Solarworld stellt Produktion ein

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Die Solarworld Aktie gilt schon lange als Totalverlust, nun sorgt die zweite Pleite binnen weniger Monate für einen Produktionsstopp. (Foto: view7 - Fotolia)

Es ist ein Absturz in Zeitlupe, und gerade crasht es zum zweiten Mal: Solarworld, das einstige Vorzeigeunternehmen der deutschen Energiewende, ist zum zweiten Mal insolvent. Nachdem die Produktion im thüringischen Arnstadt schon seit einigen Monaten stillsteht, wurden nun auch die Maschinen im sächsischen Freiberg gestoppt.

Im Gegensatz zu den Kollegen in Thüringen dürfen die Mitarbeiter in Freiberg jedoch noch hoffen: Derzeit laufen Gespräche mit einem Investor, der an einer Wiederaufnahme der Produktion sowie der Weiterbeschäftigung der Belegschaft interessiert sein soll. Allerdings dürften sich die Gespräche noch einige Wochen hinziehen, von mindestens Oktober ist die Rede. Betroffen sind rund 150 Mitarbeiter aus der Produktion, die zum 1. Oktober zunächst in eine Transfergesellschaft wechseln werden.

Solarworld Aktie: Anlegers Albtraum

Bereits im Mai vergangenen Jahres hatte Solarworld erstmals Insolvenz anmelden müssen. Von den damals etwa 3.000 Beschäftigten sind inzwischen nur noch rund 600 übrig. Nach einem Neustart im August 2017 rutschte das Unternehmen im März erneut in die Pleite.

Die Solarworld Aktie, die vor fünf Jahren noch mehr als 120 Euro wert war, hat sich für Anleger von damals inzwischen als Totalverlust erwiesen. Das Papier ist keine 20 Cent mehr wert. Der Niedergang der hiesigen Solarindustrie hängt in erster Linie zusammen mit der billigen Konkurrenz aus Fernost. Vor allem Solarzellen und Module chinesischer Hersteller machten Solarworld und Co. seit Jahren das Leben schwer.

Nun sieht es danach aus, als müsste der Sonnenanteil der Energiewende mit Produkten aus dem Reich der Mitte gestemmt werden. Deutsche und europäische Unternehmen sind eher im Bereich der Windkraft stärker aufgestellt. Sie spielt hierzulande auch eine vergleichsweise größere Rolle bei der Energiegewinnung, während Solarmodule häufig eher auf Dächern von Privathäusern zu finden sind.

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Besser in Windparks als in Solarzellen investieren?

Unterm Strich bleibt die bittere Erkenntnis, dass sich die hiesige Solarindustrie angesichts des Preisdumpings auf den globalisierten Märkten international als kaum wettbewerbsfähig erwiesen hat.

Wer als Anleger nun auf europäische Unternehmen aus dem Bereich der nachhaltigen Energiegewinnung setzen will, wird beispielsweise beim deutschen Windkraftanlagenhersteller Nordex oder dessen dänischem Konkurrenten Vestas fündig. Auch General Electric produziert zum Teil in Deutschland.

Mit Siemens ist zudem ein Dax-Schwergewicht ebenfalls im Bereich der Windenergie aktiv, wobei die Anlagen beim dänischen Nachbarn produziert werden, während Service und Vertrieb in Deutschland angesiedelt sind.

Zwar hatte auch die Siemens Aktie zuletzt mit einigen Kursschwankungen zu kämpfen, das Risiko eines Totalverlusts erscheint bei dem Traditionskonzern jedoch äußerst gering. Mit Blick auf die vergangenen drei Jahre hat sich der Wert der Siemens Aktie um immerhin rund ein Drittel gesteigert, zuletzt war das Papier rund 110 Euro wert.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.