Solider Baukonzern mit Phantasie

Strabag macht Dividenden-Anlegern schöne Augen. Lohnt sich jetzt ein Investment? (Foto: Monster Ztudio / shutterstock.com)

Adjektive sind das Salz in der Suppe. Das gilt für Unternehmensmeldungen genau so wie auch für ein gutes Buch. Kürzlich gab der österreichische Baukonzern Strabag in einem Interview bekannt, dass Aktionäre „spürbar“ höhere Dividenden erwarten können. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass das Unternehmen seine Ziele im laufenden Geschäftsjahr erreicht.

Derzeit sieht sich das Unternehmen in einer Konsolidierungsphase und will sich schlanker aufstellen – Worte, die an der Börse eigentlich gerne gehört werden. Doch sind Aktionäre von Strabag verunsichert: Im vergangenen Jahr kürzte das Unternehmen die Dividende. Ob dies ein einmaliger Schock war oder ob das Unternehmen auch weiterhin mit der Ausschüttung jonglieren wird, kann nur eine detaillierte Analyse zeigen.

Baukonzern mit Schwerpunkt Osteuropa

Schauen wir uns Strabag doch einmal genauer an: Strabag gehört zu den großen Baukonzernen Europas. Kernmärkte sind Österreich und Deutschland. Die Gruppe ist aber auch in Osteuropa sowie in ausgewählten Märkten Westeuropas, in Nahost, Kanada, Chile, China und Indien aktiv.

Kernkompetenzen sind Hoch-/Ingenieurbau, Verkehrswegebau und Sondersparten/Konzessionen. Der Konzern agiert unter den Marken Strabag, Dywidag, Heilit+Woerner, Möbius und Züblin.

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Trendwende bei Quartalsergebnissen

Der strenge Winter und das Hochwasser in weiten Teilen Europas haben Strabag im 1. Halbjahr ausgebremst. Der Umsatz sank um 9,5% und die Bauleistung um 7% auf 5,6 Mrd €. Nach Abarbeitung mehrerer Großprojekte verringerte sich auch der Auftragsbestand um 7% auf 14 Mrd €. Zwischen Juli und September konnte Strabag weitere Aufträge im Gesamtwert von rund 500 Mio € an Land ziehen. Der operative Verlust reduzierte sich um 26% auf 123 Mio € und der Nettoverlust wegen eines starken Zinsergebnisses um 36%.

Im 2. Quartal schrieb der Konzern schon wieder einen Gewinn von 38,5 Mio €. Im Gesamtjahr will Strabag das operative Ergebnis um 25% auf 260 Mio € steigern. Daraus errechnet sich ein Gewinn von etwa 115 Mio €. Die Bauleistung soll das Vorjahresniveau von 14 Mrd € erreichen. Im kommenden Jahr sollte es auch bei Bauleistung und Umsatz wieder nach oben gehen. Strabag setzt vor allem auf die Erholung in Polen, die sich schon jetzt abzeichnet. Dort werden ab 2014, teilweise mit EU-Geldern, 700 km an Schnellstraßen gebaut.

Strabag: Ein Fall für die Watchlist

Die Zahlen sprechen dafür, dass es für das Unternehmen wieder aufwärts gehen könnte. Zuletzt kehrte Strabag gar in den ATX, das österreichische Pendant zum deutschen Dax, zurück. Das dürfte Investoren anlocken. Die Dividenden-Phantasie dürfte ihr übriges tun. Es lohnt sich daher, die Strabag-Aktie weiter zu beobachten.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.