Sparer lieben Schulden und laufen ins offene Messer

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Die deutschen Sparer setzen zu stark auf Schulden (Anleihen) und Zahlungsversprechen des Staates. Sachwerte sollten höher gewichtet werden. (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Heute hat in Stuttgart die Invest 2012, die größte Anlegermesse in Deutschland, eröffnet.

Direkt zu Beginn gab es einen Stimmungsdämpfer.

Die Meldung des Tages wurde bereits am Donnerstag nach Börsenschluss verkündet. Die Rating-Agentur S&P senkte die Kredit-Note für spanische Staatsanleihen gleich um 2 Stufen von A auf BBB+.

Es kommt für Spanien aber noch schlechter: Auch der Ausblick wurde auf „negativ“ gestellt. Die nächste Herabstufung dürfte damit nur noch eine Frage der Zeit sein.

Schock schnell verdaut

Der DAX hat die Spanien-Meldung in den ersten Handelsstunden gut verdaut und auch die Stimmung auf der Invest besserte sich schnell wieder. Die Börsianer haben sich langsam an die Schuldenkrise gewöhnt.

Die Krise hat sogar positive Auswirkungen: Wir kümmern uns wieder verstärkt um unser Geld.

Eine neue Studie zeigt, dass Deutschland wieder mehr als 4 Millionen Aktien-Besitzer hat. Das ist die höchste Quote seit 5 Jahren. Der Schock nach der Lehman-Pleite wurde gut verdaut.

Stimmung gegen Aktien-Besitz

Wenn gut 4 Millionen Deutsche Aktien besitzen, heißt das auch: Weit über 90% der Deutschen besitzen keine Aktien. Das ist ein ungewöhnlich hoher Wert. Selbst in Skandinavien ist Aktien-Besitz viel weiter verbreitet.

In Deutschland konnte sich dagegen die Spar- und Investitions-Form Aktie nie richtig durchsetzen.

Zum einen haben die gewaltigen Kursschwankungen die Interessenten verschreckt (wobei auch die Aktionäre im Ausland mit diesen Schwankungen leben müssen), zum anderen wurde die Anlageform Aktie in Deutschland systematisch schlecht geredet.

Banken und Versicherungen haben keinerlei Interesse daran, dass Sie Ihr Geld in Aktien investieren. Daran verdienen die Finanzinstitute fast nichts. Die geringen Order-Gebühren und Depot-Kosten machen nur einige Broker-Banken glücklich, aber nicht die großen Banken und Versicherungen.

Die Finanzindustrie in Deutschland hat es geschafft, dass wir die teuersten Anlageformen lieben. So besitzt zum Beispiel jeder Bundesbürger über 18 im Durchschnitt 2 Lebensversicherungen.

Lebensversicherungen bieten den Vermittlern und Versicherungen traumhafte Renditen. Der Besitzer der Lebensversicherung muss dagegen seit Jahren mit Rendite-Kürzungen leben. Das Verhältnis zwischen Chance und Risiko passt hier einfach nicht mehr.

Staat liebt konservative Sparer

Aber nicht nur die Finanzindustrie, auch der Staat liebt konservative Sparer, die die Börse meiden. Dadurch steigt die Nachfrage nach schwankungsarmen deutschen Staatsanleihen.

Wir leben in einer staatlichen Schuldenkrise und haben erst vor wenigen Wochen einen Schuldenschnitt in Griechenland erlebt, doch wer dem deutschen Staat für 3 Jahre Geld zur Verfügung stellt, erhält nicht einmal 0,3% Rendite.

Und wer von uns kann wissen, wie die deutschen Staatsfinanzen in 3 Jahren aussehen und ob es den Euro dann noch gibt? Auch hier gilt: Risiko und Rendite-Chance passen nicht mehr.

Bis zu 100% der Altersvorsorge von Zahlungsversprechen abhängig

Die konsequente Entmündigung der Bürger führt dazu, dass viele Bürger bei der Altersvorsorge fast zu 100% auf Zahlungsversprechen des Staates setzen.

Die gesetzliche Rente ist ein zukünftiges Zahlungsversprechen des Staates. Die Lebensversicherungen haben in Deutschland durchschnittlich Anleihen (= Schulden) mit über 90% gewichtet.

Das heißt: Sollte der Staat irgendwann die Zahlungsversprechen nicht mehr erfüllen können, bricht über Nacht die gesamte Altersvorsorge zusammen. Die an sich konservativen Sparer setzen alles auf eine Karte. Das ist nicht konservativ, das ist Zockerei.

Sachwerte höher gewichten

Was in den Depots der Deutschen fehlt, sind fast immer Sachwerte. Eine schuldenfreie Immobilie (Haus oder Wohnung), etwas Gold und Silber als Notreserve und auch ein paar dividendenstarke Aktien als Beimischung.

Das sind reale Werte, die nicht von Zahlungsversprechen abhängig sind. Wenn eine Anlageklasse unter Druck gerät, kann eine andere Anlageklasse das ausgleichen.

Wenn es zu einer Währungsreform kommt, bieten Ihnen Sachwerte zusätzlich die Chance, Ihr Vermögen in die neue Geldepoche zu retten.

Es geht hier nicht darum, alle Lebensversicherungen sofort zu kündigen und jeden Cent in Aktien zu investieren. Dafür sind Aktien viel zu schwankungsstark.

Denken Sie aber darüber nach, wie Ihr persönlicher Vermögens- und Altersvorsorge-Mix aussieht. Wenn auch Sie bisher fast ausschließlich auf Zahlungsversprechen gesetzt haben, bietet die Anlegermesse Invest in Stuttgart noch bis Sonntag die Möglichkeit, andere Anlageformen unter die Lupe zu nehmen.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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