Spotify: Mit umsonst lässt sich kein Geld verdienen

Kurz nach dem Börsengang ändert Spotify die Strategie. Wie Spotify Geld verdienen will, bleibt weiter unklar. (Foto: WDnet Creation / Shutterstock.com)

Spricht da schon die Verzweiflung? Nur wenige Wochen nach dem Börsengang, den Spotify zwar ohne Einschaltung von Banken, dafür auch ohne eine begleitende Kapitalerhöhung und damit ohne einen überlebensnotwendigen Liquiditätszufluss durchgeführt hat, wechselt der schwedische Musik-Streamingdienst einmal mehr die Unternehmensstrategie.

Nutzer der Gratis-Variante haben künftig die Möglichkeit, zumindest in 15 Playlisten auch einzelne Songs direkt anzusteuern. Bisher stand ihnen grundsätzlich nur die Wiedergabe in zufälliger Reihenfolge mit gewissen Einschränkungen beim Überspringen von Titeln zur Verfügung. Was von den Marketing-Strategen des Unternehmens wie eine Revolution gepriesen wird, ist, wie die Engländer sagen, nicht viel mehr als ein ausgemachtes Non-Event. Auf Deutsch: Ein Nicht-Ereignis.

Geldverbrennungsmaschine läuft auf Hochtouren

Dabei waren es gerade die Gratis-Kunden, denen Spotify noch vor einem Jahr den Service zurückgeschraubt hat. Damals wurden Gratis-Kunden unter dem Druck der Musikindustrie vom Hören neu erschienener Alben ausgeschlossen; diese sind seither nur noch in der kostenpflichtigen Premium-Version verfügbar. Damals wurde der Schritt damit begründet, dass Gratis-Kunden durch den nun schlechteren Service zum Wechsel auf die Premium-Version motiviert werden sollen.

Dass Gründer und Spotify-Chef Daniel Ek nun die verbesserte Gratis-Version wieder mit denselben Argumenten verteidigt, zeigt nur, dass Spotify kein echtes Geschäftsmodell hat. Ohne elitär klingen zu wollen, aber wer sich weigert, den Premium-Preis von gerade einmal zehn Euro im Monat zu bezahlen, wird diese Einstellung nicht aus Dankbarkeit für eine verbesserte Gratis-Variante ändern.

Im Konkurrenzkampf mit Apple

Spotify hatte nach den jüngsten verfügbaren Zahlen rund 70 Millionen zahlende Abo-Kunden und knapp 90 Millionen Nutzer der werbefinanzierten Gratis-Variante. Auf diese verzichtet Apple, hat jedoch innerhalb von gerade einmal drei Jahren bereits 40 Millionen Kunden von seinem Konkurrenzdienst Apple Music überzeugen können. Halten die Wachstumsraten an, dürfte Spotify zumindest in den USA schon bald nicht mehr die Nr. eins sein.

Tech-Aktien: Trotz Konsolidierung gehört ihnen die ZukunftTech-Aktien sind unter Druck. Neue Daten-Regulierungen sind unausweichlich, das Geschäft wird schwieriger. Dennoch haben sie Potenzial. › mehr lesen

Dies scheint auch Spotify so zu sehen. Einer Kapitulation gleich kommt die zweite „Revolution“ der Woche. Sie betrifft das durch Streaming erforderliche Datenvolumen. Dieses wird in der Gratis-Variante nämlich deutlich reduziert. Was im Zeitalter der Daten-Flatrate irrelevant ist, könnte ein Indiz dafür sein, dass Spotify zukünftig stärker auf Kundenjagd in Schwellenländern gehen will.

Zwischen Skylla und Charybdis

Da dürfte es für Spotify besonders schwierig werden, schwarze Zahlen zu schreiben. Schon in den Industrieländern hat sich im vergangenen Jahr der operative Verlust trotz eines fast 40 %-igen Umsatzanstiegs von 349 auf 378 Millionen Euro ausgeweitet. Trotz massiver Neukundengewinnung hat sich die Cash-Burn-Rate also nochmals beschleunigt.

Dies zeigt, dass Spotify zwar seine Wachstumsziele erreicht – und damit auch etwas richtig macht – doch diese werden teuer erkauft: Indem das Produkt zu billig abgegeben wird. Um nachhaltig profitabel zu werden, müsste Spotify seine Bezahlvariante deutlich teurer verkaufen, vermutlich zu 15 Euro pro Monat. Einer Preiserhöhung um 50 %, die für das Erreichen der Gewinnzone erforderlich wäre, steht jedoch der Smartphone-Gigant Apple entgegen, der sein Streaming-Angebot durch seine Hardwareverkäufe quersubventionieren kann.

Noch gehört die Spotify-Aktie zu den Anlegerlieblingen. Schließlich liegt die Aktie nach dem Börsengang noch deutlich im Plus. Sich auf dem aktuellen Kursniveau der Party anzuschließen, könnte sich jedoch als nachteilig erweisen. Vor allem, weil Spotify den Beweis schuldig geblieben ist, wie es den anhaltend hohen Kapitalverbrauch in den Griff bekommen will. Eine für Aktionäre nicht ganz unwichtige Kennzahl.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.