S&P 500: Sahen wir gestern das Ende der Korrektur?

Kurse Laptop – shutterstock_532873330 phongphan

Die Wall Street hat gestern kräftig nach oben ausgeschlagen. Meine aktuelle charttechni-sche Einschätzung. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

An der Wall Street kam es gestern Abend zu einer kräftigen Erholung: Der S&P 500 sowie der Dow Jones verbesserten sich um jeweils +2,0%. Das US-Technologie-Barometer Nasdaq 100 schaffte sogar einen Tagesgewinn von +2,6%.

Ist damit das Ende der Abwärtsbewegung seit Anfang Mai eingeleitet? Darum rankt sich auch eine Leserfrage. Daher werde ich für Sie heute und am Donnerstag einen detaillierten Blick auf die aktuelle Charttechnik des S&P 500 werfen.

Denn: In meinem morgigen Beitrag werde ich Ihnen einen Weg aufzeigen, mit dem Sie selbst – und das nicht nur jetzt, sondern auch jederzeit in der Zukunft – nachvollziehen können, ob eine Trendwende nach oben an der Wall Street eingeleitet wird.

Und wir werden dann natürlich auch klären, ob meine Einschätzung, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten noch neue Allzeithochs bei den US-Indizes sehen werden, Bestand hat.

Die Leserfrage

Hier die Frage von Leser Stelios T: „Hallo Herr Sommer, die amerikanischen Börsen kannten seit Weihnachten nur den Weg nach oben und jegliche Anzeichen einer Überhitzung wurden von den Märkten ignoriert. Nun ist es umgekehrt und es geht jeden Tag nach unten ohne ‚durchzuatmen‘, nennenswerte Unterstützungen (Fibonacci  / Gleitende Durchschnitte) werden einfach gebrochen und positive Divergenzen zeigen aktuell (noch) keine Wirkung.

Glauben Sie, dass DER Boden (im Hinblick auf neue Allzeithochs) bald gefunden ist und gehen Sie weiterhin davon aus, dass die amerikanischen Börsen in den nächsten Wochen / Monaten neue Höchststände erreichen werden?“

Das Index-Verhalten an den Unterstützungen

Schauen wir zunächst einmal auf einen Chart, der sich mit dem ersten Teil der Leserfrage auseinandersetzt.

S&P 500: 200-Tagelinie und (Fibonacci-) Unterstützungen haben gehalten

Wie Sie hier sehen, ging es nicht ohne „durchzuatmen“  nur abwärts: Die nennenswerten Unterstützungen im S&P 500 bei 2.700 und 2.800 Punkten (pinkfarbene Horizontalen) haben jeweils die Abwärtsbewegung abgebremst (gelbe Kreise).

Das gilt zumindest auch für die 200-Tagelinie: Klar bewegte sich der US-Leitindex 2 Tage unter dieser langfristigen Trendlinie. Gestern jedoch hat er wieder klar über diesem Gleitenden Durchschnitt geschlossen.

Fibonacci-Retracements

Falls Sie mit diesem Begriff noch vertraut sind: Dabei handelt es sich um eine Technik, mit der Sie mögliche Kursziele abschätzen können.

Die Technik orientiert sich an der Zahlenfolge, die ein bedeutender Mathematiker des Mittelalters entwickelt hatte: Leonardo da Pisa, genannt Fibonacci.

Dazu werden anhand der Abmessung eines vorhergehenden Trends die möglichen Kursziele bestimmt: Typischerweise werden nämlich häufig 23,6%, 38,2%, 50%, 61,8% oder 76,4% des vorausgegangenen Trends (Auf- oder Abwärtstrend) korrigiert.

Wie Sie im Chart sehen, decken sich die genannten Unterstützungen bei 2.700 und 2.800 Punkten tatsächlich mit den Fibonacci-Retracements von 23,6% und 38,2%. Also auch diese Kursziele wurden in der Abwärtsbewegung der Wall Street exakt „abgearbeitet“.

Fazit

Die Abwärtsbewegung, die wir seit Anfang Mai an der Wall Street beobachten, war keineswegs ein Rutsch ohne „durchzuatmen“. Das zeigt Ihnen meine Chartanalyse.

Tatsächlich handelte es sich eher um einen „geordneten Rückzug“: Der S&P 500 bremste seine Abwärtsbewegung jeweils an wichtigen Unterstützungen (bei 2.700 und 2.800 Punkten) ab.

Diese decken sich – einmal mehr überraschend – mit den Fibonacci-Retracements von 23,6% und 38,2%. Obwohl ich mich inzwischen schon seit 32 Jahren intensiv mit dem Thema Charttechnik auseinandersetze, finde ich derartige Symmetrien immer wieder aufs Neue faszinierend!

Lassen Sie mich Ihnen auch noch sagen, was mir an der gestrigen Indexbewegung nicht gefallen hat:

Es war der Umsatz, der doch einigermaßen deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen 50 Handelstage blieb (blauer Kreis). Das verdeutlicht Ihnen nämlich, dass die Großinvestoren, zumindest gestern, (noch) nicht mit von der Partie waren.

Morgen zeige ich Ihnen eine Möglichkeit, wie Sie künftig das (mögliche) Ende einer Abwärtsbewegung an der Wall Street ganz einfach selbst erkennen können!

Wall Street – shutterstock_490246324 Kamira

Erhängt sich die Wall Street?Kerzencharts erlauben einen schnellen Überblick über das Marktgeschehen und erlauben erstaunliche Interpretationen. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Andreas Sommer. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz