Software-Branche: Open Text soll an der Übernahme des Mitbewerbers Micro Focus interessiert sein

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Aktuell brodelt die Gerüchteküche über eine mögliche Übernahme des britische Softwareunternehmens Micro Focus International Plc. Die kanadische Open Text Corp. hat ihr Interesse zwar mittlerweile dementiert, es gibt aber auch noch andere Interessenten. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Noch sind es nur Gerüchte, dass die kanadische Open Text Corp. an einem Übernahmeangebot für das britische Softwareunternehmen Micro Focus International Plc arbeitet. So meldete Bloomberg bereits, dass Open Text konkrete Gespräche mit Übernahmeberatern führt. Open Text selbst teilte am Freitagabend jedoch mit, dass es die Spekulationen um ein Übernahmeangebot zwar zur Kenntnis genommen hat, aber nicht über einen Kauf von Micro Focus nachdenkt.

Doch als erfahrener Leser des Übernahmesensors wissen Sie, dass Übernahme-Deals von den beteiligten Unternehmen zumeist erst dann bekannt gegeben bzw. kommentiert werden, wenn sich beide Parteien auf eine Vereinbarung geeinigt haben. In der Frühphase von M&E-Aktivitäten gelangen jedoch häufig Insiderinformationen an die Öffentlichkeit, die oft auch einen Kern an Wahrheit beinhalten.

Micro Focus Kurs zieht zunächst an und stürzt danach ab

Übernahmegerüchte führen in der Regel auch zu deutlichen Reaktionen an den Börsen. So schoss der Kurs der Micro Focus-Aktie – nach Bekanntwerden der Übernahmespekulationen am vergangenen Freitag – um stolze +6,8% in die Höhe. Bei Börsenschluss lag das Papier an der New Yorker Börse immerhin noch bei 15,17 USD, was ein Tagesgewinn von guten +4,26% bedeutete.

Nachdem Open Text am frühen Freitagabend jedoch die Gerüchte dementiert hat, stürzten die Micro Focus-Aktien im heutigen Handel wieder in den Keller: Am Vormittag lag der Kurs nur noch bei 13,46 USD, was ein zwischenzeitlichen Tagesverlust von -11,54% bedeutet.

Open Text Kurs verliert und erholt sich wieder

Ganz anders reagierte der Kurs der Open Text-Aktie: Die Papiere verloren am Freitag satte -3,7% und lagen bei Börsenschluss nur noch bei 39,34 USD. Die Investoren glauben anscheinend nicht, dass die Übernahme von Micro Focus ein guter Deal ist.

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Gründe hierfür sind sicherlich die sehr hohen Schulden der Briten, die sich auf knapp 5 Mrd. USD belaufen, sowie die schlechten Wachstumsprognosen. Im frühen montäglichen Handel konnten die Open Text-Papiere aber wieder etwas an Boden gut machen und lagen bei 39,93 USD, ein Plus von immerhin +1,50% gegenüber dem heutigen Eröffnungskurs.

Gerüchteküche um Micro Fokus brodelt schon länger

Micro Fokus wird schon seit einiger Zeit als mögliches Übernahmeziel gehandelt. Das Unternehmen selbst hat in den letzten Jahren durch Übernahmen z.B. der Attachement Group (mit den Tochterfirmen Novell und SUSE) sowie dem Erwerb großer Softwarebereiche von Hewlett Packard Enterprise für Furore gesorgt.

Die enormen Kosten für diese Akquisitionen wollte Micro Fokus durch den teilweisen Verkauf der erworbenen Unternehmenssoftware wieder ausgleichen. Als das im vergangenen Jahr aber nicht geklappt hat, geriet der Kurs des Micro Fokus-Papiers im März 2018 in arge Turbulenzen, was zur Folge hatte, dass auch der CEO von Micro Fokus, Chris Hsu, seinen Hut nehmen musste.

Auch Private-Equity-Gesellschaften sollen an Übernahme interessiert sein

Noch vor wenigen Wochen spekulierten Insider darüber, dass Beteiligungsgesellschaften die Sicherheitssoftware Arcsight und Fortify von Micro Focus erwerben wollten. Als mögliche Übernahmeinteressenten wurden dabei Private-Equity-Gesellschaften wie Carlyle, Veritas und KKR gehandelt.

Wie es im Übernahmepoker um Micro Focus weitergehen wird, ist offen. Durch die Kursschwäche des britischen Pfunds ist Micro Focus sicherlich relativ günstig zu haben. Allerdings müsste ein Käufer bei einer kompletten Übernahme auch die hohen Schulden von Micro Focus übernehmen, was sicherlich einen möglichen Deal deutlich erschwert.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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