Sollten Sie jetzt in Gold investieren?

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Am Aktienmarkt kriselt es derzeit. Lohnt sich jetzt für Sie ein Investment im Krisenmetall Gold? (Foto: Image Wizard/Shutterstock)

Beginnen möchte ich heute mit einer kleinen Episode aus meiner eigenen Investment-Historie. Dazu kehren wir ins Jahr 1987 zurück, genauer gesagt, in das letzte Jahresviertel.

Falls Sie ein Börsen-Veteran sind, dann erinnern Sie sich, was damals geschah. Am Montag, den 19. Oktober 1987, gab es einen Crash an der Wall Street: Der Dow Jones brach an diesem Tag in der Spitze um -25,3% ein.

Der Crash traf mich damals – als noch junger und wenig erfahrener Anleger – völlig unvorbereitet. Die Verluste in meinen Depotpositionen reichten von bestenfalls -25% bei den Aktien bis hin zu mehr als -60% in einem Optionsschein.

Meine Überlegung damals: Wenn die Aktien so stark verlieren, dann müsste Gold zum Krisengewinner werden. Und so realisierte ich die Verluste in einem Teil meiner Positionen und kaufte davon die Aktie Kloof Gold Mining (wird heute nicht mehr gehandelt).

Was ich seinerzeit übersah: Kloof war auch eine Aktie und wurde, nach einer kurzen Rallye, in den allgemeinen Abwärtsstrudel mit hineingerissen. Am Ende verlor ich mit diesem Investment mehr, als wenn ich die verkauften Positionen gehalten hätte.

Damals war es schwieriger, direkt in Gold zu investieren. Heute können Sie das ganz einfach über Optionen, Optionsscheine, Zertifikate sowie ETFs und ETCs bewerkstelligen.

Doch lohnt sich ein Gold-Investment in der laufenden Aktienmarkt-Krise überhaupt? Ich gebe Ihnen mit meiner heutigen Analyse darauf eine Antwort.

Das sind die langfristigen Trends

Beginnen wir, wie gewohnt, mit einem Monats-Chart: Er vermittelt Ihnen den besten Überblick über die langfristigen Trends:

Goldpreis: Kurzfristiges Kursziel 1.285 USD / Feinunze

Seit Erreichen des Allzeithochs im September 2011 bewegt sich der Goldpreis in USD je Feinunze in einem Abwärtstrend.

Dabei bildete er einen zweigeteilten Trend-Kanal aus: In den zurückliegenden 8 Jahren verbrachte der Goldpreis seine Zeit entweder in der oberen oder der unteren Hälfte.

Zu Beginn dieses Jahres startete das Edelmetall einen Ausbruchsversuch aus dem Abwärtstrend (blaue Ellipse) – letztlich ohne Erfolg: Im Mai wurde die dabei ausgebildete enge Handelsspanne nach unten verlassen.

Im Juli wurde dann sogar der am Tiefpunkt im Dezember 2015 begründete Aufwärtstrend nach unten durchstoßen (gelber Kreis). Und aus dieser Bewegung heraus ergibt sich nun auch das kurzfristig mögliche Kursziel von 1.285 USD je Feinunze:

Diese Marke resultiert aus dem sogenannten Kreuzwiderstand, der aus der eben genannten Aufwärtstrendlinie und dem Abwärtstrend aus dem Jahr 2008 gebildet wird.

Erst wenn diese wichtige Hürde überboten werden kann, dürfen Sie sich im Goldpreis mehr erwarten.

Momentum kämpft um positive Dynamik

Schauen wir nun noch auf einen Tages-Chart:

Goldpreis: Momentum bemüht sich um positive Kursdynamik

Das 50-Tage-Momentum hat Ihnen hier in den letzten Monaten gute Dienste geleistet: Schon Ende März 2018 wurde sehr frühzeitig ein Verkaufssignal generiert.

In der letzten Septemberwoche bildete der Schwung-Indikator dann ein Kaufsignal aus. Allerdings:

Wie Ihnen das blaue Rechteck dokumentiert, bewegt sich das Momentum seit April dieses Jahres unterhalb der Nulllinie: Somit wurde weit überwiegend negative Kursdynamik aufgebaut.

Aktuell müht sich der Indikator, in den positiven Wertebereich vorzudringen. Also fehlt es bislang noch an Aufwärtsschwung.

Fazit

Auch wenn Sie heute direkt in den Rohstoff Gold investieren können und keinen Umweg über eine Goldminenaktie nehmen müssen, wie ich es kurz nach dem 1987er-Crash tat:

Auch in der gegenwärtigen Aktienmarkt-Krise ist Gold keine brauchbare Investment-Alternative. Das maximale Kursziel liegt aus aktueller Sicht bei 1.285 USD / Feinunze. Das sind nicht einmal +5% vom gestrigen Schlusskurs aus.

Sollte – wider Erwarten – der dort liegende Kreuzwiderstand überboten werden können, ist der Goldpreis ganz neu zu beurteilen: Denn dann würde zugleich der Abwärtstrend aus dem Jahr 2011 nach oben verlassen.

Doch darüber diskutieren wir, wenn es soweit kommen sollte.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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