So wie das Wetter – trübe Aussichten für RWE und E.ON

RWE

Doch neue Geschäftsfelder sollen die Aktionäre erfreuen. (Foto: Gina Sanders/AdobeStock)

Alles wartet auf den Sommer. Gerade nach so einem verregneten Wochenende.

Glaubt man den Wettervorhersagen, soll es auch über den Feiertag am Donnerstag hinaus trüb und regnerisch bleiben. Das verlängerte Wochenende wird wohl sprichwörtlich ins Wasser fallen. Wir sitzen eher im Trüben und frösteln vor uns hin.

Das mangelnde Tageslicht und die niedrigen Außentemperaturen haben jedoch auch ihr Gutes. Wenigstens, wenn man Energieversorger ist.

Denn über jedes zusätzliche Kilowatt Strom, über jeden zusätzlich verkauften Kubikmeter Gas freuen sich die beiden deutschen Energieversorger RWE und E.ON.

Doch ansonsten haben die beiden Unternehmen derzeit wenig Grund zur Freude. Denn die Zeiten sind hart für deutsche Energieversorger.

Die Energiewende setzt RWE und E.ON kräftig zu. Ihre konzerneigenen Kohle- und Gaskraft-werke werfen immer weniger Gewinn ab und der Atomausstieg verschlingt Millionen, gar Milliarden.

Kein Wunder, das beide Energiekonzerne zuletzt von weiter sinkenden Gewinnen und wirtschaftlich trüben bis schlechten Aussichten für die nächsten Quartale oder Geschäftsjahre ausgehen.

Die Zukunft verschlafen

Staatlich verordnete Energiewende hin oder her, beide Unternehmen müssen sich vorwerfen lassen, sich jahrzehntelang auf ihren Lorbeeren ausgeruht zu haben und die Entwicklung des Geschäftsfeldes Erneuerbare Energien zu spät begonnen zu haben.

So beträgt der Anteil der Erneuerbaren Energie in der Stromerzeugung bei E.ON gerade einmal 8%, während auf Kernenergie noch 24% und auf fossile Energieträger wie Kohle, Gas und Öl, 68% entfallen.

Noch schlechter steht RWE da. Hier stammen nur 3% des erzeugten Stroms aus Erneuerbarer Energie, den Rest teilen sich die Kernenergie mit 19% und die fossilen Energieträger mit 78%.

Fällt nun auch noch der preiswerte Atomstrom weg, nehmen die Ertragsprobleme der beiden Energieriesen nochmals deutlich zu.

Denn die Abschaltung der Atommeiler ist beschlossene Sache, die Abschalttermine stehen fest und sind mit der staatlichen Atomaufsichtsbehörde nicht verhandelbar.

Man darf es deutlich sagen, RWE und E.ON haben die Zukunft verschlafen und zu lange auf das traditionelle Geschäftsfeld gesetzt.

Neue Geschäftsfelder sollen es bringen

Damit der Konzerngewinn nicht vollständig einbricht, ist nunmehr Sparen angesagt. Die Vorstände um Johannes Teyssen (E.ON) und Peter Terium (RWE) greifen in die Mottenkiste der Betriebswirtschaft.

Und reorganisiere ihre Unternehmen durch den Abbau von Mitarbeitern, dem Schließen von Unternehmensteilen und dem Verkauf von Randaktivitäten.

Kleiner, Schlanker, Schneller, so die dazu passenden Schlagworte.

Doch alles Verschlanken hilft nicht. Was die beiden Konzerne dringend brauchen sind neue, ertragsstarke Geschäftsfelder, die die Geschäftseinbrüche kompensieren können.

Und so entdecken beide einen Markt neu, den sie jahrelang als zu kleinteilig bezeichnet und lieber den Wettbewerbern überlassen haben.

Die Zukunft soll jetzt im Geschäft mit der sogenannten dezentraler Energie, also dem Betrieben von regionalen Solarparks, von kleineren Blockheizkraftwerken und Solarstromspeicheranlagen liegen.

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Bei dieser Aktie ist Fantasie im SpielEnergieversorger sind langweilig? Zugegeben, ich widerspreche nicht, wenn Sie das behaupten. Hier aber ist zumindest etwas Musik drin. Lesen Sie mehr! › mehr lesen

Doch das Geschäft mit den kleinen und mittleren Endkunden ist mühsam und langwierig. Und wird keineswegs die Renditen abwerfen, die man in der Vergangenheit mit dem Großhandel von Energie erzielt hat.

So verwundert es nicht, dass sich die Anteilseigner der beiden Konzerne in der wirtschaftlichen Zukunftsbeurteilung derzeit zurückhalten. Und die Aktien von RWE und E.ON eher meiden.

Denn nicht nur die Fundamentaldaten sprechen gegen ein Investment in RWE- oder E.ON-Aktien.

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Schauen ich mir die jeweiligen Charts an, sehe ich rot. In beiden Point&Figure-Chartbildern. Rote O-Säulen bei RWE, rote bei E.ON.

Denn beide Werte notieren in intakten Point&Figure-Verkaufssignalen (rote Kreise). RWE mit Kurszielen von17,00 € und danach 8,00 €, E.ON mit einem Kursziel bei 9,80 €.

Keine Perspektiven, die zum Einstieg ermutigen.

Doch auch wenn die Stimmung unter den Anlegern noch so schlecht ist und der Point&Figure- Chart noch so schlecht aussieht.

Der Markt handelt immer ein klein wenig Hoffnung mit. Und so sehen wir in einer etwas feineren Chartauflösung, der sogenannten Bull´s-Eye-Broker-Einstellung, bei beiden Werten den besagten Hoffnungsschimmer im Chart.

In Form der letzten blauen X-Säulen.

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Wie gesagt, Hoffnung auf das Verlassen des Tals der Tränen besteht. Für mich als Point&Figure Trader aber erst bei Kursen jenseits der 31,00 € (RWE) bzw. 15,00 € (E.ON).


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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.