S&P 500: Fibonacci verblüfft immer wieder

Fassen wir noch einmal zusammen, welche charttechnischen Erkenntnisse für den amerikanischen Aktienmarkt ich in den Beiträgen dieses Jahres bislang für Sie analysiert habe:

  1. Die US-Börsen hatten im Herbst ihre seit 2009 bestehenden Aufwärtstrends nach unten verlassen und waren damit in einen Bärenmarkt eingetreten. Dieser Trendbruch hätte nur durch neue Rekordhochs „geheilt“ werden können. Neue Allzeithochs wurden jedoch nicht erreicht.
  2. Nach den Rückschlägen seit Jahresbeginn befindet sich die Wall Street aktuell wieder im Marktzustand Bear Confirmed (bestätigter Bärenmarkt), wie der Bullish-Percent-Index des Nasdaq Composite (aber auch aller anderen US-Indizes) belegt. Das heißt: Sie sollten sich tendenziell eher auf fallende, denn auf steigende Notierungen einrichten.
  3. Ein Abwärtstrend definiert sich über jeweils niedrigere Hochs und niedrigere Tiefs. Die in einem Bärenmarkt traditionell vorneweg fallenden Nebenwerte tun genau das zurzeit: Der S&P 600 SmallCap hat bereits am 7. Januar seine August- / Septembertiefs unterboten und damit einen Abwärtstrend definiert. Das ist ein Hinweis darauf, dass die anderen Indizes mit guter Wahrscheinlichkeit folgen werden.
  4. Tatsächlich stehen andere wichtige US-Indizes kurz davor, ihre Herbsttiefs zu unterbieten. Der S&P 500 hat dies am vergangenen Freitag im Handelsverlauf sogar schon vollzogen.
  5. Es fällt auf, dass die Erholungsphasen in der Abwärtsbewegung seit Jahresbeginn bemerkenswert schwach ausfielen: 6 tieferen Schlusskursen (gegenüber dem Vortag) stehen zwar 5 höhere Schlusskurse gegenüber.

Die Summe der Tagesverluste beläuft sich jedoch auf 193 Punkte. Dem stehen Tagesgewinne von insgesamt nur 51 Zählern gegenüber, darunter ein Einzelplus von 31 Punkten. Das entspricht einer Relation von 3,8 zu 1 und unterstreicht die innere Schwäche der Wall Street.

US-Börsen knicken erneut ein

Heute Vormittag zeigen sich die Aktienmärkte erneut schwach: Der DAX verliert zeitweilig -3%. Auch die US-Futures liegen rund -2,5% im Minus und kündigen damit einen schwachen Start in den Handelstag an.

Für den S&P 500 würde das einer Eröffnung von 1.833 Punkten entsprechen. Damit würden das Augusttief und das Tief vom vergangenen Freitag (1.857) erneut und noch deutlicher unterschritten.

Wohin kann der S&P 500 fallen?

Doch wie weit könnte der S&P 500 bei einer Fortsetzung der Abwärtsbewegung fallen?

Um diese Frage zu beantworten, hält die Charttechnik das Werkzeug Fibonacci-Retracements (Korrekturziele) bereit, das ich Ihnen am vergangenen Donnerstag in meinem Beitrag zum US-Biotechnologie-Index erneut vorgestellt hatte.

Aus einer Auf- oder Abwärtsbewegung werden die möglichen und wahrscheinlichen Korrekturziele anhand der auf Fibonacci zurückgehenden Proportionen ermittelt.

Um Ihnen zu demonstrieren, wie verblüffend präzise diese Korrekturziele sind, zeige ich Ihnen nachfolgend 4 Charts. In diesen Charts projiziere ich jeweils die aus den Ab- und Aufwärtstrends seit 2000 resultierenden Korrekturziele.

Abwärtstrend 2000 bis 2002

fibonacci-retracements 2000 bis 2002-20-01-2016

Fibonacci-Korrekturziele für den S&P 500 aus der Baisse 2000/2002

Sie sehen: Das Korrekturziel von 100% aus der Baisse von 2000 bis 2002 wurde um lediglich 24 Punkte überboten.

Aufwärtstrend 2002 bis 2007

fibonacci-retracements 2002 bis 2007-20-01-2016

Fibonacci-Korrekturziele für den S&P 500 aus der Hausse 2002/2007

In dem nachfolgenden Abwärtstrend wurde erneut das Korrekturziel von 100% anvisiert. Allerdings schoss der Index diesmal mit 102 Punkten recht deutlich über das Ziel hinaus.

Abwärtstrend 2007 bis 2009

fibonacci-retracements 2007 bis 2009-20-01-2016

Fibonacci-Korrekturziele für den S&P 500 aus der Baisse 2007/2009

2015 wurde das Korrekturziel von 161,8% angesteuert. Und nun halten Sie sich fest: Dieses Korrekturziel aus der Baisse von 2007 bis 2009 wurde um lediglich 4 Punkte verfehlt !!

Aufwärtstrend 2009 bis 2015

Kommen wir nun zum letzten und für Sie sicherlich spannendsten Chart. Diesmal messen wir anhand der Hausse von 2009 bis 2015 die möglichen Korrekturziele bei einer Fortsetzung des Abwärtstrends ab.

fibonacci-retracements 2009 bis 2015-20-01-2016

Fibonacci-Korrekturziele für den S&P 500 aus der Hausse 2009/2015

Auch wenn aus dem Aufwärtstrend von 2002 bis 2007 ein Korrekturziel von 100% anvisiert wurde, bedeutet dies keine Zwangsläufigkeit. Traditionell finden sich meist Korrekturziele im Bereich von 38,2% bis 61,8%.

Fazit

Wenn wir diesen Zielbereich einmal für den S&P 500 unterstellen, dann ergeben sich daraus Kursziele von 1.573, 1.400 und 1.227 Punkten.

Wenn Sie nun einmal den S&P 500-Verlauf auf diesen Niveaus während des Aufwärtstrends betrachten, erkennen Sie eine deutliche Tendenz, hier Unterstützungen oder Widerstände auszubilden (grüne Kreise). Oder der Index schloss mehrere Monate in Folge in der Nähe dieser Niveaus (die rechten Häkchen an den Balken).

Verblüffend, nicht wahr?

Wenn Sie mich fragen, welches dieser Korrekturziele am wahrscheinlichsten ist, dann würde ich mich für die Marken 1.400 und 1.227 entscheiden. Auf diesen Niveaus gibt es die meisten und annähernd gleich viele Andockpunkte.

20. Januar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Andreas Sommer. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt