Sony Aktie: Wird VR zum Segen oder Fluch?

Sony ist unter den Konsolen-Herstellern absoluter Vorreiter im Bereich Virtuelle Realität (VR). Die passende Brille kommt im Oktober in die Läden und ist bereits jetzt ausverkauft.

Aber die Konkurrenz schläft nicht und könnte das Potenzial haben, die Träume der Japaner platzen zu lassen.

VR ist zukunftsweisend

Die virtuelle Realität soll die Unterhaltungs-Branche revolutionieren. Auch bei Sony steht die neue Technik eindeutig im Fokus der Produkt-Palette.

Das VR-Headset ist bereits für 17 verschiedene PS4-Spiele anwendbar, darunter der neueste Teil des Klassikers „Resident Evil“.

Der deutsche Playstation-Chef Uwe Bassendowski bestätigt, dass VR ein enormes Potenzial habe, massenmarkttauglich zu werden und Sony diesen Trend auf keinen Fall verpassen möchte.

Ob das gelingt, hängt wohl maßgeblich von dem Verkaufsstart des VR-Headsets am 16.10.2016 ab.

Die Nachfrage hat den Konzern nach eigenen Aussagen selbst überrascht – bereits 2 Monate im Voraus können zum Starttermin keine Produkte mehr reserviert werden.

Die Playstation 4 hat in Deutschland ohnehin bereits einen massiven Vorsprung auf dem Konsolenmarkt gegenüber den Konkurrenten Xbox von Microsoft und WiiU von Nintendo.

Markteinführung mit Spannung erwartet

Dass der Marktführer nun ziemlich früh auf den VR-Zug aufspringt, könnte sie uneinholbar weit nach vorne katapultieren.

V. a. könnte dies sein, da Sony die Brille mit einem Verkaufspreis von rund 400 € deutlich unterhalb der Konkurrenz-Produkte von HTC und Oculus anbietet. Der Preisvorteil könnte zum Gewinn-Garant werden.

Der Optimismus wird allerdings dadurch gezügelt, dass Microsoft mit dem Modell Scorpion der Xbox nächstes Jahr die leistungsstärkste Konsole aller Zeiten auf den Markt bringen will.

Ob Sonys Modell die hohen Anforderungen an die VR-Technik da gleichermaßen erfüllen kann, bleibt abzuwarten.

Denn die Japaner haben sich für die Variante PS4: Neo entschieden – eine vielversprechende Erweiterung, aber keine neue Generation der Spielekonsole.

Gewinn-Einbrüche im 1. Quartal

An den Verkaufs-Zahlen der neuen Konsole hängen auch die Hoffnungen von Konzernchef Kazuo Hirai, der erst kürzlich katastrophale Zahlen für das 1. Quartal des Geschäftsjahres hatte bekanntgeben müssen:

Der Umsatz war um 11% zurückgegangen und belief sich im 1. Quartal noch auf 16 Mrd. €, der Netto-Gewinn reduzierte sich um stolze 74% auf 190 Mio. €.

Unter Berücksichtigung des zeitweiligen Produktions-Stillstands in einer Fabrik in Japan, der durch ein Erdbeben verursacht worden war, blieb der Vorstand aber zuversichtlich.

Ohne den Zwischenfall hätte die Bilanz besser ausgesehen und ohnehin steht die stärkere Jahreshälfte noch bevor. Denn neben dem Verkauf der VR-Sparte ist Sony auch im konservativen Gaming-Bereich gut aufgestellt für die kommenden Monate.

Zwar hat der Konzern in einigen Bereichen die Handbremse auf der Kosten-Seite angezogen, das profitable Spiele-Segment wird aber weiter ausgebaut.

Mit dem 1. Teil der Spiele-Reihe Horizon trägt Sony z. B. zum Aufbau langfristiger Kunden-Beziehungen bei.

Denn Experten vermuten, dass das Spiel Potenzial hat, zu einer ähnlich renommierten Reihe heranzuwachsen, wie einst der Kassenschlager „Assassin’s Creed“ von Konkurrent Ubisoft.

Das Spiel für die PS4 soll im März nächsten Jahres auf den europäischen Markt kommen und wird mit Spannung erwartet.

Positive Aussichten für die Sony Aktie

Auch im Smartphone Segment durfte Sony sich zuletzt über positive Presse freuen:

Die US-amerikanische Softwarefirma Apteligent hat eine Studie über die Qualität verschiedener Smartphones durchgeführt und Sony’s Xperia-Reihe die Software mit der geringsten Absturz-Rate bescheinigt.

Die aktuellen Entwicklungen rund um Sony und vor allem der Wachstums-Impuls, der durch die neue VR-Technologie erzeugt werden soll, sind für viele Anleger Grund genug, bei der Sony Aktie zuzuschlagen.

Und das trotz der drastischen Gewinn-Einbrüche im letzten Quartal. Die Aktie liegt derzeit bei umgerechnet rund 28 € und kann damit den Aufwärtstrend seit Februar fortsetzen.

Dass Unternehmens-Chef Kazuo Hirai die Jahres-Prognose aufrechterhalten hat, bestätigt auch die Anleger.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs gegen Jahresende – wenn die Playstation VR in den Verkauf geht – weiter steigt, wird von Analysten hoch eingeschätzt.

Fürs Erste wird der Konzern seine marktführende Position mit hoher Wahrscheinlichkeit verteidigen können.

19. August 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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