Sparmaßnahmen bei Fluggesellschaften zahlen sich aus

In diesem Jahr könnten erstmals mehr als 3 Mrd Menschen fliegen und mehr als 52 Mio Tonnen Fracht befördert werden. Entsprechend optimistisch ist der Branchenverband IATA. 2013 dürften die Fluggesellschaften insgesamt 12,7 Mrd $ verdienen.

Das sind 67% mehr als im vergangenen Jahr. Bei einem geschätzten Umsatz von 711 Mrd $ errechnet sich aber nur eine Rendite von 1,8%. Der Branche könnte es wesentlich besser gehen, gäbe es keine Sonderbelastungen wie Klimaschutzabgaben, Luftverkehrssteuern und andere staatliche Reglementierungen wie Nachtflugverbote.

Ein Ärgernis sind andererseits die vielen Zusatzgebühren, die die Fluggesellschaften verlangen. Auf Unverständnis bei den Kunden stoßen vor allem die Treibstoffzuschläge, zumal der Kerosinpreis selbst in den letzten 5 Jahren nicht gestiegen ist. Aus Sicht der Kritiker werden damit nicht die tatsächlichen Mehrkosten auf die Passagiere abgewälzt. Bei den Aufschlägen handele es sich vielmehr um versteckte Preiserhöhungen.

Weitere Sparmaßnahmen notwendig

Trotz insgesamt verbesserter Aussichten machen der Siegeszug der Billigflieger und staatlich subventionierter Konkurrenten aus dem Nahen Osten den europäischen Fluggesellschaften das Leben schwer.

Bisher mussten sich IAG, Lufthansa und Air France-KLM nur innerhalb Europas mit Wettbewerbern wie easyJet und Ryanair auseinandersetzen. Doch jetzt machen ihnen Emirates, Etihad oder Turkish Airlines auch im außereuropäischen Geschäft Marktanteile streitig.

Für die Airlines aus dem Nahen Osten sprechen ihre jüngere und modernere Flotte, niedrigere Personalkosten an den Heimatflughäfen sowie der Zugang zu billigem Treibstoff. Das lukrative Langstreckengeschäft, das jahrelang die Verluste auf der europäischen Kurzstrecke mehr als ausgleichen konnte, droht als Ergebnistreiber wegzufallen.

Lufthansa und Co. müssen daher weiter an der Kostenschraube drehen. Mit sparsameren Flugzeugen, der Auslagerung des Europageschäfts auf die Tochtergesellschaft Germanwings und dem Abbau von 3.500 Arbeitsplätzen will Lufthansa sein operatives Ergebnis bis 2015 auf 2,3 Mrd € erhöhen.

Der IAG mit ihren Töchtern British Airways und Iberia geht es nicht anders. Besonders die Restrukturierung der defizitären Iberia drückt noch auf das Ergebnis. Gelingt es den Europäern nicht, auf der Langstrecke gutes Geld zu verdienen, sind Fusionen unausweichlich, um der Insolvenz zu entgehen.

easyJet hebt ab

Aber auch innerhalb Europas gewinnt der Wettbewerb an Schärfe. Während Ryanair nach wie vor auf die Rucksacktouristen setzt, hat easyJet kostenbewusste Geschäftsreisende im Auge. Dass eaysJet mit der neuen Strategie auf dem richtigen Weg ist, belegen die jüngsten guten Zahlen.

Ryanair musste hingegen eine Gewinnwarnung abgeben. Ryanair wird sowieso seine Kostenvorteile verlieren, wenn die Kommunen ihre unrentablen Provinzflughäfen nicht mehr unterstützen können.

Im Übrigen wird der Platzhirsch im Billigsegment immer mehr von einem Newcomer aus dem Norden bedrängt: Norwegian wächst seit dem Börsengang vor 10 Jahren rasant und ist hoch profitabel. Die Passagierzahlen steigen im Schnitt um 20% pro Jahr. Dabei beschränken sich die Expansionsbestrebungen der Norweger nicht nur auf die Flughäfen Nordeuropas. Norwegian will auch immer mehr Ziele in Mittel- und Südeuropa ansteuern.

Ganz übel sieht die Lage dagegen bei Air Berlin aus. Bei den hohen Verlusten ist es ein Wunder, dass es die Airline überhaupt noch gibt. Wir sind gespannt, wann Partner Etihad die finanzielle Unterstützung stoppt.

18. Oktober 2013

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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