Soziale Netzwerke an der Börse: Nur zum Zocken geeignet

Alle Jahre wieder … wiederholen sich dieselben Fehler.

So wie Ende der 90-er Jahre alle Papiere gekauft wurden, auf denen Internet stand, so lautet das Zauberwort heute „Social Network“.

Natürlich konnte man Ende der 90-er Jahre Geld mit Internet-Aktien verdienen. Aber nur, wenn man früh genug ausgestiegen war. Natürlich kann man heute Geld mit Aktien des „Social Network“ verdienen. Aber nur, wenn man früh genug wieder aussteigt.

Das Problem: Wann „früh genug“ ist, weiß man erst hinterher.

Die Lösung: Am besten gar nicht erst in diese Zockerpapiere investieren.

Ich spreche von „Investition“, das heißt, überlegte Geldanlage. Das hat nichts mit Lotto-Spielen zu tun. Klar können Sie einen Lottoschein abgeben oder auch eine Aktie aus dem Bereich des „Social Network“ kaufen.

Aber dann schreiben Sie am besten Ihr Geld sofort ab, zocken entsprechend mit einem kleinen Betrag. Und wenn Sie ein paar Hunderter verdienen können, ist es doch prima gewesen.

Social Network / Soziale Netzwerke

Social Network, auf deutsch Soziale Netzwerke, sind Gemeinschaften im Internet, in denen die Nutzer Kontakte schließen, sich austauschen und gemeinsame Inhalte generieren können. Soziale Netzwerke sind z.B. Facebook, LinkedIN, Xing, Wer kennt wen, StudiVZ und andere.

Soziale Netzwerke: Fragwürdige Geschäftsmodelle

Die Geschäftsmodelle dieser neu aufkommenden Welle sind mindestens fragwürdig. Dabei geht es mir nicht um die Inhalte oder Kontaktmöglichkeiten. Da stellen sich andere Fragen, die nach der Datensicherheit und möglichem Missbrauch der Daten.

Mir geht es um die Frage, die der Amerikaner so treffend zusammenfasst: „Show me the Money“ (deutsch: Zeig mir das Geld). Das ist bei den Sozialen Netzwerken schwer zu zeigen. Das habe ich in meinen Kommentaren „ Börsengang LinkedIN: Werden Börsianer gelinkt?“ und „ LinkedIN Aktie: über 40% Verlust“ bereits angesprochen.

Zynga-Aktie: 2 x null bleibt null

Nun setzt der jüngste Börsengang noch eins drauf. Der „Onlinespiele-Entwickler“ Zynga ist an die Börse gegangen. Zynga hat Spielchen für das Internet entwickelt, in denen sich die Nutzer in einer virtuellen Welt treffen, diese aufbauen und gestalten können.

Geld verdient Zynga damit, dass die Spieler für reales Geld virtuelle Dinge kaufen können, die ihnen einen schnelleren Fortschritt ermöglichen.

Beispiel: Wenn Sie in dem Spiel Farmville für echtes Geld einen Trecker kaufen, können Sie Ihren Bauerhof schneller bewirtschaften.

Das Spiel Farmville wird z.B. auf der Social Network-Plattform Facebook zum kostenlosen Freizeit-Totschlagen angeboten.

Facebook und andere Social-Network-Betreiber sehe ich als Mode-Erscheinung an. Ganz nett, aber damit lässt sich auf Dauer kein Geld verdienen. Wenn auf diesem dünnen Boden nun ein Spielchen aufsetzt und dafür auch noch Aktien verkaufen will, ergibt sich für mich die Rechnung: 2 x null bleibt null.

Zynga-Aktie: Am ersten Handelstag im Minus

Vergangene Woche Freitag war der erste Handelstag der Zynga-Aktie. Der Schlusskurs lag mit 9,50 USD um 5% unter dem Ausgabekurs. Mit dem Ausgabekurs von 10 USD hatte das Unternehmen Zynga einen Börsenwert von 10 Milliarden USD.

Wie schnell es mit so einer Klitsche abwärts rauschen kann, zeigt die Bewertung der Zynga-Aktie vom Sommer. Da sollte das Zeugs noch 20 Milliarden USD an der Börse einbringen. Innerhalb weniger Wochen hat sich der (vermeintliche) Börsenwert halbiert.

Klarstellung: Meine abwertende Wortwahl bezieht sich nicht auf die Entwickler dieser Spiele und andere Mitarbeiter der Social Network-Unternehmen. Das sind sicherlich qualifizierte Leute. Meine abwertende Wortwahl betrifft allein den Börsengang. An der Börse haben diese „Unternehmen“ nichts zu suchen.

Neuer Markt und Nasdaq als Warnung

Wer meint, dieses Mal sei alles anders, dem sei der Neue Markt in Erinnerung gerufen. Dieser deutsche Index der Technologie-Unternehmen (viele aus dem Internetbereich) explodierte von Anfang 1998, Stand 1.000 Punkte, bis März 2000 auf 9.694 Punkten.

Am 07.10.2002 wies er noch klägliche 306 Punkte auf, bevor er dann später von den Kurszetteln der Börsen verschwand.

Auch im Nasdaq-Index sorgten seinerzeit viele Internet-Unternehmen für Ex- und dann Implosion der Kurse. Die Nasdaq100 notierte im April 1997 um 1.200 Punkte. Im März 2000 waren es stolze 5.132 Punkte und im Juli 2002 hieß es mit 1.200 Punkten wieder „zurück auf Start“.

Zynga-Aktie: Am besten gar nicht hinschauen

LinkedIN, Zynga, Xing und wie sie alle heißen, am besten schauen Sie gar nicht hin. Und wenn es im kommenden Jahr mit großem Getöse zum Börsengang von Facebook kommt (kommen sollte), mein Tipp: Investieren Sie keinen Cent.

Wenn Sie „zocken“ wollen, gehen Sie mit einem Anteil rein, den Sie „Lotto-Geld“ nennen. Dann hat es halt Spaß gemacht.

Soziale Netzwerke: Aktien werden vom Kurszettel verschwinden

Ich weiß nicht, wann die Kurs einbrechen, aber ich bin sicher: Die Geschichte wiederholt sich. Denn nie war an der Börse alles anders. Die Kurse der Social Network-Unternehmen werden einbrechen. Die Aktien werden vom Kurszettel verschwinden.

Soziale Netzwerke: Put-Option zu teuer

Grundsätzlich sind Put-Option auf die diese Papiere eine Überlegung. Da aber (glücklicherweise) viele Börsianer diese Geschäftsmodelle ebenso fraglich bewerten wie ich, sind Put-Optionen zu teuer. Deshalb: Investition und Social Network gehören einfach überhaupt nicht zusammen.

Zum guten Schluss: Am 19.12.1861, also heute vor 150 Jahren, kam der italienische Schriftsteller Italo Svevo zur Welt. Er schrieb heiter-ironisch:

„Ein Ratgeber sollte daran denken, daß er nur die notwendigen Lügen erzählen muß, damit man ihm glaubt.“

Das passt ein Stück zum Hype um Soziale Netzwerke. Die den Börsengang begleitenden Banken und andere Profiteure der Börsengänge erzählen nur die notwendigen „Lügen“, um das Zeugs zu verkaufen.

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

19. Dezember 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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