Spannende Börsenwoche: US-Zinsentscheid und Hexensabbat

Der deutsche Leitindex DAX ist nach einem starken Zwischenspurt in der Vorwoche heute etwas schwächer in die neue Handelswoche gestartet.

Am Ende musste der DAX einen kleinen Abschlag von 0,12% auf 11.190 Punkte hinnehmen.

Die Vorsicht der Investoren ist verständlich, denn in dieser Woche stehen gleich 2 wichtige Ereignisse an, die die Börsen bewegen werden:

zum einen der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed am Mittwoch und zum anderen der sogenannte 3-fache Hexensabbat am Freitag.

Ich rechne damit, dass die Fed die Zinsen in den USA nach der 1. Anhebung im Dezember des vergangenen Jahres in dieser Woche ein weiteres Mal anheben wird.

Am wahrscheinlichsten ist eine leichte Erhöhung von der bisherigen Spanne zwischen 0,25 und 0,5% auf eine neue Spanne zwischen 0,5 und 0,75%.

Einige Marktbeobachter rechnen zwar mit einer Anhebung auf 0,75 – 1,0% (also mit einem Anstieg um 0,5%), doch das halte ich für eher unwahrscheinlich.

Kommt es zu dem erwarteten Anstieg um 0,25%, so bliebe der Leitzins in den USA noch immer bei unter 1%. Damit würden Aktien nicht unattraktiver und Zinspapiere nicht sonderlich attraktiver werden.

Fazit: Am positiven Umfeld für Aktien ändert sich in diesem Szenario also nichts!

Das ist der sogenannte dreifache Hexensabbat

Kommen wir jetzt zum nächsten Ereignis, das die Börsen in dieser Woche bewegen wird: dem sogenannten 3-fachen Hexensabbat.

Der dreifache Hexensabbat ist auch als großer Verfallstag bekannt, denn an diesem Tag verfallen weltweit 3 gleiche Arten von Anlagen:

  1. die Optionen auf Einzelaktien,
  2. die Optionen auf Indizes
  3. und die Terminkontrakte auf Indizes.

An diesen Tagen geht es an der Börse traditionell etwas hektischer zu.

Der große Verfallstag ist jeweils am 3. Freitag im März, Juni, September und Dezember.

Der Hexensabbat ist der Tag der Abrechnung. Denn: Viele Fonds, Hedgefonds und Investmentbanken sind in Terminkontrakten investiert, die am Freitag um 12 Uhr abgerechnet werden.

Im Vorfeld wird daher versucht, die Basisindizes (DAX, Dow Jones) durch Käufe und Verkäufe in die gewünschte Richtung zu schicken.

Wenn sich sehr viele große Investoren oberhalb einer gewissen Verfallsmarke positioniert haben, dann kann der Markt auch ohne fundamentale Nachrichten oder charttechnische Signale durchstarten (oder umgekehrt).

Am Hexensabbat entscheidet sich für viele große Marktteilnehmer, ob sie mit ihren Investition in Derivate einen Gewinn oder einen Verlust machen.

Vereinfacht ausgedrückt, handelt es sich bei den Investitionen um Wetten auf bestimmte Kurse. Die beteiligten Marktteilnehmer versuchen nun, die Kurse in die gewünschte Position zu bringen, damit die eingegangene Wette aufgeht.

Ein Beispiel:

Mit einer Option wird das Recht erstanden, eine Aktie zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen. Liegt der Kurs der Aktie mittlerweile über dem festgelegten Basispreis, macht man als Besitzer der Option einen Gewinn.

Der Verkäufer hingegen macht ein schlechtes Geschäft, weil er die Aktie nicht zu dem inzwischen höheren Preis an der Börse verkaufen kann.

Da also die Interessen der verschiedenen Marktteilnehmer sehr unterschiedlich sind, versuchen diese, die Kurse in die jeweils gewünschte Position zu bringen.

Während der Verkäufer aus dem genannten Beispiel versucht, den Kurs durch Verkäufe unter den Basispreis zu drücken, versucht der Käufer der Option, das Gegenteil zu erreichen.

Auf diese Weise kann es innerhalb kürzester Zeit zu einem sehr großen Handelsvolumen mit heftigen Kursschwankungen kommen.

Das bedeutet der Hexensabbat für Sie als Privatanleger

I. d. R. können Kleinanleger keinen nennenswerten Einfluss auf die Geschehnisse am Hexensabbat nehmen. Die großen und bestimmenden Akteure sind beispielsweise Banken, Versicherungen und Fondsmanager.

Für gewöhnlich haben die am Hexensabbat oftmals zu beobachtenden heftigen Kursschwankungen keinen nachhaltigen Einfluss auf die Kursentwicklung.

Innerhalb kurzer Zeit ist der Spuk vorbei und die Kurse pendeln sich zumeist wieder auf dem vorherigen Niveau ein. Sie können sich also beruhigt zurücklehnen und das Schauspiel betrachten.

12. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Rolf Morrien. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt