeit kann zwar auch ich nicht völlig ausschließen, jedoch ist ein Crash-Szenario aus den AKTUELLEN Kursverläufen weiterhin (noch) nicht ablesbar.

22. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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