Spekulation auf Lebensmittel, nein danke

An der Börse herrscht der pure Kapitalismus. Das ist keine Kritik und kein Lob, sondern eine nüchterne Tatsache. Anders würde Börse auch nicht funktionieren. Leider herrscht dort auch oft rücksichtloser Kapitalismus. Und hier sagt Börsen-Profi Rainer Heißmann: „Nein danke, ich will auch morgen noch in den Spiegel schauen können, ohne mich schämen zu müssen.“ (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Jim Rogers ist eine lebende US-Börsenlegende und Vorsitzender seiner Investmentgesellschaft Rogers Holdings. Er hat sich seinen „guten“ Ruf vor allem durch erfolgreiche Spekulationen auf Rohstoffe gemacht. Kürzlich schrieb mir ein Leser, ob ich auch Optionen auf Reis empfehlen könne. Der Grund: Jim Rogers sagte kürzlich bei seinem Vortrag in Chicago, das Nahrungsmittel Reis sei für ihn derzeit interessanter als Gold. Er würde lieber Reis besitzen.

Auch im Börsengeschäft: Es gibt Grenzen

„Nein danke“, sage ich da, und widerspreche Jim Rogers. Ich möchte keinen Reis zu Spekulationszwecken besitzen, sondern Reis als wertvolles Lebensmittel schätzen, das für alle Menschen verfügbar sein sollte. Es gibt Grenzen. Und meine Grenze ziehe ich da, wo der „reine Kapitalismus“ der Börsen in einen rücksichtlosen übergeht.

Roger sieht Gewinn-Chancen – ich sehe Menschen mit Hunger

Rogers führte weiter aus, dass er großes Potenzial für einen Wertzuwachs im Reis sehe, weil der Reispreis im vergangenen Jahr nur moderat gestiegen sei.

Ich bin in den Kriegsjahren mit Hilfstransporten im ehemaligen Jugoslawien gewesen und habe Hunger gesehen. Ich bin vor Jahren durch die Elendsviertel in Manila gegangen und habe jämmerliches Elend gesehen. Abends hatte ich dann ein schlechtes Gewissen, weil ich wieder satt und gut zu essen hatte. In welcher abgehobenen Welt leben Rogers und Co eigentlich?

Weizen und Reis sind zum Essen da

Jim Rogers mit seinem Hedgefonds und andere Hedgefonds heizen die Preise auf Nahrungsmittel auch jetzt, Anfang 2011, weiter an. Weltbank-Direktorin Ngozi Onkonjo-Iweala sagte gestern in Davos, wo Spekulationen auf Nahrungsmittel auch Thema war: „Wir werden keine billigen Nahrungsmittel mehr sehen, denn wir haben es mit einem langfristigen Phänomen zu tun.“ Meine dort nicht gehörte Gegenfrage: „Warum, um alles in der Welt, macht ihr dann da nichts gegen. Dort in, Davos, sitzen doch alle, die das beenden könnten, wenn, – ja wenn ihr das denn wolltet!“

Meine schlichte Forderung: Jedwede Spekulation auf Nahrungsmittel unter Androhung hoher Strafen verbieten. Aber nein, stattdessen gibt es so wohlklingende Zertifikate, wie das „Open-End Zertifikat auf Weizen CBOT“ hier z.B. als Emittent die HypoVereinsbank/UniCredit und die Verlockung: „Mit diesem Tracker Zertifikat können sie an der Entwicklung von Weizen CBOT partizipieren.“ Wie an anderer Stelle geschrieben: Geld stinkt (manchmal) doch! Und dort, in Davos, sitzen viele von denen, die Millionen haben und den Hals nicht voll kriegen. Nein, die werden solche Spekulationen nicht unter Strafe stellen.

Optionen-Profi: Spekulation ja – aber es gibt Grenzen

Bei meinen Empfehlungen im Optionen-Profi werden Sie keine finden, die derart dramatische Folgen haben, dass hier die Menschen Gewinne feiern und dazu führen, dass sie dort hungern. Vielleicht können wir alle doch etwas tun: Wenn jeder einzelne die Unternehmen, Banken; Börsendienste und Empfehlungen meidet, die „rücksichtslose Empfehlungen“ aussprechen, dann kann die Macht der Verbraucher vielleicht Einfluss nehmen.

Zum guten Schluss: Heute vor 143 Jahren, also am 28.01.1868, schied Adalbert Stifter, der österreichische Schriftsteller, Maler und Pädagoge, freiwillig aus dem Leben. Den ach so Reichen und Mächtigen in Davos rufe ich seine Worte zu:

„Reichtum, Ansehen, Macht, alles ist unbedeutend und nichtig gegen die Größe des Herzens. Das Herz allein ist das einzige Kleinod auf der Welt.“

So schön unsere Börsengewinne auch sind, ich wünsche Ihnen, dass Sie das „einzige Kleinod auf der Welt“ hoch ehren.

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Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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