thyssenkrupp: Stahlgigant vor Neubewertung?

Fusionen und Zukäufe sind für Anleger oft das Salz in der Suppe. Wir erklären, was sich bei thyssenkrupp tut und was Sie zu erwarten haben. (Foto: nitpicker / shutterstock.com)

Investieren Sie gerne in Deutschland? Das kann ich gut verstehen! Auch wir schätzen viele deutsche Firmen als verlässlich und gut innerhalb ihrer Branche positioniert.

Bewusst blicken wir aber auch über den Tellerrand. Erst im Spiegel der gesamten Branche lässt sich ein Unternehmen wirklich bewerten.

Für viele Anleger ist thyssenkrupp noch immer ein legendärer Konzern, tatsächlich ist er im Ruhrgebiet und darüber hinaus eine Institution.

Doch konkurrieren auf dem Weltmarkt viele Betriebe und Investoren miteinander. Wir klären in unserer Analyse, ob thyssenkrupp wirklich die beste Wahl für Anleger ist.

Gute Geschäfte bei thyssenkrupp

thyssenkrupp gehört weltweit zu den größten Rohstahl-Produzenten. Der Konzern verfügt über diese 3 Tätigkeits-Schwerpunkte:

  1. Stahl,
  2. Industriegüter
  3. Dienstleistungen.

Die Produktion von Flachstahl ist das Kerngeschäft.

Die weiteren Bereiche befassen sich mit der Herstellung von Investitions-Gütern (Maschinen, Aufzüge, Fahrzeugtechnik, Werkstoffe) sowie mit dem Handels- und Dienstleistungs-Geschäft.

In der Bilanz fällt der starke Anstieg des Auftrags-Eingangs auf:

Bezogen auf die ersten 9 Monate sind Bestellungen für mehr als 32 Mrd. € eingegangen – ein Plus von 16%, wobei der Anlagenbau ganz besonders herausragt.

Nach einer Schwäch-Pphase im Vorjahr hat sich der Auftrags-Eingang dort beinahe verdoppelt.

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thyssenkrupp sieht darin die erhoffte Trendwende, hält aber an seinem Spar- und Umbau-Programm unverändert fest.

Denn mit einem auf nur noch 48 Mio. € drastisch geschrumpften operativen Ergebnis (EBIT) bewegte sich die Sparte nur noch knapp über der 0-Linie.

Ein Rückschlag ist die in Israel eingeleitete Untersuchung zum Kauf von 3 U-Booten. Der Auftrag für die zum Anlagenbau gehörende Marine-Sparte liegt damit vorläufig auf Eis.

Richtig gut zugelegt hat allerdings „Steel Europe“: Das Stahlgeschäft in Deutschland und Europa konnte sein EBIT auf 231 Mio. € mehr als verdoppeln.

Da tut sich etwas…

thyssenkrupp treibt die Abspaltung seiner Stahlsparte voran. Interessent ist Tata Steel Europe, die sich bereits auf eine grundsätzliche Lösung verständigt hat.

Das Problem: Ein Abschluss ist nicht möglich, bis thyssenkrupp sich mit den Arbeitnehmern einigen kann.

Diese aber gehen auf die Barrikaden, da die britischen Stahlarbeiter im defizitären Werk in Port Talbot Jobgarantien bekommen sollen.

In Deutschland dagegen droht trotz effektiverer Hütten ein Stellen-Abbau. Kommt die Fusion zustande, steht die Aktie vor einer Neubewertung.

Mit einer aufpolierten Bilanz und dem Fokus auf die lukrativeren Technologie-Sparten passt auch das langfristige Bild.

Fazit

Obwohl es einige positive Entwicklungen bei thyssenkrupp gibt, sehen wir auch die negativen Dinge, wie beispielsweise das geringe Eigenkapital.

Unser Tipp: Bleiben Sie bei der Aktie besser an der Seitenlinie!


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.