Stada Aktie: Der weite Weg zum Squeeze-out

Die Stada Aktie verschwindet von der Börse – doch eine hundertprozentige Übernahme durch die neuen Mehrheitseigner könnte sich hinziehen. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Es ist ein Rückzug mit Ansage: Der Pharmakonzern Stada verschwindet von der Börse.

Den Schritt hatten die neuen Mehrheitseigner, die Finanzinvestoren Bain und Cinven, bereits seit Monaten vorbereitet. Schon im Sommer ließen sie die Stada Aktie aus dem MDax entfernen und in einem weniger regulierten Segment notieren.

Im vergangenen Jahr hatten die Investoren sich rund 65 Prozent der Anteile an dem Pharmaunternehmen mit Sitz im hessischen Bad Vilbel gesichert. Paul Singer, der mit seinem Hedgefonds Elliott etwa 12 Prozent der Stada Anteile hält, hat bereits signalisiert, diese an Bain und Cinven abtreten zu wollen.

Damit hätten die neuen Mehrheitseigner rund 77 Prozent des Kapitals bei sich vereint. Für einen Squeeze-out, also eine Zwangsabfindung der verbleibenden Aktionäre, würden sie aber mindestens 95 Prozent benötigen.

Investoren erhöhen Druck – und Angebot

Um weitere Anleger zum Verkauf ihrer Aktien zu bewegen, haben Bain und Cinven nun einerseits den Druck, andererseits aber auch ihr Angebot noch einmal erhöht: Sie bieten den verbliebenen Anlegern nun 81,83 Euro je Aktie. Wer das Angebot ausschlägt, hat demnächst keine Möglichkeit mehr, die Aktien an der Börse zu verkaufen.

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Das Angebot orientiert sich an der Kursentwicklung der vergangenen sechs Monate, wie vom Gesetzgeber neuerdings vorgeschrieben, und liegt fast ein Viertel oberhalb dessen, was Bain und Cinven im vergangenen Jahr für die Mehrheitsübernahme gezahlt haben. Damals legten sie pro Aktie lediglich 66,25 Euro auf den Tisch. Eine Offerte im Frühjahr, die sie auf 74,40 Euro je Aktie taxiert hatten, ließen die verbliebenen Anleger bekanntlich abblitzen.

Mit Erfolg, wie sich an dem nun vorgelegten, deutlich höheren Angebot zeigt. Privatanleger, die nach wie vor Stada Anteile halten, müssen nun abwägen, ob sie das Angebot diesmal annehmen – oder auch nach einem absehbaren Delisting an Bord bleiben, um auf einen noch höheren Preis zu spekulieren, der etwa im Rahmen eines Squeeze-outs fällig werden könnte.

Stada Aktie: Spekulationsfreudige Anleger?

Immerhin steht ihnen laut Beherrschungsvertrag eine Garantiedividende in Höhe von 3,82 Euro je Aktie zu. Und da sich der Aktienkurs Ende 2017 auch schon einmal in der Gegend um 90 Euro bewegt hat, scheint noch Luft nach oben zu sein, zumal die Geschäftsentwicklung der vergangenen Monate einen Aufwärtstrend bescheinigt. So konnten Umsatz und Gewinn in der ersten Hälfte des laufenden Jahres teils kräftig gesteigert werden.

Es bleibt also weiterhin spannend bei Stada, denn auch wenn eine hundertprozentige Firmenübernahme wohl auf lange Sicht das Ziel der Investoren sein dürfte, könnte der Weg, bis sie es erreichen, sich noch länger gestalten – je nachdem, wie die verbliebenen Aktionäre auf das nun vorgelegte Angebot reagieren werden.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.