Sonos-Aktie: Wie es nach dem Absturz weitergeht

Der Lautsprecherspezialist Sonos meldet enttäuschende Geschäftszahlen. So geht es nach dem Kursdebakel für die Aktie weiter. (Foto: ClassyPictures / shutterstock.com)

Bei Sonos, dem US-Hersteller für aktive Lautsprechersysteme, ging es mit der Aktie zuletzt kräftig bergab. Die Papiere sackten nach Vorlage der Geschäftszahlen von über 21 Dollar auf unter 16 Dollar in die Knie. Damit nähert sich die Aktie wieder dem Niveau, zu dem sie im letzten Monat an die Börse kam.

Die Hoffnungen der Anleger konnten mit der bisherigen Geschäftsentwicklung bislang nicht erfüllt werden. Obwohl Sonos mit seinen vernetzten Lautsprechern in einem aussichtsreichen Wachstumsfeld positioniert ist, stockte die Umsatzentwicklung. Der Verlust wurde sogar ausgeweitet.

Was waren die Gründe für das schwache Abschneiden? Kann der Konzern gegen Rivalen wie Google, Amazon und Apple überhaupt bestehen? Was sagen die Analysten nach der jüngsten Pleite?

Sonos im Portrait

Sonos entwickelt und produziert aktive Lautsprechersysteme und Hifi-Komponenten, die drahtlos über WLAN miteinander vernetzt sind. Das System kann lokale Audiodateien oder Musikstreamingdienste nutzen und diese in mehreren Räumen gleichzeitig wiedergeben. Gesteuert wird das Audiosystem mit einer App auf dem Smartphone, Tablet PC oder Desktop PC, sowie zum Teil per Sprachsteuerung.

Im vergangenen Jahr gab das Unternehmen gemeinsam mit dem Möbelhändler IKEA bekannt, zusammen raumübergreifende Lautsprecherkomponenten zu entwickeln und vermarkten zu wollen. Zugleich ging Sonos eine Zusammenarbeit mit Amazon ein, damit dessen Sprachassistent Alexa auch Sonos Lautsprecher steuern kann. Zusätzlich will Sonos mit jedem anderen Sprachassistenten auf dem Markt zusammenarbeiten.

Insgesamt wurden dem Börsenprospekt zufolge über 19 Millionen Sonos-Geräte in rund 6,9 Millionen Haushalten weltweit registriert. Im vergangenen Geschäftsjahr machte Sonos gut die Hälfte seiner Erlöse von 992 Millionen Dollar in Nord- und Südamerika. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen von 108 auf 124 Millionen Dollar.

Absatz steigt, Umsatz fällt

Trotz der Positionierung in einem spannenden Wachstumsmarkt enttäuschte die operative Entwicklung des Konzerns. Obwohl Sonos dem Absatz im zurückliegenden Quartal auf gut 886.500 Geräte (+11%) steigerte, ging der Umsatz in die Knie. Unter dem Strich erlöste die US-Firma 208,4 Millionen Dollar und damit 6% weniger als im vergleichbaren Vorjahresquartal.

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Das liegt vor allem am schwächeren Produktmix. Im Vorjahr verkaufte Sonos deutlich mehr Geräte von seiner deutlich teureren Soundbar Playbase. Zuletzt gingen aber die immer mehr der günstigeren (für 199 Dollar) Lautsprecher Sonos One mit der Amazon Assistenzsoftware Alexa an Bord über den Ladentisch.

Der Umsatzrückgang schlug unterdessen voll auf das Ergebnis durch. Im dritten Quartal weitete der Lautsprecherspezialist seinen Verlust auf 27 Millionen Dollar aus. Für Sie zum Vergleich: Im Vorjahr waren es „lediglich“ 14 Millionen Dollar.

Abhängigkeit von anderen Unternehmen könnte zum Problem werden

Auch zukünftig dürfte die Entwicklung kein Selbstläufer werden. Denn Sonos kämpft auf vielen Fronten. Zum einen ist der Konzern von den Lieferanten wie Spotify, Google Play oder Apple Music abhängig, deren Musik auf den Geräten abgespielt wird. Zum anderen konkurriert das Unternehmen mit Firmen wie Amazon, die direkt für den Verkauf des Systems verantwortlich sind, in letzter Zeit aber selbst mit ihrem eigenen Lautsprechersystem aggressiv in den Markt gehen.

Sie müssen wissen: Amazon ist zentral für Sonos als Verkaufskanal und als Cloudservice. Zudem können die Sonos-Anlagen über Alexa, den Sprachassistent von Amazon, bedient werden. Sollte Amazon die Daumenschrauben anziehen, um das eigene System noch stärker zu puschen, könnte Sonos ein massives Problem bekommen. Sich nur auf die Qualität des eigenen Lautsprechersystems zu verlassen, könnte für Sonos auf kurz oder lang nicht ausreichen.

Analysten sind skeptisch

Nach den ersten vorgelegten Quartalszahlen nach dem Börsengang zeigen sich auch die Analysten zurückhaltend. Von den 6 Experten, die sich mit der Aktie beschäftigen, raten lediglich 3 zum Kauf der Papiere. Der Rest steht auf der Seitenlinie und sieht in dem Papier nur eine Halteposition. Für das Gesamtjahr erwartet Sonos einen Umsatz von 1,1 Milliarden Dollar. Das wäre ein Wachstum von knapp 10%. Im nächsten Jahr legt der US-Konzern die Latte ähnlich hoch.

Fazit: Die vorgelegten Zahlen waren schwach. Weder das Wachstum noch die Profitabilität konnten überzeugen. Zugleich wird immer stärker deutlich, dass es für Sonos auf Grund seiner Positionierung auch in Zukunft schwierig werden könnte. Letzten Endes ist Sonos „nur“ ein Hardwarehersteller, der zu 100% vom Absatz der neuen Geräte lebt.

Es gibt keine wiederkehrenden Umsätze oder Umsatzbeteiligung über Onlineverkäufe, die über das Lautsprechersystem in Verbindung mit Alexa getätigt werden. Zugleich wird die deutlich größere und besser kapitalisierte Konkurrenz immer stärker. Es ist also nicht ganz auszuschließen, dass Sonos ähnliche Probleme wie andere Ein-Produkt-Unternehmen wie GoPro oder Fitbit in Zukunft haben wird.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.