Sodastream-Übernahme: Pepsi wählt die richtige Strategie

Pepsi setzt auf Wachstum abseits des Stammgeschäfts und übernimmt SodaStream. Die Strategie ist richtig und dürfte auch unter neuer Leitung fortgesetzt werden. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Auch die neue Handelswoche beginnt mit einem Milliardendeal: US-Getränke-Riese Pepsi übernimmt für 3,2 Mrd. Dollar das israelische Unternehmen SodaStream. Der Übernahme-Kandidat stellt Haushaltsgeräte her, mit denen aus Leitungswasser Sprudelwasser wird.

Die Übernahme ist aus Sicht des Übernahme-Sensors ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Denn die jüngsten Zahlen haben gezeigt, dass im Stammgeschäft mit den Zuckerwassern kaum Wachstum möglich ist.

Stammgeschäft unter Druck

Der Trend zu gesünderen – oder vermeintlich gesünderen Getränken wird nicht aufhören. Dies macht es erforderlich, alternative Wachstumsquellen zu erschließen.

Unter der scheidenden Pepsi-Chefin Indra Noyi wurden daher bereits diverse größere und Dutzende kleinere Übernahmen eingefädelt.

Übernahmen im Knabber- und Müsli-Bereich sowie Investitionen in kalorienärmere Getränke sorgten dafür, dass das lahmende Pepsi-Geschäft nicht noch stärker unter Druck geriet.

Bei Vorstellung der Halbjahreszahlen war im Geschäftsbereich North America Beverages, in dem das Ergebnis hauptsächlich vom Verkauf zuckerhaltiger Getränke abhängt, erneut Umsatz und operativer Gewinnbeitrag rückläufig. Das Geschäft mit süßen und salzigen Knabbereien dagegen legte bei beiden Kennziffern zu.

Finanzinvestoren hieven SodaStream zurück in die Erfolgsspur

Pepsi bietet den SodaStream-Aktionären 144 Dollar je Aktie und damit einen Aufschlag von über 30% auf den 3-Monats-Durchschnittskurs. Gegenüber vergangenem Freitag liegt der Aufschlag bei gut 10%.

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Richtig viel verdiente, wer die Aktie schon 2 Jahre im Depot hat. Damals fristete SodaStream ein wenig beachtetes Nischendasein und kam operativ nicht vom Fleck. Die Aktie kostete gerade einmal 28 Dollar – erst nachdem Finanzinvestoren das Ruder übernahmen, wurde das Wachstum wiederbelebt.

Zuletzt erzielte SodaStream sogar hervorragende Ergebnisse, mit denen die Analystenschätzungen pulverisiert wurden. Die Aktie legte daraufhin in kürzester Zeit um ein Drittel zu.

Dies ist auch der Grund, warum die Prämie gegenüber Freitag klein wirkt. Viel mehr war dann aber auch nicht mehr drin, denn der Übernahme-Multiplikator liegt bei fast 20 (EBITDA). Ob sich die Milliarden-Investition auszahlt, wird sich daher erst noch zeigen müssen.

Pepsi dürfte Übernahme-Kurs unter neuem Chef fortsetzen

Trotz des hohen Übernahme-Preises unterstützen die PepsiCo.-Aktionäre den Managementkurs. In einem freundlichen Marktumfeld legt das Papier 0,6% zu. Investoren verweisen auf wenig Konkurrenz im Geschäft mit Sprudelwasser-Geräten, der starken Unternehmensentwicklung und der nächsten Wachstumschance abseits des lahmenden Stammgeschäfts.

Es ist davon auszugehen, dass Pepsi den eingeschlagenen Kurs unter dem zum 1.Oktober antretenden Chef Ramon Laguarta fortsetzen wird. Trotz der vielen Deals unter Noyi, musste sich die Noch-Chefin immer wieder vorwerfen lassen, nicht genug unternommen zu haben.

Besonders Finanzinvestoren sind der Ansicht, dass Noyi nicht risikobereit genug für einen transformierenden Deal abseits des Stammgeschäfts war. Diese werden jetzt auf Laguarta setzen, dass er unternimmt, was seine Vorgängerin nicht machte.

Laguarta wird den Wunsch der Finanzinvestoren kennen. Gut möglich, dass es deswegen nicht lange dauert, bis Pepsi bei einer weiteren Milliarden-Übernahme auf der Käuferseite steht.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.