Staatsanleihen Portugals sind riskanter als der Markt denkt

Waren eben noch Staatsschulden das große Thema, investieren die Märkte nun in Staatsanleihen wie Portugal – Risiken werden oft übersehen (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Waren eben noch Staatsschulden das große Thema, investieren die Märkte nun in Staatsanleihen wie Portugal – Risiken werden dabei zu oft übersehen.

Wir klären Sie über diese Entwicklung auf und begründen, weshalb sie Staatsanleihen meiden sollten.

Fitch-Agentur senkte Rating: „AA-“ statt „AA“ – der Markt ignoriert

Alarmierend die Stimmung am Anleihemarkt: wenn eine Rating-Agentur wie Fitch den Daumen senkt, steigen normalerweise a) die Zinsen für neue Anleihen und b) die Kosten für die Ausfallversicherung einer solchen Anleihe. Erste Reaktion für Portugal: nichts. Der Markt ist zu unvorsichtig, warnen wir Sie.

Die Ausfallsversicherungen bemessen sich in so genannten „CDS“ (Credit Default Swaps). Sie können daran schlicht ermessen, wie hoch die Märkte das Ausfallrisiko einschätzen. Im Fall der Staatsanleihen von Portugal stieg die „CDS“-Bewertung von 134 Punkten auf 137. Lächerlich.

Staatsanleihen aus Portugal und Europa allgemein sind gefährlich

Das böse Erwachen kommt noch. Ohne Unkenrufe, aber mit Anlauf. Die Staatsschulden nehmen in der ganzen EU zu. Vor allem in Südeuropa – und dies wird die Kurse von Staatsanleihen in den Keller schicken. Investieren Sie nicht.

Falls Sie Zinspapiere suchen, ist stattdessen der „Bertelsmann Genussschein“, den wir hier mehrfach empfohlen haben, eine Alternative. Immer noch bietet der Titel eine Rendite von etwa 7 Prozent.

Hintergrund zu Portugal-Anleihen zeigt den Druck in Frühsommer 2011

1,645 Milliarden Euro – so viel oder wenig brauchen die Portugiesen für den März 2011. Trotzdem zitterten sie, ob sie wenigstens für diese Mini-Summe noch Käufer finden würden. Immerhin: ja. Wir warnen allerdings vor weiteren Anleihen.

5,8% Zinsen – noch niedrig

Für diese Mini-Anleihe haben die Portugiesen „nur“ 5,8% Zinsen geboten. Dies liegt daran, dass die Anleihe nur bis Juni 2012 läuft und damit ein echter Kurzläufer ist. Portugal bringt Ihnen als Investor damit theoretisch mehr als das Doppelte als deutsche Anleihen.

Trotzdem warnen wir vor solchen Investments. Die Rating-Agenturen senken weiterhin fleißig den Daumen nochmals tiefer nach unten. Während der Laufzeit werden Sie kaum verkaufen können.

Nachteil: Das Geld liegt fest. Risiken steigen

Damit bunkern Sie das Geld geradezu in solchen Anleihen, wenn Sie kaufen. Ändern sich die Rating-Noten weiter, sind die Anleihen während der Laufzeit regelrecht Schrott.

Sie müssten dann bis zum Laufzeitende warten, um zu kassieren. Können die Portugiesen dann nicht vollständig zahlen, wird es teuer. Eventuell springt die Eurozone ein, eventuell nicht.

Staatsanleihen Portugal und gesamte Eurozone wird gefährlich

Die Drohungen nehmen zu. Die Eurozone möchte, dass Investoren „mehr Risiken“ übernehmen. Das heißt: Zahlungskürzungen selbst tragen. Ein Risiko für Investoren – kaufen Sie, wenn überhaupt, Unternehmensanleihen. Unternehmen wie HeidelbergCement müssen zumindest regelmäßig „berichten“.

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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.