Spannende Ausgangslage bei Wirecard

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

Nach dem Kursrutsch im Februar hat sich die Wirecard-Aktie wieder berappelt. Der DAX-Titel befindet sich in einer spannenden Ausgangslage. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

Seit genau einem Jahr ist Wirecard jetzt im DAX vertreten. Als erster TecDAX-Wert schaffte die Aktie den Aufstieg in die erste Börsenliga. Auch dank der fantastischen Kursentwicklung zählt der DAX-Neuling zu den beliebtesten heimischen Aktien. Vielleicht sind Sie ja auch investiert.

Nach dem DAX-Aufstieg ging es mit dem Aktienkurs jedoch massiv bergab. Inzwischen stellt sich die Lage wieder deutlich freundlicher dar. Mittelfristig könnte die Wirecard-Aktie wieder ihre Höchststände anvisieren.

Anlegervertrauen kehrt zurück

Anfang September 2018, also kurz vor der Aufnahme in den DAX, hatte die Aktie des Bezahldienstleisters bei 199 Euro ihr Rekordhoch erreicht. In der Folge sorgten jedoch Vorwürfe der Bilanzfälschung und eine Attacke britischer Short-Seller für einen massiven Kursrutsch. Bis Anfang Februar brach der Kurs zeitweise um mehr als die Hälfte bis auf ein Tief bei 86 Euro ein.

Die Vorwürfe von Betrug und Bilanzfälschung sind größtenteils vom Tisch, wenn auch noch nicht endgültig. In Asien laufen nach wie vor Ermittlungen gegen das Unternehmen. An der Börse ist dieses Thema zuletzt jedoch immer weiter in den Hintergrund gerückt. Das Vertrauen der Anleger kehrt nach und nach zurück.

Jahresprognose angehoben

Denn zuletzt glänzte das Unternehmen aus Aschheim bei München immer wieder mit positiven Nachrichten. Im ersten Halbjahr steigerte Wirecard den Umsatz um 37% auf 1,21 Mrd. Euro. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verbesserte sich um 36% auf 342,1 Mio. Euro.

Bei der Zahlenvorlage hob das Management bereits zum zweiten Mal seine Jahresprognose an. Für das laufende Jahr rechnet Wirecard beim operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) mit einem Zuwachs von bis zu 45% auf 765 bis 815 Mio. Euro.

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Aussichtsreiche Kooperationen

Wirecard wächst also weiter kräftig. Damit das auch künftig so bleibt, ist das Unternehmen verschiedene Kooperationen eingegangen. Erst heute kam die Meldung, dass die Partnerschaft mit Softbank in trockenen Tüchern ist. Im Rahmen der Zusammenarbeit beteiligt sich der japanische Technologiekonzern über den Weg einer Wandelschuldverschreibung mit 5,6% an Wirecard.

Eine spannende Partnerschaft ist auch der Deal mit Union Pay. Vermutlich werden Sie den chinesischen Kreditkarten-Anbieter nicht kennen. Der Konzern spielt inzwischen aber in einer Liga mit Visa und Mastercard. Weltweit sind rund 7,6 Mrd. Karten von Union Pay im Umlauf. Für Wirecard ist die Kooperation ein interessanter Deal, mit dem das Wachstum in China vorangetrieben werden kann.

Langfristiger Aufwärtstrend vor der Fortsetzung

Die Perspektiven bleiben also gut. Vor dem Hintergrund, dass nach wie vor erst ein relativ kleiner Teil der weltweiten Zahlungen online abgewickelt wird, spricht alles für eine Fortsetzung des rasanten Wachstums bei Wirecard.

Und auch die Charttechnik stellt sich mittlerweile wieder deutlich positiver dar. Seit Juni hat sich der Kurs oberhalb der 200-Tage-Linie etabliert, die in der Folge zweimal bestätigt wurde. Zuletzt gelang auch noch der Ausbruch über die mittelfristige, vom Allzeithoch ausgehende Abwärtstrendlinie.

Damit stehen die Chancen gut, dass die Wirecard-Aktie auf mittlere Sicht wieder die runde 200-Euro-Marke anvisieren kann. Angesichts immer wieder hoher Kursausschläge sollten Sie jedoch nur dann investieren, wenn Sie über ein stabiles Nervenkostüm verfügen.


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Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.