Spielzeughersteller Hasbro will TV-Serienproduzenten Entertainment One übernehmen

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Die Übernahme von Unternehmen, die in britischen Pfund gehandelt werden, nimmt immer mehr zu. So will der US-Spielwarenproduzent Hasbro den an der Londoner Börse gehandelten kanadischen Zeichentrick-Produzenten Entertainment One für satte 3,3 Mrd. GBP übernehmen. (Foto: chrisdorney / shutterstock.com)

Der US-Spielzeugproduzent Hasbro Inc will den kanadischen Kinder-TV-Produzenten Entertainment One Ltd (eOne) übernehmen. Beide Unternehmen haben bereits eine Übernahmevereinbarung unterzeichnet, in der eOne mit rund 3,3 Mrd. GBP (4 Mrd. US-Dollar) bewertet wird. Ob damit allerdings das letzte Wort gesprochen ist, bleibt abzuwarten.

Bargeschäft mit hoher Übernahmeprämie

Hasbro ist laut Übernahmevertrag bereit, für jedes der in London Stock Exchange (LSE) gehandelten eOne-Papiere 5,60 GBP in bar auf den Tisch zu legen. Ein stolzer Preis, der eine satte Übernahmeprämie von 31% – gemessen am 30-tägigen Durchschnittspreis der Aktie – beinhaltet.

eOne-Aktie steigt über Angebotspreis – Gegenofferte denkbar

Nach Veröffentlichung des Übernahmedeals am vergangenen Freitag schoss die Aktie des kanadischen Serienproduzenten auf vorher unerreichte Höhen. Der Kurs der eOne-Papiere stieg an der LSE um sage und schreibe +31,94% auf einen Schlusskurs von 5,85 GBP.

Im Tagesverlauf war der Kurs an der Londoner Börse zwischenzeitlich sogar auf das Rekordniveau von 6,16 GBP geklettert. Es spricht daher einiges dafür, dass Investoren mit einem Gegenangebot rechnen. So hatte der britische Fernsehsender ITV bereits vor drei Jahren ein Übernahmeangebot für eOne i.H.v. 1 Mrd. GBP unterbreitet. Auch andere TV-Sender scheinen laut Medienberichten Interesse an den weltweit beliebten Zeichentrick-Serien Peppa Pig und PJ Masks Pyjamahelden aus dem Hause eOne zu haben.

Hasbro-Papiere verlieren

Die an der NASDAQ gehandelten Hasbro-Papiere verloren am Freitag deutlich an Boden. Der Kurs sank um -8,94% auf 104,13 USD. Investoren scheinen nicht damit rechnen, dass der Übernahmedeal aufgrund des hohen Übernahmepreises einen Mehrwert für Hasbro schaffen wird.

Hasbro will Angebotsspektrum und Werbekanäle erweitern

Mit dem Kauf will Hasbro zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Der Spielwarenhersteller will sein Portfolio um eine erfolgreiche TV-Sparte erweitern und die Zeichentrick-Serien für das Marketing seiner eigenen Spielwaren nutzen:

„Die Übernahme von eOne erweitert das Hasbro-Portfolio um beliebte, story-geleitete globale Familienmarken, die hohe operative Renditen liefern”, so Brian Goldner, Hasbro Chairman und Chief Executive Officer. “Darüber hinaus wird Hasbro die beeindruckenden Entertainment-Fähigkeiten von eOne nutzen, um unsere Marken weltweit auf die Bildschirme zu bringen.“

Weiteres Vorgehen

Die Übernahmetransaktion bedarf noch den üblichen behördlichen Genehmigungen, der Zustimmung der eOne-Aktionäre und des Ontario Superior Court of Justice sowie anderer gängiger Abschlussbedingungen. Der Deal soll laut Pressemitteilung der beteiligten Unternehmen bis zum Jahresende 2019 abgeschlossen werden.

Brexit führt zum Ausverkauf britischer Unternehmen

Die auf den Brexit zurückzuführende Schwäche des britischen Pfunds hat in diesem Jahr bereits zum Verkauf mehrerer britischer Konzerne geführt. Wie wir Ihnen in der letzten Woche berichtet haben, wurde die traditionsreiche Brauereigruppe Greene King für 4,6 Mrd. GBP an eine Hongkonger Investorengruppe verkauft.

Bereits im vergangenen Monat hat die US-amerikanische Private-Equity-Gruppe Advent International den britischen Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungszulieferer Cobham in einen 4-Milliarden-Pfund-Buyout geschluckt. Auch der britische Lieferdienst Just Eat unterschrieb vor wenigen Wochen einen Übernahmevertrag mit dem niederländische Bestelldienst Takeaway.com. So lange die wilden Spekulationen über den Ablauf des Brexits und die damit verbundene Pfundschwäche andauern, ist mit weiteren Übernahmeofferten für britische Unternehmen zu rechnen.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.