Sparmaßnahmen der Ölkonzerne greifen

Nachdem die Ölkonzerne Stellen abgebaut, Beteiligungen verkauft und Investitionen gekürzt haben, steigt der Cashflow wieder kräftig. (Foto: William Potter / shutterstock.com)

Die Halbjahres-Zahlen haben gezeigt: Die Sparmaßnahmen wirken – die Ölkonzerne haben Stellen abgebaut, Beteiligungen verkauft und Investitionen gekürzt.

Öl-Branche wirtschaftet wieder profitabel – Euphorie ist aber nicht angebracht

Hinzu kam der gestiegene Ölpreis. Die Branche verdient wieder richtig Geld, und zwar sowohl im Upstream- als auch im Downstream-Geschäft.

In beiden Bereichen arbeiten die Konzerne jetzt deutlich effizienter. Dennoch warnen Branchen-Experten vor zu viel Euphorie.

Immerhin pendelt der Ölpreis seit Monaten um die Marke von 50 $ pro Barrel – trotz robuster Weltkonjunktur. Von einem nachhaltigen Anstieg kann daher keine Rede sein.

Die Ölkonzerne werden weiter sparen müssen, um auch noch bei Preisen von 30 $ pro Barrel schwarze Zahlen schreiben zu können, denn das Umfeld bleibt schwierig:

Strengere Umwelt-Vorschriften, erneuerbare Energien und der Siegeszug der Elektromobilität können die Branche mittel- bis langfristig unter Druck setzen.

Und auch die OPEC ist ein Unsicherheitsfaktor.

Die Macht der OPEC schwindet

Die OPEC und einige Nicht-OPEC-Länder wie Russland hatten schon im November 2016 beschlossen, den Ölpreis durch Förder-Beschränkungen zu stabilisieren.

Im Mai wurde die Laufzeit des Beschlusses bis Ende März 2018 verlängert.

Eine weitere Verlängerung erscheint unwahrscheinlich, denn viele OPEC-Länder sind auf Öleinnahmen angewiesen, um ihre Haushalte zu sanieren.

Schon jetzt halten sich nicht alle strikt an die Beschlüsse. Einige Länder fördern sogar mehr als vor der Einigung. Sanktionen gegen die Abtrünnigen sind aber kaum durchzusetzen.

Denn wer die OPEC verlässt oder ausgeschlossen wird, wird die Förderung wieder hochfahren und damit für Preisdruck sorgen.

Fällt die OPEC auseinander, sind schnell wieder Ölpreise von unter 40 $ pro Barrel denkbar.

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Selbst wenn sich alle OPEC-Mitglieder an die Förderquoten halten, würde das nur der US-Schieferöl-Industrie in die Karten spielen, die dann bei steigenden Preisen noch mehr Öl fördern würde.

Schon jetzt pumpen die US-Konzerne so viel Öl in den Markt, dass das Angebot die Nachfrage übersteigt – und das mit Gewinn.

nd weil die US-Regierung die Umwelt-Auflagen aufweicht, werden die Produktions-Kosten weiter sinken und die Fördermengen steigen.

Erst bei Preisen unter 40 $ pro Barrel würde sich Fracking nicht mehr lohnen.

Für Öl-Aktien spricht derzeit nur die Dividendenrendite

Trotz hoher Umsatz- und Gewinn-Steigerungen kommen die Aktien der Ölkonzerne kaum vom Fleck und notieren z. T. tiefer als vor 6 Monaten.

Noch gibt es keine Argumente für einen Ölpreis-Anstieg Richtung 100 $ pro Barrel.

Allenfalls massive Produktions-Ausfälle aufgrund von Bürgerkriegen, z. B. in Venezuela, könnten den Ölpreis kurzfristig in die Höhe treiben.

Auch die Verantwortlichen einiger Ölkonzerne sind skeptisch; so kalkulieren BP und Royal Dutch Shell langfristig mit Preisen zwischen 45 und 55 $ pro Barrel.

Auf jeden Fall erwirtschaften die Konzerne wieder genügend Cashflow, um nicht nur die Investitionen, sondern auch die Dividenden ohne Neuverschuldung finanzieren zu können.

Statt einer Bardividende können Aktionäre von BP, Royal Dutch Shell, Total (6410) und Statoil (6416) auch neue Aktien wählen.

Das schont zwar die Bilanzen, hat aber den Nebeneffekt, dass sich die Aktienzahl erhöht, was wiederum zu einer Gewinn-Verwässerung führt.

Zudem muss die Dividende auf mehr Aktien verteilt werden.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.