S&P 500: Es geht nie wieder runter!

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Sorglosigkeit an den Finanzmärkten ist genauso übel, wie übertriebene Angst. (M)eine Be-standsaufnahme der Wall Street. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Gibt es derart gute Gründe für die Wall Street-Hausse, dass die Indizes in den USA einfach nur noch steigen? Schauen wir mal:

Brexit-Happy end? Damit haben die Amerikaner praktisch nichts zu schaffen. Außerdem geht das Verhandlungs-Theater auch nach einem Austritt Großbritanniens am 31. Januar ja munter weiter.

Ist es der Teil-Deal im Handelsstreit mit China? Darüber hatte ich Sie bereits informiert: Der Hype darum ist weit größer als das tatsächlich erzielte Ergebnis der Verhandlungen. Und die gehen ja auch weiter (oder sollen es zumindest).

Ist es die von den Investmentfonds-Managern einfach weg-ignorierte Angst vor einer Rezession? Darüber hatte ich Ihnen im Zusammenhang mit dem „Global Fund Manager Survey“ der Bank of America Merrill Lynch vom Dezember berichtet.

Oder ist es möglicherweise die bevorstehende Quartalsberichtssaison, die uns einen kompletten Richtungswechsel bei den Unternehmensergebnissen des letzten Jahresviertels 2019 anzeigen wird?

Ich habe die aktuelle Ausgangslage einmal für Sie analysiert.

Rückblick

Analysten schätzen kontinuierlich die Umsatz- und Gewinnpotenziale der US-Aktiengesellschaften ein. Wir fokussieren uns stets auf die Erwartungen für die 500 im S&P 500 enthaltenen Mitglieder.

2019 war – gewinntechnisch betrachtet – eine herbe Enttäuschung. Dagegen sahen wir im Jahr zuvor noch, befeuert durch das Steuermaßnahmenpaket Donald Trumps, geradezu spektakuläre Wachstumsraten:

In den ersten 3 Quartalen erzielten die S&P 500-Konzerne Gewinnzuwächse von durchschnittlich fast +25,0%. Im 4. Jahresviertel schwächte sich das durchschnittliche Gewinnwachstum +15,0% ab – das quittierte die Wall Street mit einem -20%-Crash.

Die ersten 3 Quartale 2019 erbrachten dann gemischte Wachstumsraten von -0,1% / +0,6% und -1,7%. Für das letzte Jahresviertel – über das nun berichtet wird – erwarten die Analysten sogar einen Rückgang um -3,2%.

Das macht im Schnitt der 4 Quartale 2019 ein Minus von -1,1%.

Ausblick

Die Erwartungen für das letzte Jahresviertel 2019 können also auch nicht der Anlass für die Wall Street-Euphorie sein. Dann sind es vielleicht die Schätzungen für das Jahr 2020?

Ja klar, da war doch was: Die Börsen schauen schließlich in die Zukunft und nicht zurück!

Und tatsächlich hellen sich die Analysten-Erwartungen für den Rest des Jahres deutlich auf: Die Herrschaften rechnen für die 4 Quartale mit Gewinnwachstumsraten von +3,8% / +3,6% / +7,7% und +11,2%.

Volltreffer! Da haben wir die doch Erklärung für die Rallye der letzten 5 Monate!? Aber halt – nicht so schnell!

Auf das Gesamtjahr betrachtet reden wir hier von einem Gewinnwachstum von durchschnittlich +8,0%. Und ja: Auch für 2021 sind die Analysten – Stand heute – mit einer geschätzten Steigerung der Ergebnisse von +10,5% optimistisch.

Also alles gut? Nun ja:

Was sagt der Chart?

S&P 500: Doch nicht immer so vorausschauend

Also der Chart sagt uns, dass die Börse nicht immer so weit in die Zukunft blickt, wie man es uns einreden mag.

2017 ist der S&P 500 fast ununterbrochen geklettert: Das erhoffte Steuermaßnahmenpaket und seine erwartete Wirkung auf die Unternehmen trieben wohl die Notierungen an.

Doch kaum war das Paket im Dezember 2017 durch gewunken, stürzte der Index um -12% ab. Was war das jetzt?

Für den Rest des Jahres kletterte der S&P 500 weiter – allerdings sichtbar weniger steil als in 2017 und 2019. Und das, obwohl das Gewinnwachstum in 2018 ja letzlich mega-mäßig ausfiel.

Im 4. Jahresviertel 2019 crashte die Wall Street dann um -20%. Eine Reaktion auf die für dasselbe Quartal erwartete Quasi-Halbierung der Unternehmens-Ergebnisse. Arg kurzfristig, nicht wahr?

Und 2019 kletterte der S&P 500 dann um mehr als +30%, weil doch das Gewinnwachstum im selben Jahr stark schrumpfte und die Erwartung für 2020 bei durchschnittlich +8% lag?

Fazit

Sie sehen: Ganz so einfach ist es nicht mit der in die Zukunft blickenden Börse. Mal reagiert die Wall Street weit vorausschauend, dann wieder sehr kurzfristig.

Aber der Chart offenbart Ihnen noch etwas anderes: Der dicke pinkfarbene Doppelpfeil weist Sie darauf hin, dass die aktuelle Entwicklung an der Wall Street auffallend der Situation im Januar 2018 gleicht.

Auch damals war der S&P 500 derart abgehoben, dass er sich sogar extrem weit von seiner 20-Tagelinie entfernt hatte. Und die reagiert – aufgrund der geringen Zahl an Handelstagen – ja logischerweise besonders schnell.

Ich überlasse es Ihrem Urteil, ob Sie diese Marktphase aufgrund der genannten Erwartungsfaktoren für begründet und unbedenklich halten.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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