S&P 500: Börse ist selten logisch

Stand Freitag letzter Woche haben 323 der 500 im S&P 500 enthaltenen Aktiengesellschaften über ihre geschäftliche Entwicklung im letzten Kalenderviertel 2014 berichtet (Quelle: www.zacks.com). Das entspricht knapp 2 Drittel (64,6%) dieser Unternehmen.

Bei einem solchen Umfang sind die bis dato berichteten Ergebnisse durchaus aussagekräftig:

Die Gewinne dieser 323 Konzerne sind, im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum, im Mittel um +7,1% gestiegen. Dabei haben knapp 72% der Gesellschaften die Erwartungen der Analysten übertroffen.

Nicht ganz so positiv ist die Umsatzentwicklung zu bewerten: Bei einem durchschnittlichen Anstieg um +1,4% konnten lediglich 57% die Expertenschätzungen überbieten.

Der Apple-Einfluss

In dieser Rechnung steckt indes eine Komponente, welche diese Resultate inzwischen massiv verzerrt: Apple! Halten Sie sich fest:

Der Elektronikgerätehersteller ist inzwischen derart groß, dass seine Marktkapitalisierung (ausgegebene Aktien x Aktienkurs) allein bereits knapp 20% der gesamten Marktkapitalisierung des Technologiesektors im S&P 500 ausmacht. Noch heftiger:

Die Apple-Gewinne stehen für knapp 30% der Ergebnisse dieses Sektors. Bezogen auf den S&P 500 liegen diese Werte bei 3,6% der Marktkapitalisierung des Index und 6,3% der gesamten Gewinne. Kein Wunder:

In der Summe der letzten 4 Quartale hat das Unternehmen mit dem angebissenen Apfel-Logo sage und schreibe 199,8 Mrd. USD (letztes Quartal: 74,6 Mrd. USD) umgesetzt und dabei netto 44,46 Mrd. USD (letztes Quartal: 18,0 Mrd. USD) verdient. Wahnsinn!

Wenn Sie Umsatz und Ergebnis von Apple aus den bisher berichteten Zahlen heraus rechnen, schrumpfen laut Zacks die oben genannten durchschnittlichen Steigerungsraten beim Umsatz von +1,4% auf -0,8% und beim Gewinn von +7,1% auf +4,5%.

Analysten senken Gewinnschätzungen drastisch

Dreimal dürfen Sie raten, was die Schar der Analysten daraufhin gemacht hat: Sie haben ihre Erwartungen für das laufende Kalenderviertel und die folgenden Quartale massiv nach unten revidiert.

Laut Zacks ist dies die heftigste Abwärtsrevision der vergangenen 2 Jahre. Demnach wären US-Aktien wohl zu hoch bewertet!? Müssen wir uns also auf fallende Notierungen in den kommenden Monaten einstellen?

Schauen Sie lieber auf die Charts!

Wenn Sie an Ihre Investments mit Logik heran gehen, dann müssten Sie zwangsläufig zu dieser Schlussfolgerung gelangen. Doch Börse ist selten logisch.

Dieser Vorgang belegt vielmehr wieder einmal plastisch, was ich jedem Börsen-Interessierten seit Jahren gebetsmühlenartig empfehle: „Hören Sie nicht auf das, was Ihnen die Börsenmedien weismachen wollen, sondern schauen Sie auf das, was der Markt aus den Nachrichten macht!“ Soll heißen:

Analysieren Sie die Charts und nutzen Sie die Charttechnik. Denn die Charts spiegeln mit den Kursverläufen das wider, was allein die Preise an der Börse bestimmt: Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage!

vergleich s&p 500 mit dax 30-11-02-2015

Chart-Vergleich mit S&P 500: DAX 30 macht Pause, während die Wall Street nachzieht

Fahnenstange mit Wimpel: US-Börse zieht nach

Statt auf die Abwärtsrevisionen der Analysten mit Verkäufen zu reagieren, haben die Marktteilnehmer in den vergangenen Tagen kräftig eingekauft. Dabei ist der S&P 500 seit letztem Donnerstag aus einer Dreiecks-Formation nach oben ausgebrochen.

Dieses Dreieck ist wiederum Teil einer komplexeren Chart-Formation, die als Fahnenstange mit Wimpel bezeichnet wird. Gut zu sehen:

Auch der DAX 30 hatte eine vergleichbare Chart-Formation ausgebildet. Nur hat der deutsche Leitindex bereits einen Teil der nach dem Wimpel-Ausbruch zu erwartenden Rallye hinter sich gebracht.

Die pinkfarbene gestrichelte Linie entspricht dabei einer exakten Kopie der Basis-Fahnenstange. Wird diese an die Ausbruchstelle des Wimpels angesetzt, erhalten Sie das zu erwartende Mindest-Kursziel dieser Chart-Formation.

Momentum: DAX 30 macht Pause, während die Wall Street nachzieht

Blicken wir zum Abschluss noch auf das 50-Tage-Momentum, das Ihnen bekanntlich Schwung und Dynamik einer Kursbewegung anzeigt. Hier sehen wir einen gravierenden Unterschied zwischen beiden Indizes:

Während das DAX 30-Momentum soeben seinen seit Mitte November 2014 bestehenden Aufwärtstrend nach unten durchbrochen hat, hat derselbe Indikator beim S&P 500 exakt das Gegenteil vollzogen.

Chart-Formation verspricht feine Kurs-Rallye an der Wall Street

Wir dürfen also laut Chartanalyse erwarten, dass sich die Wall Street in den kommenden Wochen besser entwickeln wird, als der deutsche Aktienmarkt.

Und wenn wir unterstellen, dass wir aufgrund der Chart-Formation eine ähnliche Rallye sehen, wie im DAX 30 seit dem 6. Januar, dann könnte diese gar spektakulär werden.

Sie sehen: Börse ist selten logisch.

11. Februar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Andreas Sommer. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt