Stada: Der Machtkampf geht weiter

Der Machtkampf beim deutschen Arzneimittel-Hersteller Stada geht weiter. Am vergangenen Freitag endete aber zumindest das Gezerre um die Neubesetzung des Aufsichtsrats.

Der aktivistische Investor Active Ownership Capital (AOC), der im Frühjahr 2016 bei Stada eingestiegen war, brachte den bisherigen Aufsichtsrats-Vorsitzenden Martin Abend, einen Rechtsanwalt aus Dresden, zu Fall.

Insgesamt hatten sich 56% der Anteilseigner dafür ausgesprochen.

Zur Erläuterung: Von einem aktivistischen Investor ist dann die Rede, wenn der Investor Einfluss auf die unternehmerischen Geschicke nimmt.

AOC konnte auf der insgesamt 13-stündigen Hauptversammlung jedoch nur einen Teilerfolg verzeichnen:

Von den von AOC ins Spiel gebrachten Kandidaten zieht nur der ehemalige Novartis-Manager Eric Cornut in den Aufsichtsrat ein. Ansonsten setzten sich die von Stada nominierten Kandidaten bei der Wahl durch.

Die Nachfolge von Abend wird der Bankier Carl-Ferdinand Oetker antreten, der der bekannten gleichnamigen Bielefelder Unternehmer-Familie entstammt.

Oetker war zuvor mehrheitlich von den Aktionären als Aufsichtsrats-Mitglied bestätigt worden und wurde anschließend vom Aufsichtsrat zu dessen Vorsitzenden gewählt.

AOC will den Wert von Stada steigern

Der aktivistische Investor AOC will nach eigenen Angaben den Wert von Stada steigern, indem die Firma zukünftig besser als bisher geführt wird.

Dafür wollte AOC den kompletten Aufsichtsrat von Stada austauschen. Dies gelang jedoch nicht.

Allerdings konnte Abend, der seit 2003 Mitglied des Stada-Aufsichtsrats und seit 7 Jahren Vorsitzender des Gremiums war, abgewählt werden.

Abend hatte zuvor dafür geworben, nicht wie von AOC gefordert, den gesamten Aufsichtsrat auszutauschen.

Dafür setze es auf der Hauptversammlung herbe Kritik: „Abend und Oetker sind Teil des alten Systems. Sie können nicht Teil eines Neuanfangs sein“, sagte AOC-Gründer Florian Schuhbauer.

Den beiden wurde vorgeworfen, Vetternwirtschaft betrieben und die Gehalts-Exzesse im Vorstand um den langjährigen Stada-Chef Hartmut Retzlaff zugelassen zu haben.

Florian Schuhbauer von AOC sagte zudem, dass Stada derzeit ein Bild von innerer Zerrissenheit und Führungslosigkeit zeige. Daher wollte AOC auch gleich den kompletten Aufsichtsrat austauschen.

Bislang einzigartiger Vorgang in Deutschland

Es war das erste Mal, dass sich ein aktivistischer Investor bei einem größeren börsennotierten Unternehmen in Deutschland in einer Kampfabstimmung durchgesetzt hat.

Zwar hält AOC nur gut 5% der Stada-Anteile, doch gelang es dem Investor, andere institutionelle Investoren und einflussreiche US-Aktionärsberater zumindest teilweise hinter die Forderungen von AOC zu bringen.

Ein wichtiges Argument von AOC: Man habe innerhalb kurzer Zeit bereits viel für alle Stada-Aktionäre erreicht. Und das stimmt.

Denn der Kurs der Stada-Aktie legte allein seit Anfang Mai dieses Jahres um rund 27% zu. Der DAX kam im selben Zeitraum lediglich auf ein bescheidenes Plus von knapp 4%.

Damit hat AOC kurzfristig sehr wohl den anderen Stada-Aktionären und sich selbst geholfen. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob der aktivistische Investor auch mittel- und vor allem langfristig eine Hilfe für Stada ist.

Wenn Sie auf kurzfristige Gewinne aus sind, könnte Stada durchaus ein spannendes Investment seit. Auf längere Sicht habe ich jedoch gewisse Zweifel.

29. August 2016

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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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