Sonos mit gedrosselter Lautstärke an die Börse

Sonos bringt Musik in die Ohren der Anleger. Doch ist die Aktie wirklich interessant? (Foto: Lester Balajadia / shutterstock.com)

Während Apple als erstes Unternehmen der Geschichte die Billionenmarke knackt und damit eine Börsenbewertung erreicht, die in etwa der Wirtschaftsleistung Indonesiens entspricht, musste der Lautsprecherhersteller Sonos beim Börsengang leisere Töne anschlagen. Anstelle der ursprünglich geforderten 17 bis 19 US-Dollar je Aktie musste sich Sonos mit einem Emissionspreis von 15 Dollar begnügen. Als wesentlichen Belastungsfaktor will Sonos-Chef Patrick Spence im US-Sender CNBC – trotz der allgemeinen Apple-Euphorie – die derzeitige Zurückhaltung von Tech-Investoren ausgemacht haben.

Kratzer in der Akustik

Doch wer die herabgesetzte Bookbuilding-Bandbreite als böses Vorzeichen deuten wollte, wurde schnell eines Besseren belehrt: Als Erstnotiz wurde ein Kurs von 16 Dollar festgestellt, zuletzt lag der Kurs des Wertpapiers sogar mit knapp 20 Dollar mehr als 30 % über dem Zuteilungskurs.

Doch ob die drahtlosen internetfähigen Lautsprecher von Sonos bei Investoren weiterhin so gut ankommen wie bei ihren audiophilen Kunden, bleibt auch bei der deutlich gedimmten Lautstärke im Unklaren. Diverse Warnzeichen sprechen dagegen. So warnt Sonos in seinem Wertpapierprospekt nicht nur vor den möglichen Folgen des eskalierenden Handelskonflikts zwischen USA und China auf die Lieferkette des Lautsprecherherstellers.

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Kunde als Wettbewerber geht selten gut

Darüber hinaus wird in den SEC-Unterlagen eingeräumt, dass die weitere Geschäftsentwicklung nicht unwesentlich vom Wohlverhalten des Online-Händlers Amazon abhängt, mit dem Sonos seit längerer Zeit kooperiert. Dabei ist Amazon nicht nur Kunde von Sonos, sondern mit seinen sprachgesteuerten Echo-Lautsprechern auch Wettbewerber des US-Unternehmens.

Trend verpasst

Und hier könnte sich mittelfristig ein Problem auftun. Zwar ist die 2002 gegründete Sonos einer der Vorreiter bei vernetzten Lautsprechern, dennoch hat Sonos den Trend zu sprachgesteuerten digitalen Assistenten verpasst. Inzwischen wird dieses zukunftsträchtige Segment von Amazons Echo-Lautsprechern mit der Assistenzsoftware Alexa dominiert, während Google und Apple mit neuen Produkten aufholen.

Sonos blieb nichts anderes übrig, als Amazons Alexa-Software und zukünftig auch den Sprachassistent von Google in seine Lautsprecher zu integrieren. Die Zeit wird zeigen, ob diese Strategie ausreicht, das Schicksal anderer Hardwarehersteller wie Fitbit oder GoPro zu vermeiden, deren Anteile inzwischen deutlich unter den Börsenkursen liegen. Vorerst jedenfalls kann Sonos auf einen guten Börsenstart zurückblicken, und das ist der Sound, den Investoren gerne hören.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.