S&P 500: (M)eine etwas andere Sicht auf den Bullenmarkt

Derzeit kursieren diverse Kommentare zum 8. Jahrestag des laufenden Bullenmarktes.

Die Verfasser beziehen sich dazu zumeist auf die Sichtweise, die sich als „ungeschriebener Standard“ durchgesetzt hat:

  • Ein Bullenmarkt endet, sobald das höchste Hoch im Aufwärtstrend um mindestens -20% unterboten wird.
  • Entsprechend endet ein Bärenmarkt, wenn ein Index vom letzten tiefsten Tief aus um mindestens +20% gestiegen ist.
  • Als Startpunkt für den Bullenmarkt wird dabei jeweils das tiefste Tief angenommen, das der vorherige Bärenmarkt generiert hat und umgekehrt.

Entsprechend nehmen die Verfasser, die derzeit an den 8. Jahrestag des Bullenmarktes erinnern, den 6. März 2009 als die Geburtsstunde an.

Den Beginn eines Bullenmarktes trifft nur der Glückspilz genau

Dagegen ist selbstverständlich nichts einzuwenden. Doch für Sie kann sich daraus ein „winziges“ Problem entwickeln:

Wenn Sie nur während eines Bullenmarktes in Aktien investiert sein wollen, dann müssen Sie erst einmal abwarten, bis das letzte tiefste Tief um +20% überboten wurde.

Und wenn der Aktienmarkt erst einmal um -20% gefallen ist, bevor Sie einen Bärenmarkt unterstellen können, dann haben Ihre Depotwerte meist schon sehr viel mehr an Wert eingebüßt.

Klar ist indes auch: Wenn Sie tatsächlich den Start eines Bullen- oder Bärenmarktes exakt treffen würden, hätten Sie schlichtweg nur unverschämtes Glück gehabt.

Anders ausgedrückt:

Ohne Reibungs-Verluste geht es nicht

Es braucht eben schon seine Zeit, um erkennen zu können, ob tatsächlich ein Trend-Wechsel vorliegt.

Für Ihren Einstieg in einen Bullenmarkt bedeutet dies, dass Sie zwangsläufig auf die Anfangs-Gewinne verzichten müssen, wenn Sie INVESTIEREN und nicht SPEKULIEREN wollen.

Ich wäre kein Charttechniker, wenn ich Ihnen nicht eine charttechnische Lösung für dieses Dilemma präsentieren könnte.

Auch meine Idee kommt an der geschilderten Problematik nicht vorbei – doch in aller Regel kommen die Signale frühzeitiger.

Die Lösung: Der Relative Stärke Index auf Monats-Basis

Wenn Sie schon etwas länger meine Chartanalyse-Trends-Beiträge lesen, dann kennen Sie meine Lösung auch schon:

Es ist der Relative Stärke Index (RSI) auf Monats-Basis. Den Monats-Chart wähle ich, weil hier die langfristigen Signale generiert werden.

Der RSI wiederum misst bekanntlich die Intensität eines Markt-Trends. Dabei oszilliert er zwischen den Grenzen 0 und 100%.

Die Interpretation des Urhebers, Welles Wilder Jr., sieht Kaufsignale vor, wenn der RSI über 50% steigt und Verkaufs-Signale, falls es darunter geht.

Oberhalb von 70% wird ein überkaufter, unter 30% ein überverkaufter Zustand angenommen.

Wenn Sie diese Interpretation für Ihre Investments übernehmen, dann erhalten Sie zum einen selbst in einem Monats-Chart noch sehr viele Signale, wie Sie gleich sehen werden.

Zum anderen können überkaufte / überverkaufte Zustände sehr lange anhalten und bergen so oft ein schlechtes Timing.

Der Relative Stärke Index als Signalgeber

Meine ganz persönliche Interpretation nutzt den Relative Stärke Index mittels Trend-Linien als Signalgeber. Für den S&P 500 sieht das dann so aus:

spx mit rsi_09-03-2017

S&P 500 mit RSI auf Monats-Basis: Der aktuelle Bullenmarkt ist X Monate al.

Immer dann, wenn ein Abwärtstrend nach oben durchbrochen wird, erhalten Sie ein Kaufsignal (vertikale grüne Balken).

Ein Verkaufs-Signal (vertikale rote Balken) wird generiert, sobald ein Aufwärtstrend nach unten verlassen wird.

Fazit und Empfehlung

Okay: Beim Bullenmarkt-Beginn im März 2009 hätten Sie mit dem RSI einen Index-Anstieg von +30% abwarten müssen.

Doch wer soll Sie daran hindern, in einem solchen Fall die +20%-Regel zum Einstieg heranzuziehen?

Das Gegen-Beispiel liefert Ihnen der Bullenmarkt, der im Jahr 1982 begann. Das Kaufsignal wurde im selben Monat generiert wie das Tief: Der Einstieg am 01.09.1982 wäre +17% über dem Tief erfolgt.

Und machen Sie sich nichts vor: Auch ohne diese nicht gemachten Anfangs-Gewinne verbleibt Ihnen stets noch RICHTIG viel Gewinnpotenzial!

Eigentlich noch wichtiger als der Einstieg:

Den historischen Börsen-Crash im Oktober 1987 hätten sie mit meiner Bärenmarkt-Interpretation beispielsweise komplett vermieden: Das Verkaufs-Signal kam im September.

Sie wären am 1. Handelstag im Oktober 1987 bei einem Index-Stand von knapp 322 ausgestiegen. Der S&P 500 fiel in den Wochen danach bis auf 216 Punkte (-33%)!

Als aufmerksamer Betrachter ist Ihnen natürlich auch noch etwas anderes aufgefallen: Bei meiner Interpretation startete der laufende Bullenmarkt nicht 2009, sondern erst im Juli 2016.

Der Bullenmarkt von 2009 endete danach bereits im Januar 2015. Wenn Sie sich nun einmal die durchschnittliche Dauer der Bullenmärkte im obigen Chart anschauen, dann wissen Sie jetzt:

Der aktuelle Bullenmarkt ist also – nach meiner Interpretation – nicht 9 Jahre, sondern erst 8 Monate alt und steckt sozusagen noch in seinen Kinderschuhen.

Er wird den S&P 500 somit in den nächsten Jahren noch in weit höhere Sphären katapultieren.

9. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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