Solarcity-Übernahme: Rettet Musk das Unternehmen seines Cousins mit Tesla-Geld?

Elon Musk ist nicht nur Ingenieur, Volkswirt und Unternehmensgründer – er ist auch ein Visionär. Er hat die Vision von einer besseren, einfacheren und saubereren Zukunft. Sein Flaggschiff ist dabei der Automobil-Konzern Tesla.

Der Elektro-Autobauer arbeitet mit Hochdruck an dem Modell 3, mit dem Tesla aus der Elektro-Nische heraustreten will. Das Projekt ist von immenser Wichtigkeit – und dennoch öffnet der Firmenboss eine neue Baustelle.

Gestern nach US-Börsenschluss kündigte Elon Musk an, den Aktionären von SolarCity ein Übernahme-Angebot zu unterbreiten.

Solarcity passt nicht zu Tesla

Langweilig wird es in Musks Leben nicht. Egal ob kommerzielle Reisen zum Mars, Massenmarkt-taugliche Elektro-Autos oder Speichertechnik: Musk mischt mit. Der Sprung in das ihm ebenfalls vertraute Geschäftsfeld Solar-Energie passt zu den Zukunftsvorstellungen des Tesla-Chefs.

Musk hat nicht nur Investoren sondern auch Fans. Die Fans dürften wenig gegen die Solarcity-Übernahme einzuwenden haben. Ihre Investitions-Ziele gehen über finanzielles Interesse hinaus. Die „echten“ Tesla-Investoren dürften dagegen schon skeptischer sein.

Die werden sich fragen, ob es nicht besser ist, wenn sich das Management voll auf das Modell 3 konzentriert. In wie fern passt Solarcity zum Tesla-Konzern? Wo sind da die Synergien, wo die potenziellen Umsatz-Treiber? Wenn jemand ein Elektro-Auto kaufen will, heißt das wohl kaum, dass er gleich noch 2 Solar-Panel fürs Dach mitnimmt.

Wofür wurden Corporate Governance-Richtlinien eingeführt?

Dass Solar-City nur grob zu Tesla passt, ist das eine Problem. Das andere ist viel gravierender: Der Deal wirft erhebliche Corporate Governance-Fragen auf. Denn Musk selbst ist größter SolarCity-Aktionär und sein Cousin leitet das Unternehmen.

SolarCity hat gravierende Probleme. Unter Umständen ist mittelfristig die Finanzierung des Unternehmens nicht gewährleistet. Vor 2018 ist die Gewinnzone Analysten zufolge jedenfalls nicht zu erreichen.

Rettet Musk also mit dem Geld der Tesla-Aktionäre das angeschlagene Unternehmen dessen Großaktionär er selber ist und das von einem Familien-Angehörigen geleitet wird? Ist das im besten Interesse der Tesla-Aktionäre?

Deal bleibt unwahrscheinlich, Solarcity in Nöten: Übernahme-Chance unbedingt liegen lassen

Tesla-Aktien verlieren heute stark. Zum Handelsauftakt beträgt das Minus fast 10%. Damit wurde mehr Wert vernichtet, als Tesla Solarcity beigemessen hat. Die Marktreaktion zeigt klar, dass die Tesla-Investoren den Kurs des Unternehmenschefs nicht gutheißen – und wer kann ihnen das verübeln.

Den Aktionären des Übernahme-Kandidaten dagegen gefällt das Interesse natürlich. In einem leicht festeren Gesamtmarkt kann das Papier mehr als 7% zulegen. Mit 22,62 Dollar notiert die Aktie allerdings noch ein gutes Stück unter der kolportierten Angebotsspanne von 26,50 Dollar bis 28,50 Dollar.

Das liegt vermutlich daran, dass aus dem Interesse nicht zwangsläufig ein Deal resultieren muss. Es gibt neben den genannten Corporate Governance-Problemen, den vielen Gründen die gegen eine jetzige Übernahme sprechen auch noch Bewertungsfragen, an denen eine Übernahme scheitern könnte.

Trotz des Interesses von Elon Musk bleibt ein Deal nach wie vor unwahrscheinlich. Wer heute die Aktie kauft mit der Aussicht auf einen Übernahme-Gewinn von rund 20%, riskiert dass er gegen Ende des Jahres mehr als 20% verliert, wenn der Deal ausbleibt. Der Übernahme-Sensor meint: Finger weg!

22. Juni 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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