So zerstören Notenbanken die Unternehmen

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Totgesagte leben länger – dank der Notenbanken. Denn ohne massive Kapitalzuflüsse müssten etwa 30 Prozent der Aktiengesellschaften bereits bankrott sein. (Foto: Allmy / Shutterstock.com)

Es gibt keine Krise mehr. Das haben Sie bisher bestimmt auch schon gemerkt. Im Zweifel wird der Geldhahn einfach weiter aufgedreht. Die Kurse werden künstlich oben gehalten. Würden die Notenbanken ihre Gelder morgen alle abziehen, würde der Markt vermutlich mindestens 60 Prozent tiefer stehen.

Und so kommt es, wie es kommen musst, aber die wichtigen Stellen interessieren sich nicht dafür. So treffen Sie heute auch Draghi und Merkel um die Scharade aufrecht zu erhalten. Am Ende ist die Wahrheit aber offensichtlich:

Wir haben Zombie-Unternehmen. Viele Firmen sind bereits tot. Aber nachdem es keinen Crash geben darf, gibt es auch keine Bereinigung. Also bleiben die Firmen weiterhin gelistet und künstlich am Leben gehalten. Passend zum Zombie-Vergleich – eine ziemlich hirnlose Sache.

Zombie-Unternehmen in der Grafik – so dramatisch ist die Lage

Die FED-Insiderin Danielle DiMartino hat auf Twitter eine Grafik gezeigt, die eine schier unglaubliche Situation offenlegt. Konkret geht es hier nämlich darum, wie viele der gelisteten Aktienunternehmen mindestens drei Jahre in Folge weniger Profit gemacht haben, als deren Zinskosten betragen. Die Anzahl steigt besonders stark in den USA gefolgt von Europa.

Stellen Sie sich vor, Sie halten Aktien von einem Unternehmen und dessen Kurs verläuft einigermaßen zufriedenstellend. Sie denken sich nichts weiter. Ist ja alles im Lot. Doch unter der Decke brodelt ein gewaltiger Vulkan: Laut obiger Statistik sind mehr als 30 Prozent der Aktiengesellschaften in den USA klinisch tot. In Europa sind es bald 30 Prozent, wenn der Trend sich fortsetzt. Indien holt auch auf.

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Noch einmal: Alle diese Unternehmen haben mindestens in den letzten drei Jahre zu wenig verdient. Sie zahlen mehr für die Zinsen ihrer Schulden, als an Profit hereinkommt. Und das in einer Zeit, in der die Zinsen legendär niedrig sind. Das müssen Sie sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen!

Fast jede dritte AG in den USA und in Europa operiert nur noch am seidenen Faden. Stellen Sie sich vor, wie bereinigend so ein Crash sein könnte! Plötzlich bekommen wir alle wieder echte Unternehmenswerte und wahre Zahlen an der Börse zu sehen. Und nicht diese fiktiven Luftnummern, die in den Jahren seit der Schuldenkrise herbeigeschummelt wurden.

Kontrollieren Sie Ihr Depot

Das bringt uns zur logischen Konsequenz. Wie viele Karteileichen haben Sie im Depot? Wissen Sie von all Ihren Anlagen, wie hoch deren Zinskosten und wie hoch der Profit in den letzten Jahren war? Respekt, wenn es so ist. Aber machen wir uns nichts vor, die Masse der Anleger steckt nicht so viel Zeit und Energie in bestehende Investition.

Da wird lieber geschaut, was kann ich noch günstig kaufen oder wo gibt es viel Potential. Nun, Sie haben sicherlich auch noch einiges an Potential in Ihrem Depot. Gerade, wenn Sie sich anschauen, ob Sie Zombie-Unternehmen gekauft haben. Denn irgendwann wird es den Crash geben (dürfen) und dann verpuffen diese Unternehmen wohl sehr schnell. Deshalb machen Sie reinen Tisch und misten Sie aus.

Das muss nicht sofort passieren. Sie können auch noch auf eine Jahresendrallye hoffen. Behalten Sie den Gedanken aber schon einmal im Hinterkopf. Andererseits: Warum warten? Wieso sollten die Zombies gerade Richtung Jahreswechsel noch einmal groß steigen? Verlassen Sie das sinkende Schiff, bevor es Ihr Depot auf den Meeresboden zieht. Diese Hausaufgaben sind dringend nötig.


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.