S&P 500: Was Sie in den kommenden Wochen erwarten dürfen

September und Oktober gelten als schwache Börsenmonate. Wir schauen einmal, ob das auch für 2018 gilt. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Es gibt eine Menge Börsenzitate, -Bonmots oder auch -weisheiten. Nicht alle sind nützlich. Aber einige von ihnen sind aufgrund der darin steckenden Ironie lehrreich.

Zu meinen Favoriten gehört ein Zitat des Buchautors Mark Twain. Berühmtheit erlangte Twain vor allem durch seine humorvoll und spannend zugleich geschriebenen Bücher über die „Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn“.

Einem seiner bekannten Zitate zufolge war Mark Twain offensichtlich auch ein begeisterter Börsianer:

„Der Oktober ist einer der besonders gefährlichen Monate, um mit Wertpapieren zu spekulieren. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Februar.“

Die Kalendermonate September und Oktober sind berüchtigt für ihre schlechte Performance. Den meisten Börsen-Veteranen fällt da beispielhaft gewiss auf Anhieb der Crash vom Oktober 1987 ein.

Mark Twain sagt uns also, dass Sie daraus keine ultimativ gültige Regel ableiten sollten. Und damit sind wir auch in dem Thema, das zu besprechen ich Ihnen gestern zugesagt hatte:

„Ich sehe daher keine Bullenfalle auf uns zukommen. Ganz im Gegenteil! Und das, obwohl uns die ‚statistisch‘ schwachen Kalendermonate September und Oktober ins Haus stehen.“

Saison auch an den Börsen?

Den Begriff „Saison“ finden Sie in zahlreichen Facetten des täglichen Lebens: Die Fußball-Bundesliga-Saison hat gerade am vergangenen Wochenende begonnen. Die Spargel-Saison ist bereits vorbei, die Urlaubs-Saison steht kurz vor ihrem Ende.

Auch an der Börse finden wir saisonale Schwankungen. Dazu einige Beispiele:

  • Die Urlaubszeit beeinflusst die Aktienmärkte weltweit, da vorübergehend weniger Marktteilnehmer aktiv sind.
  • Während einer Quartalsberichtssaison sorgen Aktiengesellschaften mit der Information über den Geschäftsverlauf im abgeschlossenen Jahresviertel regelmäßig für größere Kursveränderungen.
  • Die Quartals- und Jahresabschlüsse von Investmentfonds, Hedgefonds oder Vermögensverwaltungen sorgen, vor allem nach vorausgegangenen kräftigen Kursveränderungen, für Bewegung an den Aktienmärkten:

Um einen möglichst positiven Rechenschaftsbericht präsentieren zu können, werden die Fonds-Portfolios kurz vor Ablauf eines Jahresviertels „bereinigt“.

Sie sehen: Wie in unserem Alltag, existieren auch an den Börsen zahlreiche saisonale Einflüsse. Die daraus resultierenden Kursschwankungen lassen sich mittels eines Saisonal-Charts grafisch darstellen.

Meine Börsen-Software bietet die Möglichkeit, die addierten Durchschnitte der Kurse mehrerer Jahre grafisch aufzubereiten. So werden saisonale, also wiederkehrende, Kursmuster sichtbar.

Saisonal-Chart des S&P 500

Schauen wir uns das einmal im Saisonal-Chart für den S&P 500 an:

Dezember 2017: Die 3 größten Investments von Investor Leon CoopermanDas Wallstreet-Urgestein Leon Cooperman bleibt seinen Top-Positionen treu. In diesem Beitrag finden Sie eine aktuelle Aufstellung: › mehr lesen

Saisonal-Chart S&P 500: Bislang asynchroner Verlauf in 2018

Die blaue Verlaufskurve zeigt Ihnen den addierten Durchschnitt des S&P 500 seit 1975 (bis dahin reicht meine Datenbank zurück). Darin habe ich einmal für Sie größere sowie Zwischen-Kauf- und Verkaufssignale eingezeichnet, die sich aus den saisonalen Mustern ergeben.

Es ist gut zu erkennen: Tatsächlich neigt der S&P 500 vom 19. September an bis zum 26. Oktober eines Kalenderjahres zur Schwäche.

Dazwischen existieren diverse Kauf- und Verkaufssignale, die jedoch eine eher untergeordnete Rolle spielen.

S&P 500 und Saisonal-Chart in 2018 asynchron

Was Ihnen der Vergleich mit der S&P 500-Entwicklung seit Anfang 2017 allerdings auch verdeutlicht: Im vergangenen Jahr wich der Leitindex bereits vom saisonalen Schwäche-Muster im September / Oktober an.

Und seit Beginn des Börsenjahres 2018 laufen beide reichlich asynchron: Die Frühjahrs-Rallye, welche traditionell die höchsten Zuwächse des gesamten Kalenderjahres zeitigt, fiel diesmal komplett „ins Wasser“.

Im Mai ging es aufwärts, statt – wie vom Saisonal-Chart „vorgegeben“ – abwärts. Und auch die Entwicklung seit Ende Mai verläuft deutlich holpriger, als Sie das erwarten durften.

Fazit

Was bedeutet das nun für Sie?

Nun: Die saisonalen Kursmuster lassen eigentlich für die bevorstehenden Monate September und Oktober eine „durchwachsene“ Handelsphase erwarten.

Da sich der S&P 500 im bisherigen Jahresverlauf jedoch so gut wie gar nicht am Saisonal-Chart orientiert, sollten Sie auch für die beiden anstehenden Monate mit einer Abweichung rechnen dürfen:

Schließlich wurde die – saisonal – meist im Frühherbst stattfindende Korrektur in diesem Jahr bereits von Ende Januar bis Anfang Mai absolviert.

Ich blicke daher ausgesprochen optimistisch auf die kommenden Wochen. Zumal der S&P 500 gestern seine Rekordmarke erstmals deutlich ausgebaut hat!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.