Sorge vor konjunkturellem Absturz nimmt zu

Langsam aber sicher wächst sogar in den führenden Etagen der deutschen Wirtschaft die Sorge vor einem konjunkturellen Absturz. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Nach vielen Jahren des Schein-Booms kommen selbst in der deutschen Wirtschaft die ersten Zweifel auf, ob dieser künstliche Aufschwung weiter anhalten kann und wird. Auffällig und offensichtlich ist nun, dass von einem XXL-Aufschwung urplötzlich nicht mehr die Rede ist. Im Gegenteil. Kein Wunder also, dass selbst die Agentur Reuters meldet, dass die deutsche Wirtschaft sich vor einem konjunkturellen Absturz sorgt.

Wachstumsprognose wird gesenkt

Martin Wansleben, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), räumte seine Sorge vor einer allfälligen Talfahrt der deutschen Wirtschaft in der vergangenen Woche ein. Schon jetzt sei es laut Herrn Wansleben so, dass Personalengpässe, der Handelsstreit mit den USA und die politischen Unsicherheiten in Italien die Wirtschaftsentwicklung beeinträchtigen würden.

Der Verband senkte seine Wachstumsprognose für dieses Jahr um einen halben Punkt auf 2,2 Prozent. Mit Blick auf die Lage in Italien warnte Herr Wansleben, dass es noch deutlich schlechter kommen könne. Hintergrund ist insofern, dass die Krise im hochverschuldeten Euroland bisher noch nicht in der Prognose des Verbands enthalten sei.

Weltweiter Aufschwung auf dem Prüfstand

Spannend ist, dass jüngst nicht nur der DIHK die Prognose deutlich absenkte. Auch die OECD geht von einer Wachstumsverlangsamung aus. Und selbst das tendenziell optimistisch gestimmte Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet in der ersten Hälfte 2018 eine deutlich schwächere Wirtschaftsentwicklung. Herr Fichtner, Konjunkturexperte beim DIW, wird laut Reuters wie folgt zitiert:  “Dem weltweiten Aufschwung geht etwas die Puste aus.“

Die Jagd nach der Überrendite - für wen lohnt sich Stock-Picking?Anleger, die Börsenwissen und Bewertungskriterien diszipliniert anwenden, fahren mit Stock-Picking oft besser. › mehr lesen

Vor allem der Handelsstreit mit den USA zeige Wirkung bei der Nachfrage nach Investitionsgütern. Herr Wansleben merkt ferner an, dass auch die Folgen der US-Sanktionen gegen den Iran für deutsche Firmen “ein Riesenthema” seien. Wenig verwunderlich, dass Herr Wansleben aktuell davon spricht, dass der Aufschwung auf dem Prüfstand stehen würde.

Ja, liebe Leser, die Annahmen der Experten sind wohl unter dem Strich immer noch extrem optimistisch. Hintergrund ist ja, dass die wieder aufkeimende Eurokrise in den Prognosen und Schätzungen nicht enthalten ist. Die Krise in Italien habe aber das Potenzial zum “Desaster” für die Konjunktur und die Euro-Zone insgesamt zu werden. Davor warnte Herr Wansleben ausdrücklich.

Und die Krise wird immer noch massiv unterschätzt. An den Anleihemärkten brodelt es im Hintergrund schon jetzt gewaltig. Die Renditen der italienischen Staatsanleihen schnellten nach oben. Einzig eine Frage der Zeit, bis diese massiven Turbulenzen auch in der Realwirtschaft ankommen und sich niederschlagen werden…


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.