Stärkster Einbruch der Einzelhandelsumsätze seit 2011

Der deutsche XXL-Aufschwung ist nun endgültig vorbei. Es mehren sich die Signale, die für einen bevorstehenden Abschwung sprechen. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Noch im März diesen Jahres war es der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der der deutschen Wirtschaft noch für „mindestens 15 bis 20 Jahre“ einen anhaltenden Aufschwung mit einem jährlichen Wachstum von zwei bis 2,5 Prozent zutraute. Jetzt, im Sommer 2018, mehren sich die Anzeichen, dass der seit 2010 anhaltende Aufschwung zu Ende geht.

Schockiernd schlechte Daten vom Einzelhandel

Im Kontext mit dem XXL-Aufschwung ist ja immer wieder von einer starken Konsumnachfrage der ausgabefreudigen Verbraucher als wichtiger Stütze der Konjunktur die Rede. Angesichts derartiger Rahmenbedingungen müssten eigentlich die Kassen der Händler klingeln. Dem ist aber leider ganz und gar nicht der Fall. Im Gegenteil. Reuters meldete am vergangenen Freitag, dass die deutschen Einzelhändler im Mai den größten Umsatzrückgang seit sieben Jahren zu verzeichnen hatten.

Unter dem Strich landeten1,7 Prozent weniger Geld in den Kassen als im Vormonat. Preisbereinigt (real) gab es ein Minus von 2,1 Prozent, das viermal größer ausfiel als von Ökonomen erwartet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat setzten die Einzelhändler nominal nur karge 0,2 Prozent mehr um.

Nur geringes Wachstum im Internethandel

Auffällig war auch, dass im Internet- und Versandhandel in Deutschland die Wachstumsraten sich zusehends abschwächen. Wir reden hier nur noch von einem Wachstum von 2,3 Prozent im Mai. Dagegen gingen die Umsätze im sonstigen Einzelhandel – zu dem etwa Waren- und Kaufhäuser zählen – um satte 5,5 Prozent zurück.

Auffällig war auch, dass im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln die Umsätze im Mai 2018 real 3,0 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat lagen. Erwähnenswert ist hier, dass es bei Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren ein Minus von 3,6 Prozent in den Kassen der Händler gab.

Ja, liebe Leser, der XXL-Aufschwung in deutschen Landen ist vorüber. Auch wenn es vielleicht noch einige Politiker nicht wirklich wahrhaben wollen. Höchst interessant ist, dass selbst sog. „Wirtschaftsweise“ wie Herr Feld nun mit einer stärkeren Abkühlung rechnen. “In diesem Jahr könnte das Wachstum weniger als 1,8 Prozent betragen”, sagte Herr Feld dem Magazin “Focus”.

Auch für 2019 schraubte Feld die Erwartungen nach unten. Statt der bisher erwarteten 1,8 Prozent Wachstum könnten es nur noch 1,5 Prozent werden. Spannend ist auch, dass derzeit fast niemand den Beginn einer Rezession auf der Agenda hat. Und vielleicht noch mehr. Wehe, wehe, wenn aus dem XXL-Aufschwung am Ende ein von den sog. Experten völlig unerwarteter XXL-Abschwung wird…


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.