Stada: Eskaliert die Lage?

Die Lage bei Stada spitzt sich zu:

Bereits seit einiger Zeit hat der Pharma-Konzern, der für Produkte wie Grippostad oder die Hautpflege-Serie Ladival bekannt ist, Ärger mit einem seiner Großinvestoren.

Etwas mehr als 5% hält AOC (Active Ownership Capital) an dem Arzneimittel-Hersteller.

Doch im schwelenden Streit rund um Führungskultur, Wertschöpfung und Aktionärs-Beteiligung hat AOC inzwischen andere Aktionäre zu sich ins Boot geholt.

Rund 20% des Aktienkapitals von Stada sollen sich dem Investor in seinem Kampf gegen das Management inzwischen angeschlossen haben. Das Kalkül: Je größer der Stimmen-Anteil, desto höher der Druck, den man auf Vorstand und Aufsichtsrat ausüben kann.

Der Konflikt entzündet sich auf mehreren Ebenen: Es geht sowohl um die strategische Ausrichtung des Konzerns als auch um personelle Fragen.

Konflikte rund ums Führungs-Personal

Besonders Hartmut Retzlaff als langjähriger Vorstands-Chef stand wegen seines Führungsstils heftig in der Kritik.

Inzwischen hat er sich zurückgezogen und die Geschäfte dem neuen Vorstands-Vorsitzenden Matthias Wiedenfels überlassen. Dieser jedoch steht bei AOC ebenfalls in der Kritik; etwa wegen fehlender Branchen-Kenntnis.

Verständigt hatte man sich bereits im Mai darauf, Teile des Aufsichtsrats neu zu besetzen. Aus diesem Grund wurde die Hauptversammlung auf den 26. August verschoben.

Voraussichtlich in der kommenden Woche will AOC eine Liste geeigneter Kandidaten vorlegen, doch auch Stada selbst ist auf der Suche nach potenziellen Aufsichtsräten – neuer Streit ist also vorprogrammiert.

Neben der Führungs-Etage sorgt jedoch auch die strategische Ausrichtung des Konzerns für Unmut bei den Aktionären. Sie fordern Kosten-Senkungen und eine stärkere Internationalisierung, um Wachstums-Potenziale auszuschöpfen.

Bleibt abzuwarten, inwiefern die aktivistischen Investoren auch hier für Bewegung sorgen können.

Stada Aktie mit starker Entwicklung

Allen Unruhen zum Trotz hat sich die Stada Aktie zuletzt prächtig entwickelt: Auf Jahressicht hat sie sich um 50% verteuert, allein seit Jahresbeginn beläuft sich das Plus auf über 20%. Zuletzt kostete das Papier gut 46 €.

Analysten raten in der unübersichtlichen Gemengelage derzeit trotzdem zur Zurückhaltung und empfehlen mehrheitlich, die Stada Aktie zu halten.

Die Kurs-Ziel-Spanne reicht hinauf bis auf 55 € (Baader Wertpapierhandelsbank: Buy) und hinunter bis auf 37 € (Jefferies & Company: Sell).

Die Mehrheit der Einschätzungen bewegt sich im Rahmen zwischen 40 und 50 €, darunter aktuelle Studien von Warburg Research (40 €: Hold), Independent Research und Commerzbank (beide 50 €: Hold).

Inwieweit sich bei der Hauptversammlung mit teilweiser Neubesetzung des Aufsichtsrats die Wogen glätten werden oder ob die Lage dann erst recht eskaliert, wird sich zeigen.

Der Fall zeigt jedoch: Wenn sich Aktionäre zusammenschließen und ein gewisses Stimmgewicht erreichen, können sie auch in scheinbar verkrusteten Strukturen durchaus noch Veränderungen anstoßen.

2016-07-08 Stada

9. Juli 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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