So will Spahn Gesundheitspolitik machen

Wie stimmte der designierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn über wichtige Entscheidungen im Bundestag ab? Hier verraten wir es Ihnen. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Neben der neuen CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer ist der junge Wilde, Jens Spahn, der neue Shooting-Star der Christdemokraten.

Sie wissen, dass er als einer der ärgsten Merkel-Kritiker gilt, deshalb wurde er jetzt von ihr handzahm gemacht. Denn im Fall der Neuauflage einer Großen Koalition soll er Gesundheitsminister werden.

„Man sieht die Politik heute mit ganz anderen Augen!“

An seinem Beispiel haben wir Ihnen in meiner neuen Beitrags-Reihe die enge Verzahnung zwischen Karriere, Lobbyismus und Politik aufgezeigt.

Und vor allem, wie ein solches Netzwerk tatsächlich funktioniert.

Vielleicht geht es Ihnen nun wie uns, als wir unsere diesbezüglichen Recherchen beendet haben. Man sieht dann die Politik und Lobbyismus heute mit ganz anderen Augen.

Spahn war an wichtigen Entscheidungen beteiligt

Bereits 2005 war Spahn an wichtigen gesundheitspolitischen Entscheidungen beteiligt, die Ihnen heute vielleicht gar nicht mehr richtig geläufig sind. Dabei ging es u.a. um Milliardeneinschnitte für die Gesundheitsbranche.

2008 machte er sich zudem – neben dem FDP Europa-Politiker Jorgo Chatzimarkakis – für eine Liberalisierung des Apothekenmarktes stark.

So stimmte der designierte Bundesgesundheitsminister über verschiedene Themen ab

Uns interessierte neben Spahns (früherer) Lobbyarbeit auch sein Abstimmungsverhältnis zu wichtigen Themen dieser Zeit.

Auf abgeordnetenwatch.de wurden wir fündig. Nachfolgend haben wir für Sie aufgeführt, für was Jens Spahn alles gestimmt hat und wo dagegen:

Antrag auf inhaltliche Distanzierung des Bundestages von Deniz Yücel

22.02.2018: Dagegen gestimmt

Gesetzesentwurf der Union zum Familiennachzug

01.02.2018: Dafür gestimmt

Gesetzesentwurf der Linksfraktion zum Familiennachzug

01.02.2018: Dagegen gestimmt

Gesetzesentwurf der AfD zum Familiennachzug

01.02.2018: Dagegen gestimmt

Verlängerung des Bundeswehreinsatzes im Südsudan (UNMISS) 2017

13.12.2017: Dafür gestimmt

Verlängerung des Darfur-Einsatzes (UNAMID) (2017)

13.12.2017: Dafür gestimmt

Diätenanpassung der Abgeordneten

13.12.2017: Dafür gestimmt

Verlängerung der Bundeswehrbeteiligung an NATO-Operation SEA GUARDIAN (2017)

12.12.2017: Dafür gestimmt

Einsatz deutscher Streitkräfte gegen den IS in Syrien (2017)

12.12.2017: Dafür gestimmt

Verlängerung Ausbildungsfortsetzung Irak

12.12.2017: Dafür gestimmt

Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Mali (MINUSMA) (2017)

12.12.2017: Dafür gestimmt

Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan (2017)

12.12.2017: Dafür gestimmt

Schminken Sie es sich ab: Es gibt keine unabhängigen Politiker

An dem Beispiel des neuen Shooting-Stars Jens Spahn haben wir Ihnen aufgezeigt, wie Karriere, Lobbyismus und Politik zusammenhängen. Und wie Netzwerke tatsächlich funktionieren.

Die Idee eines unabhängigen Volksvertreters können Sie – salopp gesagt – in die Tonne treten.

Das sind Wunschvorstellungen, die mit der Realität nichts, aber auch gar nichts zu tun haben. Leider.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.