Stagnierende Stahlnachfrage weltweit, außer in Europa

Der Branchenverband Eurofer rechnet für die europäische Stahlnachfrage mit einem Anstieg um 1,5%.

Allerdings profitieren die Stahlunternehmen nicht ausreichend von dieser positiven Entwicklung, da ein Teil dieser Nachfrage durch Importe bedient wird. Diese werden voraussichtlich um 5% im Vergleich zum Vorjahr zunehmen.

Bedenkt man, dass China 300 Mio Tonnen Stahl pro Jahr mehr produziert, als selbst benötigt und dies dem Jahresverbrauch Europas entspricht, dann weiß man woher die Importe kommen. Die meisten Stahlprodukte aus China werden subventioniert oder zu Dumpingpreisen verkauft.

Die EU-Kommission hat in diesem Jahr beispielsweise bei Importen von rostfreien Feinblechen Dumpingspannen von bis zu 35% festgestellt. Wenn hier nichts passiert, könnte es die Existenz der Stahlindustrie gefährden. Auch Amerika importierte im letzten Quartal 615.171 Tonnen Stahl aus China, das sind 25% mehr als im Vorjahr.

ArcelorMittal plant, ein Drahtwalzwerk zu schließen. Grund dafür sind die herausfordernden Marktbedingungen durch unfaire Importe aus China. Die amerikanischen Stahlproduzenten setzen sich deshalb schon länger dafür ein, dass es für Unternehmen einfacher wird, Schutzzölle zu erhalten.

… weltweit stagniert sie

Für Europa rechnet auch ArcelorMittal mit einem Anziehen der Nachfrage, sieht aber Bremsspuren in der weltweiten Stahlnachfrage. Der Konzern bekräftigte zwar seine Gewinnprognose für das laufende Jahr, der globale Stahlverbrauch wird aber 2015 stagnieren. Bisher hatte ArcelorMittal ein Wachstum von 0,5 bis 1,5% erwartet.

In China wird der Verbrauch wohl jetzt um 1% zurückgehen und nicht wie zuvor erwartet um bis zu 1% zulegen. Der Konzern ist zwar nicht besonders abhängig von dem Markt in China. Die Volksrepublik spielt aber weltweit für die Branche eine große Rolle. Auch die Nachfrage in den ehemaligen Staaten der Sowjetunion und in Brasilien entwickelt sich schwächer.

U.S. Steel wieder mit Verlust

Der Vorstandsvorsitzende war nicht untätig, seit er U.S. Steel 2013 übernommen hat. Seit Anfang des Jahres, als die Stahl-Preise um 25% fielen, hat er 2.800 Arbeiter entlassen, 6.200 weiteren eine Warnung ausgesprochen und außerdem die Produktion in 9 Werken heruntergefahren.

Nach eigenen Angaben hat U.S. Steel mit Sparmaßnahmen und Produktivitätsverbesserungen 575 Mio $ generiert. Letztes Jahr konnte der Konzern – nach 5 verlustreichen Jahren – erstmals wieder einen Gewinn verbuchen, im 1. Halbjahr musste er aber wieder einen Verlust hinnehmen.

ThyssenKrupp auf Erholungskurs

ThyssenKrupp sieht seinen Erholungskurs auch durch zunehmende Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung in China nicht in Gefahr. Auch wenn die wirtschaftliche Dynamik abnehme, bleibe China ein Wachstumsmarkt.

Der Vorstand bestätigte nach einem kräftigen Gewinnsprung im 3. Quartal die Prognosen. Leichte Abstriche machte das Management bei seinem Umsatzausblick. Nur dank des schwachen Euro sollen die Umsätze noch im mittleren einstelligen Prozentbereich steigen.

Auf vergleichbarer Basis rechnet Thyssen- Krupp mit einer Stagnation, weil die eingebrochenen Rohstoffpreise auf die Stahlpreise durchschlagen.

9. September 2015

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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