Sorgenkinder der EU – Portugal steht vor der Immobilienkrise

Sorgenkinder hat die Euro-Zone genug, die jüngsten, Spanien und Griechenland, stehen dabei im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Aber vor lauter Lamentieren über die Lage in diesen Ländern verlieren die Medien die älteren Kinder aus den Augen. An erster Stelle zu nennen wäre hier Portugal.

Medien im In- und Ausland versuchen, die Bevölkerung im Unklaren zu lassen, was wirklich vor sich geht auf der iberischen Halbinsel, und das hat seinen Grund. Aber es ist verantwortungslos, die schwerwiegenden Probleme dieses Landes öffentlich zu verschweigen, denn es handelt sich um die nächste Zeitbombe, die für den Euro tickt.

Portugals Immobilien- und Bauverbände geraten immer stärker unter Druck, denn die Regierung will die Gemeindesteuern drastisch erhöhen. Dieser Schritt resultiert aus den Bailout-Auflagen, die die EU, der IWF und die EZB Portugal auferlegt haben, um die kommunale Steuerbasis sicherzustellen.

Portugal befindet sich nämlich auch unter dem Rettungsschirm, den die Euro-Zone gespannt hat, um die Gemeinschaftswährung vor dem vorprogrammierten Untergang zu bewahren.

Insgesamt sind es 78 Milliarden Euro, die internationale Notkreditgeber gegeben haben, und um diese Darlehen zurückzuzahlen braucht der Staat Geld. Die Kommunal- und Gemeindesteuern müssen deshalb deutlich ansteigen.

Portugiesischen Hausbesitzern geht es an den Kragen

Am härtesten werden diese Maßnahmen die Hausbesitzer treffen, denn im Zuge dessen sollen die Werte von Immobilien neu kalkuliert und danach steuerlich angepasst werden. Vor solch einem Schritt hatte der Immobilienverband ANP unlängst gewarnt.

Wenn sich nämlich die Hauseigner die erhöhte Gemeindesteuer nicht leisten können, wird es zu Zwangsversteigerungen kommen. Die Steuerkatastrophe ist vorprogrammiert.

Nach Berechnungen der Europäischen Kommission soll die jetzige Steuererhöhung bis zu 2 Milliarden Euro mehr in die Kassen des Staates spülen. Unabhängige Schätzungen gehen von einem viel höheren Wert aus, ANP rechnet mit bis zu 400 Prozent.

Die Konsequenzen daraus sind kaum überschaubar, denn die Immobilien- und Baubranche in Portugal leidet schon jetzt unter erheblichen Problemen.

Kurzfristiger Geldsegen wird Boomerangeffekt auslösen

Bis April 2013 sollen alle Immobilien neu bewertet sein, und dann steigen auch die kommunalen Steuerabgaben. Problematisch ist, dass der aktuelle Marktwert einer Vielzahl von Gebäuden schon seit Jahren nicht mehr berechnet worden ist.

Für viele Hausbesitzer wird dies ganz überraschend kommen, denn die Medien des Landes lassen das Volk weitgehend im Unklaren darüber, was die Regierung in Wirklichkeit vorhat. Das bedeutet, dass sie die Mehrforderungen unvorbereitet treffen werden.

Eine Zwangsversteigerungswelle werde die unmittelbare Folge sein, das vermuten zumindest die Analysten von ANP. Die Folge wäre ein Preissturz auf dem Immobilienmarkt. Die Spirale würde sich zu drehen beginnen.

An diesem Beispiel Portugal lässt sich verfolgen, warum ich immer wieder davon abrate, Werte in Immobilien anzulegen: Im Zweifelsfall kann man sie nämlich nicht verstecken. Das heißt, in Zeiten von Geldknappheit und Wirtschaftskrise hat der Staat direkten Zugriff auf das so gebundene Vermögen.

Er kann spezielle Immobiliensteuern erheben, die sich faktisch wie eine Enteignung auswirken. Die Folgen davon sind unübersehbar, Milliarden Privatvermögen werden so vernichtet. Am Beispiel Portugal werden wir es wahrscheinlich in Kürze live und in Farbe beobachten können.

2. August 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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