Spotify: Wie es nach dem Börsengang des weltgrößten Streaming-Dienstes weitergeht

Spotify: Wie es nach dem milliardenschwerem Börsengang weitergeht. Lesen Sie, warum Spotify nicht die zweite Netflix wird (Foto: WDnet Creation / Shutterstock.com)

Der erste Schritt ist geschafft. Vor wenigen Tagen wagte der schwedische Musik-Streaming-Dienst Netflix den Sprung aufs Parkett. Komplett ohne Konsortialbanken, die den Börsengang und den üblichen Preisfindungsprozess im Vorfeld normalerweise begleiten. Dennoch war die Emission ein voller Erfolg. Der Referenzpreis lag bei 132 Dollar. Mittlerweile notieren die Papiere bei 147 Dollar. Damit bringt es der schwedische Technologiekonzern bereits auf einen Börsenwert von über 26 Milliarden Dollar.

Schwedischer Streaming-Dienst

Mittlerweile ist das Unternehmen vor allem bei der jüngeren Generation kaum mehr wegzudenken. Spotify wurde im Jahr 2006 in Stockholm von Daniel Ek als legale Alternative zur Musikpiraterie gegründet. Der Gründer EK kam selbst aus der Hackerszene und wusste genau, wie und wo sich Musik am besten im Internet verbreiten ließ.

Dabei bietet das Unternehmen ein Musik-, Hörbuch- und Videostreaming-Dienst an. Inzwischen ist der Dienst in mehr als 60 Ländern verfügbar und beinhaltet fast 40 Millionen DRM-geschützte Musiktitel von einer Reihe großer Musiklabels wie Sony, EMI, Warner Music Group und Universal sowie zahlreicher kleiner Labels. Der Spotify-Dienst ist auf den meisten modernen Geräten verfügbar, darunter PCs, Smartphones und Tablets. Nutzer können mithilfe der bereitgestellten Apps den gesamten verfügbaren Musikkatalog durchsuchen und Wiedergabelisten erstellen und diese mit anderen Nutzern teilen.

Abo-Modell erfreut sich zunehmender Beliebtheit

Spotify benutzt ein Freemium-Modell. Einfache und grundlegende Dienstleistungen sind kostenlos und werbefinanziert, erweiterte oder zusätzliche Funktionen sind Teil eines „Premium“-Angebots. Mit 160 Millionen aktiven Nutzern, von denen 71 Millionen zahlende Abonnenten sind, ist Spotify aktuell der weltweit größte Musikstreaming-Dienst. Dabei setzen die Schweden vor allem auf die Erfassung und Auswertung der Kundendaten.

Alles dreht sich um die Daten

Die Vorlieben der gigantischen Kundenbasis werden mit dem Musikkatalog durch spezielle Rechenoperationen abgeglichen. Es wird genau erfasst, wann ein Nutzer ein Titel vorspult, bei welchen Akkorden abgebrochen und wie lange sich der Hörer in einer der über 1.600 Genres und Subgenres tummelt. Das Ergebnis ist beeindruckend: Insgesamt hat Spotify 200 Petabyte an Musik- und Kundendaten angesammelt und damit fünfmal mehr als der nächstgrößte Wettbewerber Apple.

Mit den gewonnen Daten können dem Nutzer wiederum individuell zugeschnittene Hörvorschläge und Wiedergabelisten erzeugt werden, die zur Steigerung der Kundenzufriedenheit beitragen. Die Personalisierung der Musik hält die Nutzer bei der Stange und bringt sie dazu, auch im nächsten Monat die Abogebühr von 9,99 Euro zu berappen.

Spotify auf Wachstumskurs

Die Entwicklung in den vergangenen Jahren war durchaus beeindruckend. Lag der Umsatz im Jahr 2011 noch bei 188 Millionen Euro, so gingen im zurückliegenden Geschäftsjahr bereits etwas mehr als 4 Milliarden Euro durch die Bücher. Das waren 39% als im Vorjahr. Allerdings müssen Sie wissen: Spotify hat noch nie seit seiner Gründung vor 12 Jahren die Gewinnzone erreicht. In 2016 fiel ein Verlust von 539 Millionen Euro an, im letzten Jahr verbrannte Spotify 1,2 Milliarden Dollar. Positiv ist hingegen, dass der Anteil der zahlenden Nutzer gestiegen ist.

In 2017 waren 44% der Nutzer zahlende Abonnenten. Für Sie zum Vergleich: In 2015 lag der Anteil erst bei 31%. Das Problem ist: Spotify zahlt für jedes abgespielte Lied einen sehr kleinen Betrag an die Plattenfirma und einen noch viel geringeren Betrag an den Komponisten und Interpreten. Die vielen Menschen, die sich sehr viele Musiktitel anhören sorgen dafür, dass das Unternehmen weit höhere Kosten durch die Zahlungen an die Rechteinhaber der Titel und vor allem auch durch die Finanzierungskosten hat, als man durch den Abo-Verkauf und Werbespots verdient.

Konkurrenz nimmt zu und warum Spotify nicht die zweite Neflix ist

So interessant das Geschäftsmodell ist, es hat beileibe kein Alleinstellungsmerkmal. Mit Apple und Amazon Music sind dem Marktführer zwei gigantische Tech-Unternehmen auf den Fersen. Obwohl Apple Music erst seit 2015 am Start ist, hat der Konzern bereits 30 Millionen zahlende Abonnenten. Der Kampf um die Kunden hat längst begonnen. Auch der von einigen Anlegern gezogene Vergleich zu Netflix hinkt.

Zwar fahren beide Firmen ein Abo-Modell, aber Netflix ist auf Grund der selbst produzierenden Inhalte deutlich weniger abhängig von Partnerfirmen, die Inhalte liefern. Spotify muss für jeden gehörten Song, der von einem Nutzer zusätzlich gehört wird, Tantiemen an die Künstler abführen. Das begrenzt das Margenpotenzial deutlich.

Sportliche Bewertung lässt Raum für Enttäuschung

Bei dem aktuellen Börsenwert von über 26 Milliarden Dollar bewerten die Anleger jeden Nutzer mit rund 160 Dollar. Für Sie zum Vergleich: Beim Facebook-Börsengang mussten die Investoren gerade mal 94 Dollar je Nutzer hinblättern und der Konzern hatte in der Vergangenheit bereits Gewinnmargen von über 30% erzielt.

Zugleich hat Spotify auf Grund des Geschäftsmodells überhaupt nicht die Möglichkeit, jemals in die Profitabilität von Facebook hineinzuwachsen (Gewinnmarge von Facebook 2017: 39%). Vor diesem Hintergrund scheint der Hype um Spotify ein wenig überraschend. Auch Kursziele von Analysten, die vereinzelt bei 200 Dollar liegen, sind schwer nachzuvollziehen. Denn wann und ob die Schweden die Gewinnzone erreichen, steht momentan noch in den Sternen.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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