S&P 500 und US-Anleiherendite: Sind die Sorgen begründet?

Hohe Anleiherenditen können Aktien gefährlich werden – sagt der Börsen-„Volksmund“. Ich habe das für Sie überprüft! (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Die Wall Street knickte Mitte vergangener Woche zunächst kräftig ein, konnte sich aber noch am selben Tag wieder gut erholen.

Als Grund für die heftigen Ausschläge wurde von den Marktkommentatoren die Entwicklung der Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen angegeben:

Die Rendite erreichte erstmals seit Dezember 2013 wieder die Marke von +3,0%. Die Sorge der Marktteilnehmer: Anleihen werden damit eine ernstzunehmende Konkurrenz für Aktien.

Wir analysieren – wie ich Ihnen das am vergangenen Donnerstag zugesagt hatte – ob diese Sorge berechtigt ist. Und ich werde Ihnen (am Mittwoch) zeigen, wovor sich die US-Aktienanleger tatsächlich fürchten sollten.

+3,0% jährliche Rendite für ein Investment über 10 Jahre: Ist das wirklich eine Konkurrenz zu Aktien?

In meinen Anfangsjahren als Börsenprofi, also in den 1980er-Jahren, galt eine Anleiherendite von +6,0% als die magische Grenze, ab der Investoren lieber auf die „sichere Seite“ wechseln. Warum?

Das Kursrisiko ist ein ständiger Begleiter von Aktien-Investments. Beim Kauf einer Anleihe können Sie hingegen davon ausgehen, dass Sie Jahr für Jahr Ihre Zinsausschüttung erhalten und am Ende der Laufzeit 100% des eingezahlten Nominalbetrages.

Das gilt natürlich nur dann, wenn der Schuldner, also der Emittent der Anleihe, diese Konditionen auch einhalten kann. Besitzer von Griechenland-Anleihen haben da vor gut 10 Jahren üble Erfahrungen machen müssen…

Können Anleihen Aktien tatsächlich gefährlich werden?

Prüfen wir also einmal, ob Anleihen tatsächlich den Aktien gefährlich werden können:

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S&P 500: +8,6% durchschnittlicher jährlicher Wertzuwachs seit 1975

Die Datenbank meiner Chart-Software für den S&P 500 reicht „nur“ 43 Jahre zurück. In diesem Zeitraum hat der US-Leitindex +3.361% zugelegt.

Das entspricht einem jährlichen Zuwachs von +8,6%. Die von mir genannte „magische Grenze“ von +6,0% begründete sich übrigens auf die Entwicklung von 1959 bis 1980:

In jenen Jahren pendelte der S&P 500 grob zwischen 50 und 100 Punkten. Selbst wenn wir diese „langweilige“ Phase auch noch einbeziehen, errechnet sich noch immer eine jährliche Rendite von knapp +7,0%.

Sie sehen: Aktien schlagen Anleihen auf lange Sicht immer. Die +3,0%-Rendite, die 10-jährige US-Staatsanleihen derzeit abwerfen, stellen langfristig absolut keine Konkurrenz für US-Aktien dar.

Fazit

In den vergangenen 43 Jahren haben US-Aktien dem Anleger eine jährliche Rendite von +8,6% beschert. Selbst wenn man die langweiligen 1960er- und 1970-Jahre inkludiert, verdienten Investoren, gemessen am S&P 500, knapp +7,0% per anno.

Eine Rendite von +3,0%, die 10-jährige US-Staatsanleihen derzeit abwerfen, sind daher absolut kein Grund zur Sorge: Aktien bleiben langfristig auch weiterhin die bessere Investment-Alternative!

Ich finde es wichtig, Ihnen diesen Zusammenhang einmal deutlich zu machen. Meine Analyse zeigt Ihnen wieder einmal, warum Sie Marktkommentare besser nicht lesen sollten.

Zumindest jedoch sollten Sie die von den Verfassern dort weitergegebenen Begründungen für Marktbewegungen nicht einfach ungeprüft akzeptieren. Nichtsdestotrotz:

Eine Gefahr könnte dem Aktienmarkt – mittelfristig – dennoch vom Anleihemarkt drohen. Doch das ist ein Thema, das wir im nächsten Beitrag am Mittwoch diskutieren werden.


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.