Spark Therapeutics: Warum Roche noch lange nicht am Ziel ist

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Spark Therapeutics: Übernahmekrimi geht in die nächste Runde. Pharmagigant Roche verlängert abermals die Angebotsfrist. Spark Therapeutics-Anleger stemmen sich gegen den Deal. (Foto: Jonathan Weiss / Shutterstock.com)

Eigentlich sollte es ein schneller Deal werden. Im Februar legte der Schweizer Pharmagigant eine Offerte für Spark Therapeutics, einen Spezialisten für Gentherapien, auf den Tisch. Ursprünglich sollte die Transaktion bereits im April über die Bühne gegangen sein, doch seither zieht sich die Übernahme wie ein Kaugummi in die Länge.

Inzwischen hat Roche die Annahmefrist für das Angebot zum vierten Mal verlängert. Jetzt können Anleger ihre Spark-Papiere noch bis zum 3. September andienen.

Auch wenn sich Übernahmeprozesse gerne mal in die Länge ziehen, die Entwicklung bei Sparks Therapeutics ist doch eher ungewöhnlich. Das scheinen sich auch die Aktionäre zu denken. Der offerierte Übernahmepreis liegt bei 114,50 Dollar je Aktie. Auf Grund der Unsicherheit haben sich die Papiere zuletzt aber sukzessive abwärts bewegt und liegen aktuell mit 100 Dollar mittlerweile deutlich unter dem Angebotspreis.

Roche noch weit von der Mehrheit entfernt

Die restlichen Konditionen der Übernahme bleiben, abgesehen von der Annahmefrist, übrigens unverändert. Im Rahmen des Deals wird Spark Therapeutics mit 4,3 Milliarden Dollar bewertet. Dabei ist die Bewertung ausgesprochen sportlich. Immerhin kam der noch kleine Spezialist für Gentherapien zuletzt gerade einmal auf einen Jahresumsatz von 65 Millionen Dollar. Zugleich operiert der US-Konzern weiterhin tief in der Verlustzone (2018: -78,8 Millionen Dollar).

Trotz des ambitionierten Kaufpreises zeigen sich die Aktionäre von Spark wenig begeistert. Zum jetzigen Zeitpunkt haben erst 25,2% ihre Aktien angedient. Das ist zwar über dem Wert vom Juni (21,1%), liegt aber immer noch unter dem Wert (29,4%) vom 02. April, einen Tag bevor die Angebotsfrist zum ersten Mal verlängert wurde.

Spark – der Spezialist für Gentherapien

Das Forschungsgebiet, auf dem Spark unterwegs ist, gilt zwar als aussichtsreich, ist aber noch relativ jung. Spark wurde 2013 aus der Gentherapie-Forschung am Kinderkrankenhaus von Philadelphia ausgegründet und gilt als Pionier in der Gentherapie für genetisch bedingte Erkrankungen. Im Rahmen der Anwendung sollen kranke gegen gesunde Gene ausgetauscht werden.

Das Unternehmen arbeitet nicht nur an neuen Medikamenten gegen Hämophilie (Bluterkrankheit), sondern auch an Therapien für eine genetische Erkrankung des Gehirns (Huntington) und für eine schwere Erkrankung des Nervensystems (“Batten”-Krankheit). Sollte sich Spark mit seinen Forschungen durchsetzen, könnten Roche milliardenschwere Erlöse winken.

Warum der Deal sich in die Länge zieht

Die Kommunikation von Roche bezüglich der Angebotsverlängerung ist ausgesprochen dürftig. Offenbar sollen die Wettbewerbshüter in den USA und Großbritannien mehr Zeit zur Prüfung des Kaufs eingeräumt bekommen. Hinter vorgehaltener Hand wird vermutet, dass die Verzögerung mit wettbewerbsrechtlichen Bedenken in Bezug auf Roches Blockbuster Hemlibra, einem Medikament gegen eine Blutgerinnungsstörung, und einer bei Spark in Entwicklung befindlicher Gentherapie für die Krankheit, zusammenhängt.

Spark Therapeutics-Anleger treten Klagewelle los

Zugleich gibt es auch von Anteilseignern von Spark Therapeutics kräftigen Gegenwind. Sie überdecken den amerikanischen Spezialisten für Gentherapien mit Klagen. Im Zentrum steht dabei der Vorwurf, das Unternehmen habe im Empfehlungsschreiben an die Aktionäre unvollständige oder irreführende Angaben zum ihm vorliegenden Angebot gemacht.

Fazit: Die Spark Therapeutics-Story bleibt ein spannender Übernahmekrimi. Dem Aktienkurs zufolge haben sich einige Übernahmespekulanten bereits aus der Aktie wieder verabschiedet. Auf Grund der dürftigen Unternehmenskommunikation hinsichtlich der ungewöhnlich langen Verzögerung tappen die Anleger im Dunklen und sind mit einer hohen Unsicherheit konfrontiert. Ob der Deal am Ende wirklich über die Bühne geht, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.